Politik Kugelhagel auf Ärzteteam in Afghanistan

Region Badakhshan im Nordosten von Afghanistan Foto: dpa

FRANKFURT/MAIN - Nach einem Einsatz haben Bewaffnete zehn Mitglieder eines Hilfsteams im Norden Afghanistans erschossen, darunter eine Deutsche. Die Taliban bekennt sich zu dem Anschlag.

 

Für Erblindete, schwer leidende undbehinderte Menschen in den entlegensten Dörfern der Welt sind dieengagierten Ärzte von Hilfsorganisationen die einzige Rettung.Teams von etwa zehn Mitarbeitern richten ein „Augencamp“ ein – ineiner Schule oder einem entsprechend großen Raum, der vieleMenschen aufnehmen kann. Denn der Andrang ist immer groß. Nacheinem solchen Einsatz haben Bewaffnete zehn Mitglieder einesHilfsteams im Norden Afghanistans erschossen, darunter eineDeutsche.

„Traurige Nachrichten aus Afghanistan“ meldet dieChristoffel-Blindenmission Deutschland (CBM) im südhessischenBensheim am Samstagnachmittag. Bei den Getöteten handelte es sichum Mitglieder eines Augenteams des CBM-Partners InternationalAssistance Mission (IAM). Das Team war in abgelegenen Dörfernunterwegs gewesen auf Einladung einiger dortiger Gemeinden. Nachdemsie ihre drei Wochen dauernde medizinische Arbeit in der ProvinzNuristan beendet hatten, waren sie Richtung Kabul zurückgereist.

Der Polizeichef der Provinz Badachschan, General Agha Nur Kemtus,teilte mit, die Erschossenen seien am Freitag in einem Wald inBadachschan (die Provinz liegt östlich von Kundus) bei ihren vonKugeln durchsiebten Allradautos gefunden worden. Dorfbewohnerhätten die Gruppe davor gewarnt, dass die Gegend unsicher sei. „Wir arbeiten mit Sicherheitsorganisationen zusammen“, sagte diestellvertretende Pressereferentin der CBM, Ulrike Loos, aufDAPD-Anfrage. „Wir hören auf deren Rat.“ Vor einem Einsatz werdeeine Sicherheitsexpertise gestellt, das sei extrem wichtig,erklärte Loos. „Wir arbeiten immer so, dass wir das Risiko'handlen' können.“ Allerdings sei auch klar, dass immer einRestrisiko bleibe. Ob es einen „speziellen Schutz“ für die Teamsgebe, sei ihr nicht bekannt, sagte die Sprecherin.

Für Mitarbeiter der sogenannten „staatlichenDurchführungsorganisationen“ wie dem Deutschen Entwicklungsdienst,der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und GTZ gilt ein eigenseingerichtetes Sicherheitssystem, erklärte der Sprecher desBundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit undEntwicklung, Sebastian Lesch, dem DAPD. In das Konzept eingebundenseien auch NGO (Nichtregierungsorganisationen), die Geld vomdeutschen Steuerzahler erhalten.

Zweifel an angeblichen Motiven der Taliban

Die CBM ist selbst nicht in Afghanistan tätig, sondern arbeitetseit mehr als 30 Jahren mit der IAM zusammen, wie die Sprecherinerklärte. Die Mitarbeiter der Ärzteteams würden auch alle von derIAM eingestellt. CBM beteiligt sich laut Loos aber an derAusbildung der Mitarbeiter vor Ort.

Die Taliban bekennt sich zu dem Anschlag. Ihr Sprecher SabjullahMudschahid erklärte, die Ausländer hätten für die USA spioniert und„für das Christentum missioniert“. IAM-Direktor Dirk Frans undPolizeichef Kemtus äußerten jedoch Zweifel an der Täterschaft derTaliban. Kemtus sagte, nach Darstellung von Beamten vor Ort hättenzehn Bewaffnete das Ärzteteam ausgeraubt und danach erschossen. Frans betonte, die IAM sei zwar als christliche Organisationregistriert, missioniere aber nicht. Auf ihren Internet-Seitennennt sie als ihre Aufgabenbereiche neben der Gesundheitsversorgungunter anderem auch erneuerbare Energien und Englischunterricht. DieIAM konzentriert ihre Arbeit nach eigenen Angaben aufunterversorgte Regionen, in denen Hilfe am meisten gebraucht wird.Die freiwilligen Helfer seien zum Teil auf eigene Kosten imEinsatz.

Auch die deutsche Organisation wies Vorwürfe einer Missionierungzurück. „Als CBM unterstützen wir es auch nicht“, sagte SprecherinLoos. „In einem Land wie Afghanistan muss man sich zurückhalten.“Loos betonte: „Wir helfen jedem, egal welcher Nationalität oderwelchen Glaubens sie sind.“ Möglicherweise muss nun die Hilfe ausSicherheitsgründen eingeschränkt werden. „Wir wissen noch nicht,was daraus wird“, sagte die Sprecherin.

DAPD

 

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