Plötzlicher Tod in der Schweiz Udo Jürgens: Der letzte große Entertainer

Merci, Udo! Foto: dpa

Udo Jürgens stirbt völlig überraschend am Sonntagnachmittag mit 80 Jahren bei einem Spaziergang in der Schweiz an Herzversagen.

 

München - Er schien das Rezept der ewigen Jugend gepachtet zu haben. Noch vor wenigen Wochen begeisterte Udo Jürgens seine Fans in der ausverkauften Olympiahalle mit einem dreistündigen Konzert. Die Standing Ovations gab es gleich zu Beginn: Als die Lichtkegel angingen und Udo Jürgens in gleißendes Weiß tauchten, hinter ihm die Erdkugel im Weltall, da brandete unter den 10 000 Fans der Applaus auf.

Am 30. September hatte Udo Jürgens seinen 80. Geburtstag gefeiert, doch der Empfang in München wirkte, als bekäme er die Glückwünsche erst jetzt. „So wie heute war es noch nie“, meinte Deutschlands dienstältester Chansonnier gerührt.

Mehr als 1000 Lieder hat er komponiert in seiner über fünf Jahrzehnte andauernden Karriere, 100 Millionen Tonträger verkauft, seine Songs fehlen in kaum einem deutschen Haushalt. Trotzig nannte der Schlager-Gigant seine aktuelle Tournee „Mitten im Leben“.

Sein Charme, die Kraft seiner Lieder, seine Botschaften waren ungebrochen.

In diesem Herbst hatte das ZDF ihm eine Gala zum 80. Geburtstag spendiert, in der Jürgens Hits von Stars aus jüngeren Generationen, inklusive Helene Fischer, interpretiert wurden. Millionen sahen damals zu, das Album erhielt schnell Goldstatus.

„Mitten im Leben“ schien der Sänger wirklich zu stehen, nicht nur sein Aussehen, sondern auch sein Auftreten, seine Energie schienen nicht versiegen zu wollen.

Umso unfasslicher erscheint sein plötzlicher Tod: „Heute Sonntag, 21. Dezember, ist der Sänger und Komponist Udo Jürgens bei einem Spaziergang in Gottlieben (Thurgau) bewusstlos zusammengebrochen“, schreibt sein Management gestern. „Trotz sofortigen Wiederbelebungs-Maßnahmen ist Udo Jürgens nach der Überführung im Kantonsspital Münsterlingen am Sonntagnachmittag um 16.25 Uhr an einem akuten Herzversagen verstorben.“

Weiter heißt es: „Udos Manager Freddy Burger, Pepe Lienhard und das ganze Management- und Tourneeteam sind geschockt und in großer Trauer. Nach den gemeinsamen triumphalen Konzerterfolgen der aktuellen Tournee sind alle erschüttert und fassungslos über den unerwarteten und plötzlichen Tod ihres Freundes und großartigen Künstlers.“

Schon als Junge spielte der 1934 in Klagenfurt geborene Sohn der großbürgerlichen deutsch-österreichischen Familie Bockelmann Mundharmonika und Akkordeon, bald auch Klavier. Doch beinahe wäre in der ungeliebten Hitlerjugend die Musikerkarriere des Udo Jürgen Bockelmann verhindert worden: Damals bekam das junge Talent eine so brutale Ohrfeige, dass dadurch seine Hörfähigkeit auf einer Seite vermindert wurde. Krieg und Nachkriegszeit seien auch für ihn bedrückende Jahre gewesen, berichtete Jürgens 2004 in seinem Bestseller „Der Mann mit dem Fagott“, der auch verfilmt wurde. Damals entstand wohl schon jenes „unstillbare Harmoniebedürfnis“, zu dem Jürgens sich stets bekannte.

Udo Jürgens war zwei Mal verheiratet: von 1964 bis 1989 mit dem ehemaligen Fotomodell Erika Meier, genannt Panja. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder, John (50), der in München als „DJ John Munich“ auflegt, und Jenny (47), die als Schauspielerin arbeitet.

1999 gab Jürgens seiner langjährigen Lebensgefährtin Corinna Reinhold in New York das Ja-Wort, ließ sich aber 2006 wieder scheiden. Aus anderen Beziehungen hat der Musiker noch zwei uneheliche Töchter. Seit 2007 hatte er sowohl die Schweizer als auch die österreichische Staatsangehörigkeit.

Den internationalen Durchbruch hatte sich Jürgens 1966 bei seiner dritten Teilnahme am Grand Prix d’Eurovision mit einem Lied ersungen, das auf der langen Liste seiner Evergreens weit oben steht: „Merci, Chérie“.

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Da war der Frauenschwarm längst nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in Frankreich ein Star. Denn der „Chansonnier deutscher Sprache“ bewies, dass Popmusik und geistiger Anspruch keineswegs Gegensätze sein müssen. Dafür verlieh ihm die Republik Österreich 1985 den Berufstitel „Professor“ – und das, obwohl Jürgens in die steuerfreundliche Schweiz umgezogen war, wo der Millionär zuletzt in einer Villa am Zürichsee wohnte.

Als größtes Glück bezeichnete er die Geburt seines Sohnes John. „Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich da nicht diesen Rausch empfunden wie 1966, als ich den Grand Prix gewann. Das jeweils größte Glück ging immer Hand in Hand mit meiner Musik. Das soll nicht mein Familienleben schmälern. Dass wir uns heute so nahe sind, ist ein unbezahlbarer Reichtum.“

In seinem großen Geburtstagsinterview zum 80. hatte Udo Jürgens noch gesagt, er fühle sich wie mit 51 Jahren: „Also, ich merke keinen großen Unterschied, abgesehen von den typischen Wehwehchen, die man so hat, wenn man älter wird. Aber es gibt keinen Unterschied in meinem Geist. Dass die Lebensfreude verloren geht oder dass man zum Zyniker wird – wie das beim Älterwerden ja oft der Fall ist –, ist bei mir ausgeblieben.“

Seine Hits kennt jeder, Udo Jürgens lieferte den Soundtrack für die Bundesrepublik. Mit seinem Haustexter Michael Kunze sind dabei Songs entstanden wie „Aber bitte mit Sahne“, „Griechischer Wein“, „17 Jahr, blondes Haar“ oder auch „Ein ehrenwertes Haus“ und „Ich war noch niemals in New York“.

Es sind Lieder gegen Intoleranz, Spießertum und Bigotterie. Für Millionen war Jürgens bis zuletzt der emotionale Kompass, er nahm sie mit hinaus aufs Meer der Leidenschaften, war der trostspendende Leuchtturm. Bei Twitter verabschieden sich Fans mit „Vielen Dank für die Blumen“ und „Merci Udo“.

Gelassenheit ist auch eine Botschaft seines Lebenswerks: Es sollte alles aus Liebe geschehen. Liebe und Freiheit, das waren die wichtigsten Elemente in Udos Universum.

 

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