"Platz da!", "Bagida", "Muegida" Hier demonstriert München heute Abend

So war’s am letzten Montag: Münchner demonstrieren gegen Pegida. Foto: Andreas Gebert/dpa

Welches Bündnis wann und wo demonstriert, wer dabei ist, und wie sich die Polizei auf über 10 000 Demonstranten vorbereitet

 

München - Heute Abend wird es eng in der Innenstadt: Mehr als 10 000 Münchnerinnen und Münchner werden auf die Straße gehen und demonstrieren – allerdings mit unterschiedlichen Zielen.

Die mit Abstand größte Gruppe hat das Motto: „Platz da! Für ein buntes und weltoffenes München“. Organisiert wird die Demo von einem breiten Bündnis dutzender Organisationen, Religionsgemeinschaften, Parteien und Vereinen. Über 10 000 Menschen haben im Internet bereits angekündigt, sich an dieser Demo zu beteiligen und damit gegen rassistische Hetzparolen und für eine tolerante Stadt setzen zu wollen.

Die Demo hat prominente Gäste: Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird reden, ebenso wie Siggi Benker von „München ist bunt“, der Bischofsvikar des Erzbistums München und Freising Rupert Graf zu Stolberg und der Imam Benjamin Idriz. Für die Redner wird vor dem Sendlinger Tor eine Bühne aufgebaut, die zur Sonnenstraße hin gerichtet ist.

Dort treten auch mehrere Bands und Musiker auf, die die Demo unterstützen: die Well Brüder aus dem Biermoos, Dreiviertelblut, Keno von Moop Mama und der Sgt. Bellvue Di Monaco friendly heart choir Club, bei dem etwa Kabarettist Hannes Ringlstetter, Sportfreunde-Sänger Peter Brugger und Regisseur Marcus H. Rosenmüller dabei sind.

Die „Platz da!“-Unterstützer treffen sich ab 17.30 Uhr am Sendlinger-Tor-Platz. Die Organisatoren haben dazu aufgerufen, Instrumente, Pfeifen und Hupen mitzubringen, um damit gegen rassistische und anti-muslimische Parolen anzulärmen. Die sind nämlich der Auslöser für die „Platz da!“-Demo. Denn um 18.30 treffen sich Anhänger der „Bagida München“ zum „Spaziergang am Sendlinger Tor“ auf der dortigen Trambahn-Insel, also der Gegenseite der Sonnenstraße. Die „Bayern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ sehen sich als offizieller Ableger der Dresdner „Pediga“. 300 Teilnehmer sind für diese Demo angemeldet, auf Facebook haben bisher über 1000 Menschen ihr Kommen angekündigt.

Ebenfalls um 18.30 Uhr will „Muegida“ („Münchner gegen...“) mit etwa 100 bis 200 Teilnehmern am Weißenburger Platz demonstrieren. Organisator der „Muegida“ ist Thomas Weiß, ehemaliger Generalsekretär der „Freiheit Bayern“ und damit wichtiger Verbündeter von Michael Stürzenberger, dem Chef der rechtspopulistischen „Die Freiheit“. Weiß und Stürzenberger haben sich aber zerstritten, deshalb macht Weiß wohl die Konkurrenz-Demo zeitgleich in Haidhausen.

Im Vorfeld betonte eine „Bagida“-Vertreterin, dass kein einziger Funktionär einer Partei im Organisationsteam der Demo sei. Außerdem seien etwa Iraker und eine Jüdin mit dabei, wenn das Bündnis unter anderem für ein Europa „eigenständiger patriotischer Nationalstaaten“ eintrete.

Marcus Buschmüller vom a.i.d.a. Archiv München warnt hingegen, dass an dem „Bagida“-Aufmarsch neben Rassisten und Rechtspopulisten auch Rechtsradikale beteiligt sind. Diese Gruppe würden in Aktionen wie jene der „Bagida“ die „Anfänge der nationalistischen Volksbewegung“ sehen.

Die Polizei stellt sich auf die Demonstrationen ein. An der Sonnenstraße wurden Absperrgitter bereitgestellt, mit denen die Polizei Zufahrtsstraßen blockieren kann. Es ist unwahrscheinlich, dass zwischen Sendlinger Tor und Stachus komplett gesperrt wird. Der Einsatzleiter der Polizei, Robert Kopp, kündigte an, man werde der Lage angemessen und verhältnismäßig agieren.