Pflegeheim-Skandal Heimaufsicht verhäbgt Aufnahmestopp!

Das Kursana Domizil in Herzogenaurach: Hier wurde ein Aufnahmestopp verhängt. Foto: bayernpress.com

HERZOGENAURACH Wenn man einen geliebten Menschen in die Obhut eines Heimes gibt, geht man davon aus, dass er dort liebevoll und vor allem professionell versorgt wird. Auch Kursana, nach eigenen Aussagen „der führende private Dienstleister im Bereich der professionellen Seniorenpflege” wirbt damit, dass „wir älteren Menschen ein sicheres, selbstbestimmtes und niveauvolles Leben in einer Gemeinschaft ermöglichen möchten.” In Herzogenaurach wurden diese Versprechen offenbar nicht eingelöst. Die Heimaufsicht verhängte jetzt „wegen erheblicher Mängel” einen Aufnahmestopp!


Mehrere Bewohner – teilweise in einem bemitleidenswerten Zustand – fanden die acht Kontrolleure vor, die Ende Februar zu einer unangemeldeten zweitägigen Begehung in dem Heim erschienen. „Bei den Mängeln handelt es sich um Fehler bei der Behandlung von so genannten Druckgeschwüren, die zu Infektionen führen können. Die Versorgung von Menschen mit Gewichtsabnahme oder Untergewicht erfolgte nicht nach den allgemein anerkannten Pflegestandards und führte dazu, dass auch dort, wo eine Besserung einer Gewichtszunahme möglich gewesen wäre, diese nicht eingetreten ist”, erklärt Peter Lederer, Leiter des Gesundheitsamtes Erlangen-Höchstadt.

„Es hatte sich nichts verbessert”


Erschreckend: Bereits vor vier Monaten waren diese Defizite in dem bestimmten Wohnbereich – hier leben 32 Senioren – bei einer Kontrolle aufgefallen. „Der Träger hat uns daraufhin aufgezeigt, wie er dem begegnen will”, erklärt Lederer. Das Amt stimmte den Plänen (bessere hausinterne Überwachung, Intensivierung der Pflegesituation) zu – doch offenbar passierte nichts.


Statt wie gesetzlich vorgeschrieben einmal im Jahr, folgte bereits jetzt schon eine Kontrolle. „Es hatte sich nichts verbessert”, so der Gesundheitsamtschef. Ob die Zustände strafrechtlich verfolgt werden, ist noch nicht klar. Das wird noch geprüft.


Personalrechtliche Konsequenzen hat der Fall wohl nicht. Das Unternehmen Kursana sieht keine Fehler: „Nach einer Qualitätsprüfung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) im Domizil Herzogenaurach mit der Note 1,4 (sehr gut) halten wir das Vorgehen des Landratsamtes und der Heimaufsicht für völlig unangemessen”, so Sprecherin Michaela Mehls. „Wir werden mit allen juristischen Mitteln dagegen vorgehen”.
Die Heimaufsicht steht zu ihrer Maßnahme: Beim MDK handele es sich um Durchschnittsnoten. Eine schlechte Note könne ausgeglichen werden. Lederer: „Wir haben ein Ampelsystem. Wenn eine Einzel-Bewertung auf Rot steht, heißt das Stopp!” au

 

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