Platz für günstige Wohnungen Weniger Parkplätze, mehr Radl, Carsharing & Co

 Foto: FGM, Bickelbacher

Wie die Grünen in München Platz für günstige Wohnungen schaffen – und den Autoverkehr reduzieren wollen.

 

München - Wer am Ackermannbogen, am Reinmarplatz oder am Domagkpark in die Anwohnertiefgaragen schaut, sieht oft: gähnende Leere – denn viele Bewohner dort haben gar kein Auto mehr.

Insgesamt dürften unter Münchner Wohnhäusern tausende Tiefgaragenplätze leerstehen. Dafür parken Autos oben nicht nur Straßen zu, sondern auch größere Freiflächen. Gleichzeitig fehlen Grundstücke für günstige Wohnungen, und: Konzepte, die womöglich viele Münchner aufs Auto verzichten lassen würden.

So jedenfalls sehen es die Münchner Grünen – die Dienstag ein achtteiliges Antragspaket geschnürt haben, zum Thema „Wohnen und Mobilität“. „Das Thema drängt immer mehr für uns“, sagt Grünen-Stadtrat Herbert Danner. Im Kern geht es darum, Parkplätze in der Stadt ab-, und stattdessen Konzepte mit Carsharing, Leihrad-Stationen oder übertragbaren MVV-Tickets auszubauen. Und, quasi in einem Aufwasch, Flächen für günstigen Wohnraum zu schaffen.

Worum geht’s im Detail? In jedem neuen Bebauungsplan-Verfahren soll die Stadt künftig als fixen Bestandteil Mobilitätskonzepte etablieren. „Es kann ja nicht sein, dass wir jedes Mal neu diskutieren müssen, ob irgendwo Carsharing, Radlwege oder mehr Buslinien unterstützt werden“, sagt Danner, „oder dass einzelne Stadträte da nach ihren jeweiligen lokalen Interessen entscheiden“.

Außerdem soll das Planungsreferat die Stellplatzsatzung überarbeiten. „Die gängige Praxis, einen Stellplatz pro Wohnung bauen zu müssen, ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß“, sagt Danner. „Die Zeche zahlen die mit, die überhaupt kein eigenes Fahrzeug haben, weil die Kauf- oder Mietpreise bei Wohnungen mit Garage entsprechend teurer sind. Das ist höchst unsozial.“

Der Bau eines Tiefgaragenplatzes etwa koste rund 300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche – umgerechnet auf eine 80-Quadratmeter-Wohnung also 24 000 Euro. „Wer keinen Tiefgaragenplatz will, muss ihn häufig trotzdem bauen“, klagt Grünen-Kollege Paul Bickelbacher. Und verweist auf die städtischen Wohnungsbaugesellschaften Gewofag und GWG, die feststellen müssen, dass besonders bei ihren geförderten Wohnungen jeder zweite Tiefgaragenplatz leerstehe.

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„Dieses nutzlos investierte Geld fehlt bei Sanierung und Neubau von Wohnungen.“ Auch dort, wo verminderte Stellplatz-Schlüssel gelten, wie beim Projekt „Wohnen ohne Auto“, gebe es Stellplatz-Leerstände. Wer künftig zum Bau einer Wohnanlage ein Mobilitätskonzept mit anbiete, solle möglichst befreit werden von der Stellplatz-Baupflicht – und die „Stellplatz-Ablöse“ (bis zu 12 500 Euro etwa in der Altstadt) direkt investieren.

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Ein Vorzeigekonzept ist für die Grünen etwa das Gemeinschafts-Pilotprojekt „Mobilität aus einer Hand“ von Stattauto und der Wohngenossenschaft Wogeno. Hier können die Teilnehmer Autos, Räder, Anhänger und MVV-Tickets an einer Station ausleihen. Danner: „Wenn die städtischen Wohnungsbaugesellschaften solche Mobilitätskonzepte künftig nicht nur bei Neubauten integrieren, sondern auch bei ihren 65 000 Bestandswohnungen und bei der Nachverdichtung, dann könnten 100 000 Münchner profitieren.“ Und jede Menge zugeparkte Freiflächen freiwerden – für neue Wohnungen. iko

 

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