Politik Auch evangelische Kirche mit Missbrauchsfällen konfrontiert

Die Evangelische Landessynode Bayern tagt in Weiden (Oberpfalz). Foto: dpa

MÜNCHEN - Nach der katholischen Kirche geraten nun auch die Protestanten in den Sog des kirchlichen Missbrauchsskandals. Im Zuständigkeitsbereich der Evangelischen Landeskirche in Bayern meldeten sich jetzt zwei Opfer.

 

Seit Bekanntwerden entsprechender Fälle im katholischen Internat Ettalhätten sich zwei Missbrauchsopfer bei der evangelischen Landeskirchein München gemeldet, berichtete die Kirchenleitung am Montag auf derFrühjahrstagung der Landessynode in Weiden. Beide seien als jungeFrauen im Konfirmandenalter von evangelischen Pfarrern missbrauchtworden – ein Mädchen in den 1960er Jahren, eine zweite JugendlicheMitte der 1980er Jahre. Im Schnitt werde der Kirchenleitung pro Jahretwa ein Missbrauchsfall gemeldet – in den vergangenen elf Jahrenseien es 15 Fälle gewesen.

Im jüngsten Fall hatte sich eine junge Frau an das ZDF-Magazin„Mona Lisa“ gewandt. Sie hatte angegeben, sie sei seinerzeit im Altervon 15 Jahren von einem damals noch ledigen Priester sexuellmissbraucht worden, berichtete die Leiterin der LandeskirchenleitungKarla Sichelschmidt am Rande der Synodaltagung. Der Pfarrer hatte ineiner rund sechs Jahre zurück liegenden Untersuchung lediglicheingeräumt, die 15-Jährige in einem Fall geküsst zu haben. Er hattenach Angaben von Sichelschmidt einen Verweis erhalten. Ihm sei späterein führendes Kirchenamt anvertraut worden. Details wollte dieChefjuristin der Landeskirche nicht nennen.

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich bedauerte amMontag vor den Vertretern des evangelischen Kirchenparlaments dieunzureichende Ahndung des geständigen Pfarrers. „Wir haben damals diestrengen Maßstäbe unserer Kirche nicht vollständig angewendet“, sagteFriedrich und entschuldigte sich bei dem Opfer. Vor dem Hintergrundder neuen Vorwürfe sei nun ein neues Disziplinarverfahren eingeleitetworden. Nach seinen Angaben war der Fall damals allein auf Basis desGeständnisses des Pfarrers untersucht worden. Das Opfer selbst, dasdamals in Südafrika lebte, war nie befragt worden.

In einem zweiten Fall hatte ein Pfarrer ein Mädchen imKonfirmandenalter zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Der Fall war erstin den vergangenen Wochen bekanntgeworden, nachdem sich das Opfereiner Zeitungsredaktion anvertraute. Die eingeschalteten Journalistenhätten daraufhin die Landeskirche über den knapp 50 Jahrezurückliegenden Fall informiert. Gegen den Pfarrer sei inzwischen einkirchliches Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Entgegen einer Ankündigung von Landesbischof Friedrich, jeden Verdachtsfall derStaatsanwaltschaft zu melden, sei bislang auf eine entsprechendeAnzeige verzichtet worden. Sichelschmidt begründete dies damit, dassder Fall strafrechtlich verjährt sei. (dpa)

 

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