Politik „Es ist zutiefst bedauerlich“

Susanne Breit-Kessler Foto: Martha Schlüter

Geistliche sind besonders gefordert und können scheitern wie andere auch. Susanne Breit-Kessler, die evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern, im AZ-Interview über den Rücktritt von Margot Käßmann.

 

AZ: Frau Breit-Kessler, was halten Sie von dem Schritt von Bischöfin Käßmann?

SUSANNE BREIT-KESSLER: Ich bedaure den Rücktritt zutiefst. Er bedeutet einen großen Verlust für den deutschen Protestantismus. Zugleich nötigt mir die Entscheidung der Ratsvorsitzenden großen Respekt ab.

Im ganzen Land gab es Ermutigung für die Bischöfin und die Ermunterung, nicht zurückzutreten. Warum hat sie es trotzdem gemacht?

Margot Käßmann ist eine aufrechte und konsequente Frau. Sie beweist damit einmal mehr Haltung. An ihrer Glaubwürdigkeit könnte sich mancher ein Beispiel nehmen.

Wie besonders gefordert war Margot Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende?

Eine solche Frau, die alle Protestanten in Deutschland vertritt, ist außergewöhnlich gefordert – weil jedes ihrer Worte, alles, was sie tut oder unterlässt, was sie erleidet und glücklich macht, von einer ganz breiten Öffentlichkeit sofort wahrgenommen, kommentiert und beurteilt wird – wie ja auch im aktuellen Fall geschehen.

Es wird ja immer gesagt, das Amt Pfarrers sei kein Beruf, sondern eine Berufung. Fallen da solche Vergehen schwerer ins Gewicht als bei „normalen" Berufstätigen?

Ja, viele Menschen erwarten das von Pfarrerinnen und Pfarrern, weil man sich vorstellt, dass sie den Himmel auf Erden repräsentieren. Sie sollen ein vorbildliches Leben führen, das andere nicht schaffen. Aber Pfarrer und Pfarrerinnen können scheitern wie andere auch – sie sind ebenso auf Vergebung angewiesen.

Wie geht es jetzt im Rat der EKD weiter? Bekommen wieder die konservativen Protestanten die Oberhand?

Der Rat und die EKD haben Raum für unterschiedlichste Frömmigkeitsstile. Es ist und bleibt Aufgabe, gut evangelisch gleichberechtigt miteinander die Kirche zu leiten. Es wird sich jeder hüten, aus dieser tragischen Situation Kapital zu schlagen.

Interview: M. Heinrich

 

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