Politik Guttenberg sagt das K-Wort

Karl-Theodor zu Guttenberg Foto: dpa

BERLIN - Nach dem Tod von drei deutschen Soldaten spricht der Verteidigungsminister von „Krieg“ in Afghanistan – und dass ein lang geplanter Anschlag am Karfreitag „besonders perfide“ sei.

 

Jetzt spricht er von „Krieg“: Nach dem Tod von drei deutschen Soldaten am Karfreitag hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erstmals unumwunden das K-Wort in den Mund genommen. Aber gleichzeitig machte er auch deutlich: Der Einsatz, wie auch immer man ihn nennt, bleibt: „Andernfalls droht eine Destabilisierung der Region von der Atommacht Pakistan bis zum Iran.“

Die drei getöteten Männer im Alter von 25, 28 und 35 Jahren aus dem niedersächischen Seedorf waren mit ihren Kameraden unterwegs, um Minen zu räumen. Dabei gerieten sie in einen Hinterhalt der Taliban. „Sie wurden von 30 bis 40 Mann mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten angegriffen“, so Generalinspekteur Volker Wieker.

Aus Offizierskreisen hieß es, der Hinterhalt sei offenbar von langer Hand vorbereitet worden. Die Taliban operierten aus vorbereiteten Stellungen. „Die deutschen Soldaten wurden von El-Kaida-Scharfschützen getötet, die mit den Taliban kooperiert haben“, so ein Offizier. Guttenberg sagte, es sei wohl kein Zufall, dass sich der Anschlag ausgerechnet am Karfreitag ereignet hat – „besondere Perfidie“.

Es folgten die bisher schwersten Gefechte, die die Bundeswehr bisher in Afghanistan erlebt hat. Sie konnte sich nur mit Hilfe von amerikanischen und afghanischen Soldaten befreien. Im Verlauf der Kämpfe starben fünf afghanische Soldaten durch irrtümlichen deutschen Beschuss, wofür sich Guttenberg ausdrücklich entschuldigte.

Außerdem wurden acht deutsche Soldaten verletzt, vier davon schwer. Sie wurden ins Bundeswehrkrankenhaus Koblenz gebracht. Auch die Särge sind mittlerweile in Deutschland. Bei der Abschiedszeremonie in Kundus sagte Kommandeur Frank Leidenberger: „Wir haben alle gehofft, dass wir diesen Tag niemals erleben müssen. Diese Hoffnungen wurden zerstört.“ Die Soldaten lauschten mit versteinerten Mienen.

In Deutschland nahm Guttenberg die Särge in Empfang, der dafür seinen Osterurlaub in Südafrika abgebrochen hat. Dabei verwendete er das Wort „Krieg“: „Auch wenn es nicht jedem gefällt, kann man in Afghanistan umgangssprachlich von Krieg reden.“ Juristisch korrekt sei „Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung“, weil ein Krieg völkerrechtlich zwischen Ländern stattfindet. Aber man dürfe sich nicht „in Worthülsen ergehen“, sondern müsse Begriffe nutzen, „die auch verstanden werden“. Gleichzeitig sagte er: „Wir bleiben. Unsere Soldaten stehen dort nicht umsonst.“

Eine große neue Abzugsdebatte gab es auch nicht – allerdings die Frage, ob die deutschen Kräfte gut genug ausgerüstet sind. Ex-Generalinspekteur Harald Kujat sagte, die Soldaten seien nur in den Hinterhalt geraten, „weil sie eben wie so oft nicht mit den nötigen Aufklärungssystemen ausgerüstet sind“. tan

 

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