Poing Neunjähriger wird Opfer eines Kinderschänders

Sie kam dem Pädophilen auf die Schliche: Hanna C. umarmt ihren Sohn Marco. Foto: John Schneider

Die Mutter eines Buben (9) hat einen schlimmen Verdacht – und der bestätigt sich. Der Angeklagte stand seit sechs Jahren unter Führungsaufsicht.

 

München Die Aufmerksamkeit einer Mutter hat vielleicht Schlimmeres verhindert. Hanna C. (44, alle Namen geändert) hatte ein „Bauchgefühl“, dass etwas mit dem neuen Freund ihres Sohnes Marco (9) nicht stimmte. Als sie nachfragte, wie groß denn dieser Freund sei, antwortete ihr Sohn: „So wie du.“ Und nannte einen eher altertümlichen Vornamen. So heißt kein Kind, dachte sich Hanna C.

Bei der 44-jährigen Sekretärin schrillten die Alarmglocken. Sie fragte nach und erfuhr, dass der fremde Mann ihr Kind auch geküsst hatte. Die besorgte Mutter ließ sich von Marco die Wohnung des erwachsenen Spielgefährten zeigen, notierte sich „mit klopfendem Herzen“ den Nachnamen und fragte bei der Polizei nach.

Die Beamten reagierten erschrocken. Denn Karlheinz G. (48) war ihnen gut bekannt. Der Zeitungsausfahrer stand unter Führungsaufsicht, nachdem er zweieinhalb Jahre gesessen hatte – wegen schwerem sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen.

Nach der Entlassung im Jahre 2007 war es ihm verboten worden, Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Insbesondere war es ihm untersagt, sich mit Kindern alleine in abgeschlossenen Räumen aufzuhalten. Dagegen hatte er bereits einmal verstoßen, war verurteilt worden. Ohne große Wirkung. Im August 2013 näherte er sich erneut einem Kind.

Er hatte mit seinem Hund in der Nähe des Schildkrötenteichs in Poing „Stöckchen holen“ gespielt und so die Neugier des neunjährigen Buben geweckt. Marco spielte mit dem Hund, fasste Vertrauen zum Herrchen und ging mit dem Angeklagten in dessen Wohnung. Laut Anklage sogar mehrmals.

Denn der Mann zeigte ihm dort eine Spielekonsole, spielte mit dem Buben und bot ihm Getränke an. Marcos Fahrrad wurde im Keller des Hauses abgestellt. Eine Vorstellung, die Hanna C. auch im Nachhinein noch Angst macht: „Dort hätte man mein Kind nie gefunden“, sagt sie im Zeugenstand.

Das Gericht hatte sich zuvor unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Video der Vernehmung von Marco angeschaut und den Buben dann nochmal in den Zeugenstand gebeten. Karlheinz G. selber gab zwar die Küsse zu, die ihm jetzt die Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern eingebracht hat, machte aber bei einigen Nachfragen Erinnerungslücken geltend. Er habe einen Moment nicht nachgedacht, als er den Buben in seine Wohnung ließ.

Dass ihm das Unrecht seines Handelns durchaus bewusst war, zeigt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Umstand, dass er Marco aufforderte, nichts seinen Eltern zu erzählen. Dass sich der Bub nicht daran hielt, war vielleicht sein großes Glück. Auch wenn Karlheinz G. am Freitag beteuerte, dass er nicht weiter gegangen wäre.

Eine entscheidende Frage für das Gericht: Ist sich Karlheinz G. über seine Pädophilie im Klaren, oder muss mit weiteren Verstößen gegen die Führungsaufsicht gerechnet werden. Kurz: Ist eine Sicherungsverwahrung notwendig? Der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann wird konkret: „Mögen Sie kleine Jungs?“ Karlheinz G. windet sich auf der Anklagebank, drückt sich um eine klare Antwort herum. Noch.

 

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