Platzverweis Franck Ribéry: Genial, aber gefährlich

Flog nach dieser Szene gegen den Augsburger Koo vom Platz: Bayern-Star Franck Ribéry. Foto: Rauchensteiner

Seit vier Jahren kommt Franck Ribéry nicht ohne einen Platzverweis pro Saison aus. Nun fordert Rummenigge Freispruch für den Bayern-Star.

 

Augsburg - Franck Ribéry wollte nach seinem Platzverweis gar nichts mehr sagen – dafür ergriff Strafverteidiger Karl-Heinz Rummenigge das Wort. „Das war alles, nur keine Rote Karte“, schimpfte der Vorstandsboss nach dem 2:0-Pokalsieg in Augsburg und forderte: Freispruch für Franck statt Rüffel für Ribéry!

Doch eigentlich gab die Szene aus der 47. Minute keine zwei Meinungen her. Nachdem sich Augsburgs Ja-Cheol Koo Nähe Mittellinie energisch vor Ribéry gedrängt hatte, trat der dem Koreaner von hinten in die Wade – Vergehen eins. Als Koo aufstand und Ribéry schubste, gab’s einen Klapps mit links – Vergehen zwei. Als Koo erneut auf den Franzosen zuging und ihn leicht ohrfeigte, setzte Ribéry seine rechte Faust auf Koos Wange und zog durch – Vergehen drei, in Summe knallrot, so wie es auch Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer wertete. Nur Rummenigge sah’s anders: „Er hat nur auf das reagiert, was der Koreaner gemacht hat. Der Kinhöfer kann ja mal einen schlechten Tag haben, aber wenn's ein ganz schlechter ist, dann wird’s schwierig.“

„Schwierig“ ist aber auch Ribérys Benehmen: Seit 2009 hat er sich nun jedes Jahr einen Platzverweis geleistet. Am 25. April 2009 flog er gegen Schalke nach Frustfoul gegen Jefferson Farfán mit Gelb-Rot. Am 17. April 2010 trat er Lyons Lisandro Lopez im Champions-League-Halbfinale auf den Fuß – Rot! Ribéry verpasste Rückspiel und Finale (0:2 gegen Inter). Am 16. Dezember 2011 sah er im letzten Ligaspiel vor Weihnachten nach einer Rangelei mit Henrique Sereno (Köln) Gelb-Rot. Déjà-vu, Monsieur Ribéry? Der Franzose ist genial, aber eben auch gefährlich.

„Sicher sind die Gegenspieler hart eingestiegen, aber das muss ein Profi akzeptieren“, meinte Trainer Jupp Heynckes am Dienstag: „Die Rote Karte ist vertretbar.“ Was den Vorstandsboss dazu bewog, Ribéry als Unschuldslamm darzustellen, liegt jedoch auf der Hand: Rummenigge hofft nach der erst vor elf Tagen zurückgenommenen Roten für Dortmunds Marcel Schmelzer auf Milde, brachte sein Anliegen ebenso marktschreierisch vor wie die BVBler damals.

Allein: Die Dortmunder hatten die Wahrheit auf ihrer Seite, Rummenigge nicht. Neben Heynckes sahen nämlich auch Sportvorstand Matthias Sammer („Erfreut waren wir sicherlich nicht“) und Bastian Schweinsteiger („Darf ihm nicht passieren“) Ribéry nicht als unschuldig an. Sammer: „Bei sowas müssen wir noch besser und cooler reagieren – aber das ist doch eine wunderbare Vorgabe für die zweite Halbserie: weiter dazu zu lernen und nicht zu meinen, wir wären schon perfekt.“

 

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