Pokalfinale in Berlin Berliner Polizei erwartet große Herausforderung

Ein Polizeiwagen fährt am Dienstag in Berlin am abgesperrten Brandenburger Tor vorbei. Foto: dpa

Obama, Kirchentag und jetzt auch noch Manchester: Die Gewährleistung der Sicherheit für das Pokalfinale wird für die Berliner Polizei zu einer "Mammutaufgabe".

Berlin - Das Attentat in Manchester mit mehr als 20 Toten wirft auch Schatten auf das DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag. Die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen könnten nochmals verschärft werden.

Berlin ist ohnehin im Ausnahmezustand, denn neben den Teams und Fans von Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt werden sich auch mehr als 100.000 Christen und der einst mächtigste Mann der Welt in der Hauptstadt tummeln. Barack Obama und die Kirchengänger feiern den Evangelischen Kirchentag.

"Das ist eine Mammutaufgabe", sagte der Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf über die kommenden Tage. Und die Ereignisse in Manchester machen die Sache noch schwieriger. "So ein Anschlag führt immer dazu, dass das Sicherheitskonzept hinterfragt wird", sagte Neuendorf. Er warnte allgemein vor einer "hohen abstrakten Gefährdungslage".

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigte sich optimistisch. "Die Sicherheitsmaßnahmen für das DFB-Pokalfinale in Berlin befinden sich seit vielen Jahren auf einem sehr hohen Niveau, auch im internationalen Vergleich", teilte der DFB mit. Auch für das diesjährige Finale sehe man sich "bestmöglich aufgestellt und vorbereitet".

Videobeobachtung läuft

Vor allem am Donnerstag, wenn Obama gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Brandenburger Tor auftritt, und am Samstag (20 Uhr/ARD und Sky) beim Endspiel zwischen dem BVB und der Eintracht gilt höchste Alarmbereitschaft. Jeweils rund 2.000 zusätzliche Beamte sind angefordert, dafür werden wohl auch benachbarte Bundesländer mit Einsatzkräften behilflich sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass beide Pokalfinalisten mit einer besonderen Vorgeschichte nach Berlin reisen. Das Attentat auf die BVB-Profis Mitte April und die heftigen Ausschreitungen einiger Eintracht-Hooligans beim Auswärtsspiel in Berlin Ende Februar "zeigen, dass wir wachsam sein müssen", sagte Neuendorf.

Angesichts der Gefährdungslage führt die Polizei auch eine Neuerung ein. Bei den Fanfesten am Samstag am Breitscheidplatz (Dortmund) und Alexanderplatz (Frankfurt) kommt erstmals eine Videobeobachtung zum Einsatz. Dabei werden über Kameras Livebilder in die Einsatzzentrale übertragen.

"Die Kameras werden nicht dauerhaft installiert, sondern nach den Veranstaltungen wieder abgeschraubt", betont der Polizeisprecher. Der Breitscheidplatz ist traditionell der stimmungsvolle Treffpunkt der BVB-Fans vor Pokalendspielen, allerdings ist der Ort vor der Gedächtniskirche seit dem 19. Dezember 2016 mit einem Anschlag verbunden. Der Islamist Anis Amri war auf dem Weihnachtsmarkt mit einem gestohlenen Lkw in eine Menschenmenge gerast. Zwölf Menschen starben.

Strikte Fantrennung

Eine ähnliche Katastrophe wurde beim Anschlag auf den Dortmunder Teambus nur mit Glück verhindert. BVB-Profi Shinji Kagawa schrieb in seinem Blog in japanischer Schrift: "Ich habe Angst, in den Bus zu steigen, ich habe Angst, zu den Spielen zu fahren."

Ob die beiden Pokalfinalisten in diesem Jahr verstärkt beschützt werden, wollte die Polizei nicht verraten. In Sachen Fangewalt ist die Sache dagegen klar: Es gilt eine strikte Fantrennung. Dabei muss die Polizei aber noch eine dritte Fangruppe im Auge behalten.

"Wir müssen verhindern, dass Hertha-Fans nicht irgendwelche Rache-Aktionen suchen", sagte Neuendorf. Am 25. Februar war es vor dem Ligaspiel zwischen Berlin und Frankfurt im Stadtteil Moabit zu heftigen Randalen gekommen, 96 Personen wurden dabei festgenommen.

Eine strikte Trennung zwischen den Fußballfans und den Besuchern des Kirchentages ist dagegen nicht Teil des Sicherheitskonzeptes. "Die sollen sich ruhig vermischen", sagte Neuendorf.

 

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