Pokal-Halbfinale Das Tor nach Europa

Filou Ribéry: Nach der Siegerehrung im Pokalfinale in Berlin haut Franck mit dem Pokal ab ... Foto: Perenyi/Augenklick

Mit einem Pokalsieg würde sich Bayern zumindest für die Europa League qualifizieren. Kapitän Lahm: „Gegen Schalke geht es um alles oder nichts”

 

München - Kräftig schütteln sollten sie sich, forderte Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach der Vorführung im eigenen Stadion durch den Tabellenführer. Leicht gesagt. „Es ist nicht so einfach, das Dortmund-Spiel abzuhaken, so larifari, zack, weg”, meinte Thomas Müller. Keine Pleite wie manch andere. Das 1:3 hat Narben hinterlassen bei den Bayern.

Und könnte den Gau schlechthin verursachen, die Nicht-Qualifikation für die Champions League. Was besonders schwer wiegen würde in der kommenden Saison, da sich die Besten zum Finale im Mai 2012 in München treffen. Da wollen die Bayern nicht nur Gastgeber sein und bemitleidet werden, dass sie außen vor waren im prestigeträchtigsten und ertragreichsten Wettbewerb des Kontinents. Die Bayern 2011/12 in der Europa League? „Nein, das kann nicht sein, das darf nicht sein”, meinte Präsident Uli Hoeneß schon im Januar. Es wäre eine Demütigung – und würde für Trainer Louis van Gaal wohl den Abschied bedeuten.

Die Europa League (früher Uefa-Cup) gilt als die Zweite Liga des Kontinents, da fremdelt der FC Bayern. In der Saison 2007/08 waren es wohl nur die Fans, die nach Liga-Platz vier im Vorjahr die Ausflüge nach Lissabon, Belgrad, Braga, Aberdeen, Brüssel, Getafe und St. Petersburg genossen. Ab Herbst droht ein neuer Anlauf. Das Groteske: Mit einem Sieg im DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF und Sky live) gegen den Schalke hätte man den Pokalsieg praktisch sicher, da es im Finale gegen einen Zweitligisten geht (das andere Halbfinale bestreiten am Dienstag Duisburg und Cottbus). „Es ist nur noch ein Schritt nach Berlin. Da wollen wir unbedingt hin”, betonte Müller. Ein Sieg gegen Schalke ist der Schlüssel zum Tor nach Europa. Spielen die Bayern künftig immer Donnerstags?

Klar ist freilich: Selbst ein Pokalsieg könnte nicht über die schmerzliche Zuschauerrolle in der Champions League hinwegtrösten. „Es ist eine schwierige und auch gefährliche Situation”, sagte Kapitän Philipp Lahm am Montag, „wir sind gewarnt. Schalke hat gute Einzelspieler, aber ich bin sehr, sehr zuversichtlich.” Dennoch übte er erstmals in dieser Deutlichkeit Kritik am Mannschaftsspiel. „Wir müssen unsere Fehler abstellen. Das ist unser größtes Problem. Wir müssen das Aufbauspiel überdenken, den Ball einfach auch mal klären und nicht so viel Risiko spielen”, meinte Lahm gerade mit Blick auf Mittwoch: „Da dürfen solche Fehler gar nicht passieren.” Namentlich hat er Bastian Schweinsteiger, der am Samstag beim bitteren 1:3 gegen Tabellenführer Borussia Dortmund einen schwarzen Tag hatte, jedoch nicht erwähnt.

Seit Lahm im Januar das Kapitänsamt des zum AC Milan geflüchteten Mark van Bommel übernommen hatte, war er noch nicht so konkret geworden. Auch für Lahm gilt es, Profil zu gewinnen. „Wir müssen stabiler werden und jedes Spiel zu 100 Prozent spielen”, forderte der 27-Jährige. Für Lahm sei dies aber „kein Kopfproblem”. Der FC Bayern sei noch nicht „so stabil, dass wir jedes Jahr in allen drei Wettbewerben ganz vorne mitspielen können”. Ganz neue, bescheidene Töne. Immerhin kämpferisch sagte er: „Es geht gegen Schalke um alles oder nichts. Wir wollen ins Finale.”
Das Endspiel um die Europa League 2012 findet übrigens in Bukarest statt, was wenig Glamour verspricht.


 

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