Politik Kurswechsel in Afghanistan: Aussteigerhilfe und Abzugspläne

Karsai (l.) und Brown bei der Afghanistan-Konferenz Foto: dpa

LONDON - Die internationale Gemeinschaft will ihr militärisches und ziviles Engagement am Hindukusch verstärken, nach acht Jahren Krieg aber auch Abzugsperspektiven schaffen. Der britische Premier Brown, Gastgeber der Afghanistan-Konferenz, sprach von einem Wendepunkt.

 

Mit mehr afghanischen Sicherheitskräften und einem Aussteigerprogramm für die Taliban soll der langfristige Abzug der internationalen Truppen vom Hindukusch eingeläutet werden. Bereits in diesem Jahr werde die Kontrolle «Bezirk nach Bezirk» an die afghanischen Soldaten und Polizisten übergeben, sagte der britische Premierminister Gordon Brown bei der Afghanistan-Konferenz am Donnerstag in London. Er sprach von einem Wendepunkt nach acht Jahren internationaler Präsenz am Hindukusch. Brown kündigte einen Fonds zur Eingliederung gemäßigter Taliban-Kämpfer an. Afghanistans Präsident Hamid Karsai machte in London deutlich, dass sein Land noch jahrelang auf ausländische Truppen und Finanzhilfe angewiesen sein wird.

Brown würdigte auch Deutschlands Pläne, die Truppen aufzustocken und mehr Geld in die Entwicklungshilfe zu stecken. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sah Rückendeckung der Verbündeten für die Afghanistan-Strategie der deutschen Regierung und warb für das Taliban-Aussteigerprogramm. «Wir wollen, dass junge Männer, die oft genug für 200 Dollar zu Kämpfern geworden sind, zurückkehren in ihre Dörfer.» Den Mitläufern müsse man eine Brücke bauen, damit sie eine wirtschaftliche Zukunft unabhängig von den Taliban bekämen, sagte Westerwelle. Der Fonds soll 350 Millionen Euro betragen. Deutschland will insgesamt 50 Millionen Euro über fünf Jahre beitsteuern.

Der Einsatz der internationalen Truppen sei «entscheidend für die Sicherheit in der Welt», sagte Gastgeber Brown. Auf der eintägigen Konferenz in London könne der Grundstein gelegt werden, dass die ausländischen Truppen «nach Hause» kommen. «Es wird Zeit brauchen, aber schneller gehen, als manche erwarten.» Karsai hatte dagegen vor der Konferenz betont, dass sein Land noch bis zu 15 Jahre lang Hilfe bei Ausbildung und Finanzierung aus dem Ausland brauche.

Karsai erneuert sein Versöhnungsangebot

Karsai versprach, den Kampf gegen die Korruption zu einer «Schlüsselaufgabe» seiner jetzigen Amtszeit zu machen. Er bekräftigte sein bei Amtsantritt im vergangenen Jahr formuliertes Ziel, dass sein Land bis 2014 in der Lage sein solle, selbst für seine Sicherheit zu sorgen. Zugleich kündigte er neue Anstrengungen zur nationalen Aussöhnung mit den Taliban an. Unter anderem solle dazu ein «Nationaler Rat für Frieden und Versöhnung» geschaffen werden. Man strecke die Hand aus zu all jenen Aufständischen, die der Gewalt abschwörten, nicht zu Al Qaeda gehörten und die Verfassung achteten.

Gleichzeitig wandte sich Brown mit einer Kampfansage an das Terrornetzwerk Al Qaeda: «Wir werden Euch besiegen, nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch in den Herzen und Köpfen.» (dpa/apn)

 

0 Kommentare