Platzverschwendung Die Wüste von Sendling

Empört über die Platzverschwendung: SPD-Politiker Markus Lutz (links) und Wüsten-Anwohner Ralf Martin würden hier gerne neue Wohnungen entstehen sehen. Doch die Stadt will den Bebauungsplan nicht ändern. Foto: Gregor Feindt

Der ehemalige Bauhof gegenüber vom Herzog-Ernst-Platz ist seit mehr als zehn Jahren eine Ödnis. Anwohner ärgern sich und würden das gern ändern. Aber so leicht ist das nicht

Sendling - In München gibt es eine Wüste, in der es nach Brathendl riecht. Der Sommerwind weht den Duft vom Grillstandl herüber. Kinder laufen über die Dünen am Rand der Wüste. Und ein paar Meter weiter halten mehrere Linienbusse. Die Sierra Sendling ist gut erreichbar.

Schön ist sie nicht. Und das ärgert Ralf Martin, genauso wie der Sand, der ihm ins Gesicht wirbelt, wenn er vor seine Haustür tritt. Der 53-Jährige wohnt seit zehn Jahren in Untersendling, am südlichen Rand des Neubaugebiets Schwanthalerhöhe. Genauso lang gibt es die Wüste.

Gemeint ist eine Brachfläche an der Ecke zwischen Radlkofer- und Pfeuferstraße, direkt gegenüber des Herzog-Ernst-Platzes. Hier war einmal ein Bauzentrum der Stadt. 2002 wurde das abgerissen. Seither ist hier nur noch eine Kiesfläche, so karg, dass die Anwohner sie die „Wüste von Sendling“ getauft haben.

„Die Wüste ist hässlich und dreckig, überall liegt Müll“, ärgert sich Ralf Martin. Auf dem Kies liegen alte Schuhe, Plastik, Drähte oder zerplatzte Silvesterkracher, Glasscherben glitzern in der Sonne. „Wir Anwohner haben hier lange genug gelitten, die Stadt muss endlich handeln.“

Der Stadt München gehört die Sierra Sendling – und seit zehn Jahren will sie ihr niemand abkaufen. Jedes Jahr wird das Grundstück europaweit neu ausgeschrieben. Doch niemand will es, denn der Preis ist zu hoch. Der Bebauungsplan sieht eine Nutzung als Gewerbeimmobilie vor. Und davon stehen rundherum genügend leer.

Um attraktiver für Investoren zu sein, müsste das Gelände billiger werden. Doch das geht nicht, sagt ein Sprecher des Kommunalreferats. „Wir müssen uns an Gutachten halten und dürfen das Areal nicht unter Wert verkaufen.“ Wüsten-Anwohner Ralf Martin findet das absurd: „Und was ist mit dem Gewinn, der der Stadt über die Jahre entgangen ist?“ Er versteht nicht, weshalb so lange gezögert wird. „Kein Bürger würde jammern, wenn das Gelände keinen Spitzenpreis bringt, aber dafür etwa bezahlbarer Wohnraum entsteht.“

Ein Gelände für Wohnimmobilien würde sich weitaus besser verkaufen. Deshalb beantragte der Bezirksausschuss Sendling im März, bis zu 30 Prozent Wohnbebauung in die Ausschreibung aufzunehmen. „Dann hieß es aber, das gehe nicht“, sagt Markus Lutz, der Vorsitzende des Bezirksausschusses. „Man darf das nicht in die Ausschreibung aufnehmen, es müsste erst nach einem Verkauf genehmigt werden.“ Oder der Bebauungsplan müsste geändert werden.

Das könnte das Planungsreferat tun – will es aber nicht. „Das Gelände gehört zu einem Gesamtbebauungsplan, die Planungsziele wurden gemeinsam mit den anderen Baugebieten abgewogen“, erklärt eine Sprecherin. „Eine Änderung dieses Bebauungsplanteilbereichs würde die Abwägung des Gesamtbebauungsplans in Frage stellen.“ Deshalb sei momentan keine Änderung geplant.

Die will SPD-Politiker Markus Lutz aber unbedingt. Der 33-Jährige wird einen neuen Bebauungsplan beantragen. „Das dauert wohl zwei bis drei Jahre – aber sonst gibt es die Wüste in zehn Jahren noch.“ Es müsse ja auch kein reines Wohngebäude werden, meint der BA-Vorsitzende. Auch ein Supermarkt wäre gut. Es gebe sogar schon Anfragen von großen Ketten. „Und auf einer Seite wäre ein Hotel ideal.“

Das bleiben erst mal Träume. Nicht mal eine sinnvolle Zwischennutzung gibt es für die Brachfläche: „Wir hätten uns dort wenigstens vorübergehend einen Basketball- oder Bolzplatz gewünscht“, sagt Markus Lutz. Geht aber auch nicht, weil der vorgeschriebene Abstand zu anderen Wohnung nicht eingehalten wäre.

Stattdessen nutzte eine Baufirma die Fläche lange als Parkplatz für ihre Maschinen, bis sich Anwohner über den Dreck beschwerten. Seither bleibt die Fläche leer. Ein Wall aus Sand und Kies, befestigt mit großen Betonrohren, soll illegales Parken verhindern. Nur zur Wiesn dürfen die Schausteller ihre Wagerl in die Sierra Sendling stellen.

 

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