Politik Kraftilanti und Bruder Jürgen – Kampf in NRW

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Unverhofft ist der Landtags-Wahlkampf spannend geworden: Die SPD-Herausforderin könnte den Ministerpräsidenten in die Knie zwingen. Doch zum Regieren braucht sie die Linken.

 

DÜSSELDORF Dass es so knapp werden würde, das hat niemand gedacht. Jürgen Rüttgers schlägt die Außenseiterin Hannelore Kraft – so sah es noch vor wenigen Monaten in NRW aus. Doch jetzt liefern sich beide Kandidaten ein heißes Duell auf Augenhöhe. Und weil in Berlin so viel von der Landtagswahl im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland abhängt (siehe Kasten), wird dieser Wahlkampf besonders heftig ausgefochten. Gestern Abend traten der CDU-Ministerpräsident und seine SPD-Herausforderin zu einem lange erwarteten TV-Duell vor die Kameras.

Der schnelle Umfragen-Absturz von Jürgen Rüttgers und seiner Koalition – er hat ihn sich zu großen Teilen auch selbst zuzuschreiben. Die Sponsoring-Affäre hat Rüttgers massiv geschadet. Die NRW-CDU hatte Gespräche mit dem Ministerpräsidenten auf Parteitagen für mehrere tausend Euro verkauft. Außerdem hatte ein Rüttgers-Intimus aus der Düsseldorfer Staatskanzlei die systematische Video-Überwachung von SPD-Kandidatin Hannelore Kraft angeordnet.

Der Einbruch bei den Umfragewerten hat aber auch mit der Unzufriedenheit mit Schwarz-Gelb im Bund zu tun. Rüttgers, der selbsternannte schwarze Arbeiterführer, distanzierte sich jetzt vom FDP-Wahlkampfmotto „Privat vor Staat“ und sagte, die Zeiten von Marktradikalismus und Neoliberalismus seien vorbei.

Für Jürgen Rüttgers wäre eine Niederlage extrem bitter. Denn Beobachter sagen dem Johannes-Rau-Bewunderer (genannt „Bruder Jürgen“) Ambitionen auf höhere Weihen nach, zum Beispiel auf das Bundespräsidenten-Amt.

Ob Polit-Quereinsteigerin Hannelore Kraft, die unglamouröse und manchmal ungelenke Arbeitertochter aus dem Ruhrgebiet, die Macht an sich reißen kann? Da wird ihr vermutlich die Linke einen Strich durch die Rechnung machen. Denn für Rot-Grün reicht es nur, wenn die Linke nicht in den Landtag kommt. Die könnte den Sprung aber durchaus schaffen.

Problem: Ausgerechnet in der NRW-Linken versammeln sich die Super-Radikalen der Partei. Hannelore Kraft bezeichnete sie jüngst als „nicht regierungsfähig“. Doch wenn sie regieren möchte, dann muss sie womöglich doch auf die Linke zurückgreifen. Jürgen Rüttgers spricht nun schon ständig von „Hannelore Kraftilanti“ – und versucht, Erinnerungen an die glücklose hessische SPD-Chefin zu wecken. Es bleibt spannend. zo

 

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