Pfiadi, Kaufrausch Grünen-Stadträtin will ein Jahr lang keine Kleidung kaufen

Mona Fuchs (l.) und Katrin Habenschaden verzichten heuer auf Konsum. Foto: ho

Um ein Zeichen gegen übermäßigen Konsum zu setzen, kaufen zwei Münchnerinnen ein Jahr lang keine Textilien - darunter die Grünen-Stadträtin Katrin Habenschaden.

 

München - Volle Einkaufstüten obwohl im heimischen Kleiderschrank eigentlich kein Platz mehr ist? Die grüne Stadträtin Katrin Habenschaden hat deshalb gemeinsam mit Mona Fuchs vom Münchner Klimaherbst die Aktion „Bye Buy“ gestartet – frei übersetzt: Pfiadi, Kaufrausch. Ein Jahr lang wollen die beiden auf Shoppen verzichten.

Warum? Die AZ hat nachgefragt.

AZ: Frau Habenschaden, verzeihen Sie die Frage, aber was haben Sie gerade an?
Katrin Habenschaden: Pulli, Jeans und Winterstiefel – den Temperaturen angemessen. Warum fragen Sie?

Sie wollen dieses Jahr doch Klamotten-Fasten. Da dürfen die Stiefel jetzt aber kein Loch bekommen.
Doch, dürfen sie. Dann bringe ich sie zum Schuster und lasse sie neu besohlen. Das machen laut einer Greenpeace-Studie aber über ein Drittel aller Deutschen nicht. Kaputte Schuhe werden da einfach weggeworfen. Dazu kommt, dass jedes fünfte Kleidungsstück so gut wie nie getragen wird. Auch bei Mona Fuchs und mir gibt es solche Teile im Schrank.

Deshalb die selbst auferlegte Shopping-Sperre?
Wir wollten uns an die eigene Nase fassen, daraus resultierte dann die Idee zu „Bye Buy“. Uns ist einfach klargeworden, dass das politische Engagement um eine sauberere und faire Textilindustrie nur eine Seite der Medaille ist. Als Verbraucher müssen wir schon auch sehen, was wir durch den Kauf von Kleidung bewirken, vor allem den der sogenannten Fast Fashion. Um da ein Bewusstsein zu schaffen, verzichten wir 2017 auf den Kauf von Kleidung. Das ist eine spontane Idee und wir sind selbst gespannt, wie das Jahr so wird.

Was ist denn so schlimm an Fast Fashion? Schnell wechselnde Trends sind doch schön.
Das führt aber dazu, dass wir in Deutschland viel zu billig und viel zu viel kaufen. Die Sachen werden kurz oder nie getragen und dann schnell wieder weggeworfen. Aufgrund der in der Textilindustrie verwendeten Chemikalien sind die Folgen Umweltverschmutzung, Gesundheitgefährdung und verheerende Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern. Als vor gut drei Jahren in Bangladesch ein achtstöckiges Produktionsgebäude eingestürzt ist, gab es laute Rufe nach Veränderungen und neuen Labels. Passiert ist seitdem aber kaum etwas.

Hoffen Sie denn, dass Ihre Aktion Nachahmer findet?
Nachahmer oder auch sehr gerne Leute, die einfach mitmachen möchten. Wir freuen uns dann über Nachrichten auf bye-buy.org. Man findet uns auch auf Facebook.

Was machen Sie, wenn Sie heuer zum Geburtstag einen Einkaufsgutschein geschenkt bekommen?
Meine Freunde kennen das Projekt, einige liebäugeln schon damit, ebenfalls den Kleiderkonsum herunterzufahren. Daher ist die Gefahr gering.

 

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