Politik CSU über Sarrazin: "Der Typ hat einen Knall"

Thilo Sarrazin provoziert. Foto: dpa

MÜNCHEN, BERLIN - Die Rufe nach Konsequenzen für Bundesbank-Vorstand und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin werden immer lauter. Die CSU geht auf Distanz zu Sarrazin und seinen umstrittenen Äußerungen. In Berlin sind Proteste gegen die für Montag angesetzte Buchpräsentation geplant.

 

Die CSU geht auf Distanz zu den jüngsten Äußerungen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin. "Der Typ hateinen Knall", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dem"Münchner Merkur" (Montagausgabe). Dobrindt forderte dennoch eineDebatte über Fehler bei der Integration. "Man muss über Integrationin Deutschland diskutieren." Vor allem müsse man über "denmangelnden Integrationswillen von türkischstämmigen und muslimischenMigranten, wie ihn der Integrationsbericht der Bundesregierungoffenlegt", sprechen, sagte Dobrindt.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), fordert von der Bundesbank die Entlassung ihres Vorstands Thilo Sarrazin. "Die Bundesbank ist jetzt am Zug", sagtesie am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Sarrazin spreche nicht nur alsPrivatmann und müsse gehen.

Böhmer bezeichnete Sarrazins Äußerungen über die angeblichmangelnde Integrationsfähigkeit von Muslimen und die Gene von Judenals "unerträglich". Sie warf dem SPD-Mitglied vor, die Wirklichkeitauszublenden. Sarrazin zeichne ein "Zerrbild" der Integration undstütze sich nur auf negative Beispiele.

Ein Bündnis „Rechtspopulismus stoppen!“ will am Montag um 10.00 Uhr vor dem Haus der Bundespressekonferenz in Berlin gegendie Buchpräsentation von Ex-Finanzsenator und Bundesbank-VorstandSarrazin protestieren. Die Veranstaltung unter dem Motto „Kein Podiumfür geistige Brandstifter“ wird von Politikern der SPD und Grünenunterstützt.

Im Tagungszentrum des Hauses will der heutige Bundesbank-VorstandSarrazin um 11.00 Uhr sein umstrittenes Buch „Deutschland schafftsich ab“ vorstellen, das im DVA Verlag München erschienen ist. Darinwirft er muslimischen Migranten vor, sich nicht in die Gesellschaftintegrieren zu wollen und mehr Kosten zu verursachen, als Nutzen zubringen.

Die provokanten Thesen stießen bundesweit auf Empörung. AuchBundeskanzlerin Merkel distanzierte sich. Die Kritiker werfenSarrazin vor, Zuwanderer pauschal zu diskriminieren und damit nichtzur Lösung von Integrationsproblemen beizutragen.

(AZ)

 

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