Während Landshut notorisch verschuldet ist, werden ihre Bürger immer wohlhabender. Die Stadt liegt beim Besitz von Wertpapieren an dritter Stelle in Deutschland

Landshut - So bleibt vielen genug Geld übrig, um in Wertpapiere zu investieren. Laut einer aktuellen Studie besitzen 56 Prozent der Landshuter Fonds-Anteile und 40 Prozent Aktien.

Die Direktbank Comdirect hat die Ergebnisse einer Umfrage von Acxiom ausgewertet, für die 45 000 Bundesbürger zu ihrem Anlageverhalten befragt wurden.

Demnach hat Landshut, das in Sachen Geldanlage noch vor einigen Jahren als tiefste Provinz galt, inzwischen die dritthöchste Anlagequote in Deutschland - nach Starnberg und Rosenheim.

Nur wer Geld auf der hohen Kante hat, kann in Wertanlagen wie Aktien und Fonds investieren. Das scheint in Landshut kein Problem zu sein: Immerhin soll es in Landshut mit seinen rund 72 000 Einwohnern wesentlich mehr als 1 000 Bürger mit einem Vermögen von einer Million oder mehreren Millionen Euro geben.

Das hatte schon Altoberbürgermeister Hans Rampf wiederholt in der Öffentlichkeit erwähnt. Laut dem Wohlstandsatlas Deutschland von 2017 gibt es in der niederbayerischen Hauptstadt ein Dutzend Einkommensmillionäre.

Als solcher wird jemand bezeichnet, der innerhalb eines Jahres Einkünfte von einer Million Euro oder mehr erzielt hat.

Wegen der niedrigen bis negativen Zinsen flüchten generell viele Sparer in alternative Wertanlagen. Andreas Bauer, Wertpapierberater bei der Sparkasse, überraschen die Ergebnisse der Studie deshalb nicht. Allerdings hält er das Ergebnis für sehr pauschal. "Bei uns herrscht keine Aktien-Euphorie", sagt er. Es sei allenfalls ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Und dass etwa BMW-Mitarbeiter eine Belegschaftsaktie ihres Unternehmens erwerben, liegt für den Anlageexperten der Sparkasse "in der Natur der Sache".

Bauer erklärt weiter, die Landshuter seien in der Regel zwar konservative Anleger, aber durchaus aufgeschlossen für Alternativen zum Sparkonto. Bei der Sparkasse Landshut wurden in letzter Zeit 1 200 neue Aktien- und Wertpapier-Depots eröffnet. "Insgesamt haben wir rund 23 000 Depots", sagt Marketingleiter Thomas Joos. Das alleine sage jedoch noch nichts aus, denn ein solches Depot könne alles, "von nur einer Aktie bis zu Millionenwerten" enthalten.

Joos und Bauer verweisen auf die starke Wirtschaftskraft der Region. Die Süddeutsche Zeitung etwa sieht den Grund dafür vor allem in der BMW Group.

Von Landshut aus lassen sich alle bayerischen Werke des Autobauers gut erreichen, zudem würden sich viele Führungskräfte am Moniberg ansiedeln, "dem exquisitesten Wohnviertel der Stadt".

Wobei vor allem der alte Moniberg mit seinen Villen gefragt ist, wie Immobilienhändler Martin Holzmann angibt. "Da gibt es eine bestimmte Klientel, die sowas sucht: junge Führungskräfte mit Familien, die aus ganz Deutschland nach Landshut kommen."

Am Kapital mangele es nicht: "Wir haben schon vor 20 Jahren gewusst, dass Landshut ähnlich wie Starnberg ziemlich betuchte Bewohner hat."

Immobilien gelten gemeinhin als am wertbeständigsten. "Grund und Boden sind die einzig sichere Anlage", sagt Immobilienmakler Roman Reicheneder. In Landshut herrsche aber keine "Goldgräberstimmung", wie etwa in München wo Anleger von London bis Abu Dhabi beliebig Immobilien kauften. Hier gebe es vielmehr bodenständige Menschen, die eine vernünftige Geldanlage suchten. "Landshut ist eine gesunde Stadt, in der viele Beamte und Behörden für ein gesichertes Einkommen sorgen", sagt Reicheneder.

Während die Stadt notorisch verschuldet ist, werden ihre Bürger immer wohlhabender. Landshut liegt beim Besitz von Wertpapieren an dritter Stelle in Deutschland