Pferdesport Feuerblitz - der hippe Favoritenschreck

Gastronom und Stallbesitzer Patrick Bertermann mit Hengst Feuerblitz. Foto: Claus Schunk

Als Patrick Bertermann erstmals in Riem auftauchte, hatte er Probleme mit den Traditionalisten im Pferdesport. Nun ist sein Hengst „Feuerblitz” auf Platz 3 im Starterfeld beim Deutschen Derby gelistet.

 

MÜNCHEN Zuerst haben sie ihn nur belächelt, diesen komischen Typen mit seinen Tattoos und den jugendlichen Klamotten. Als Patrick Bertermann vor gut zwei Jahren erstmals als Pferdebesitzer auf der altehrwürdigen Rennbahn in München-Riem auftauchte, zogen die traditionellen Galoppfreunde die Augenbrauen hoch. Allenfalls heimlich erfreuten sie sich an den schönen jungen Frauen, die der Online-Unternehmer und Gastronom im Schlepptau hatte.


„Mein Ziel ist es, ein Gruppe-Rennen zu gewinnen”, sagte der 41-Jährige, der selbst nie Reiten gelernt hat, damals forsch. Und wieder rümpften einige die Nase. Pah! Ein Gruppe-Rennen! Das ist in etwa vergleichbar mit einem Grand-Slam-Titel im Tennis. „Das haben sich schon ganz andere vorgenommen – und warten noch nach Jahrzehnten auf so einen Erfolg”, sagte Norbert Poth. Der damalige Präsident des Münchener Rennvereins hatte so seine Probleme mit dem hippen Newcomer, der lieber Chucks und Jeans statt Lederschuhe und Anzug trägt. Wegen angeblichen Verstoßes gegen den Dresscode schmiss Poth am Araber-Renntag Bertermann samt Gefolge aus dem VIP-Bereich. „Diese Krawatten-Affäre war so ein Moment, in dem ich gespürt habe, dass ich mit meiner lockeren Art bei den Traditionalisten nicht so gut ankomme”, blickt Bertermann zurück.


Doch heute schweigen die Zweifler von damals. Bertermann und sein Rennstall Eivissa haben es allen gezeigt: Hengst Feuerblitz gewann vor sechs Wochen sensationell das italienische Derby (Gewinnsumme 250 000 Euro) - und gehört jetzt zu den Favoriten beim 143. Deutschen Derby, das am Sonntag in Hamburg gelaufen wird.


Der dunkelbraune Hengst, den Bertermann für rund 30000 Euro einkaufte, wird von den Buchmachern auf Platz drei im 15-köpfigen Starterfeld gelistet. Und auch das zweite Münchner Pferd, Baltic Rock von MRV-Präsident Dietrich von Boetticher, hat gute Chancen. „Das ist das Rennen der Rennen, das ultimative Highlight”, sagt Michael Figge. Der 39-Jährige ist als Bertermanns Pferdetrainer der Vater der jüngsten Erfolge. „Eine Teilnahme beim Derby, davon träumt jeder Züchter, Trainer und Besitzer.”


Bei Bertermann, der am Oberanger das Restaurant „Miura” betreibt, steigt die Aufregung von Tag zu Tag. „Vor einem Jahr war ich in Hamburg mit einem Pferd in einem Vorrennen dabei: Die Spannung, die Stimmung, die vollen Tribünen - einfach nur geil!”, findet der 41-Jährige. „Meine Eltern kommen extra aus Spanien dafür angereist.”


Insgesamt rund 350000 Euro haben die 15 Pferde seines Stalls Eivissa in dieser noch jungen Saison an Preisgeldern erlaufen, bei einem Derbysieg würde eine halbe Million Euro hinzukommen. Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des jungen Stalls mit dem ungewöhnlichen Logo (schwarzer Stern auf pinkem Grund)? „Erfolg ist eine Mischung aus Tradition und Innovation”, meint Bertermann. „Zum Beispiel statte ich als einziger meine Jockeys mit eng anliegenden Trikots wie beim Radsport aus. Ich glaube, das bringt bis zu einer halben Pferdelänge. Aber auch Glück spielt eine große Rolle.”


Bertermann mischt die Galoppszene auf – und die sieht es mehr und mehr mit Wohlwollen. „Beim letzten Renntag in Riem ist mir Herr Poth über den Weg gelaufen”, erzählt er, „er hat mir zum Sieg in Italien gratuliert und mir alles Gute fürs Derby gewünscht – ich bin mir sicher, er hat es ernst gemeint.”
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