Pferd rutscht aus, ein anderes stirbt Nach Leonhardi-Unfällen: Tierschützer fordern Kutschen-Verbot

Autorenprofil Ruth Schormann
Dienstag vergangene Woche: Frauen in Tracht sitzen bei der Tölzer Pferdewallfahrt in einem Wagen. Foto: dpa/Angelika Warmut

Ein Pferd rutscht aus, ein anderes stirbt nach der Wallfahrt. Tierrechtler von Peta fordern deswegen ein Verbot von Kutschen.

Bad Tölz/Kreuth - Mehrere 100 gestriegelte und geschmückte Pferde, mehr als 80, teils historische, geschmückte Wagen, Tausende Zuschauer: Traditionelle Leonhardiritte wie der in Bad Tölz vom vergangenen Dienstag sind Riesen-Spektakel.

Für Zuschauer ein Event, für Alteingesessene Brauchtum – und seit vergangenem Jahr sogar offiziell Immaterielles Unesco-Kulturerbe.

Doch diesmal zieht der sonnig-heitere Herbsttag Kritik nach sich. So viel, dass sich sogar das Landratsamt Bad Tölz- Wolfratshausen genötigt sieht, mehrere Stellungnahmen zu veröffentlichen. Der Grund: Beim Leonhardiritt vergangene Woche passiert ein Unfall (AZ berichtete): Ein Pferd rutscht auf dem Kopfsteinpflaster aus, der Reiter fällt, verletzt sich laut Polizei an Kopf und Schulter. Der 34-Jährige kommt ins Krankenhaus.

Pferd bricht mittags zusammen, kurz darauf ist es tot

Doch damit nicht genug. Bei einem weiteren Zwischenfall ist ein Pferd, nach der Leonhardifahrt in Bad Tölz, verendet. Das Tier, so berichten es mehrere Medien, sei in der Nockhergasse geschwächt zusammengebrochen. Ein herbeigerufener Amtstierarzt konnte der Stute nicht mehr helfen.

Das Landratsamt schreibt in einer Stellungnahme zum Tod des Pferdes, dass der Amtstierarzt "bereits am Morgen vor Beginn der Leonhardifahrt jedes einzelne aus den Anhängern ausgeladene Tier" begutachtet habe.

Als das Tier am vergangenen Dienstag in der Nockhergasse zusammenbrach, sei sofort der Tierarzt alarmiert worden, "der nur sieben Minuten nach dem Anruf bei dem Tier war, jedoch nur noch den Tod des Tieres feststellen konnte", heißt es.

Bei der morgendlichen Prüfung werde der Frage nachgegangen, "ob es Anhaltspunkte geben könnte, dass ein Pferd aus tierschutzfachlichen Gründen für die Leonhardifahrt nicht eingesetzt werden darf", schreibt das Landratsamt.

Bisher habe es nie einen Tierschutz-Verstoß in der jahrzehntelangen Geschichte der Tölzer Leonhardifahrt gegeben, heißt es dann in einer zweiten Stellungnahme, die das Amt aussteuert. Denn die Tierrechtsorganisation Peta hat sich eingeschaltet. Der Verein appelliert in einer Mitteilung an den Landrat, ein Verbot von Pferdekutschen zu prüfen.

Peta: "Risiken bei Kutschfahrten sind unkontrollierbar"

"Die Risiken bei Kutschfahrten sind unkontrollierbar, weil Pferde Fluchttiere sind und selbst bei geringen Störungen leicht in Panik geraten können", sagt Jana Hoger von Peta. "Die einzige Lösung zum Schutz von Mensch und Tier ist ein Verbot von Pferdekutschen."

Davon will man in Bad Tölz aber gar nichts wissen. Das dortige Landratsamt "sieht weder Anlass noch rechtliche Grundlage, Kutschenfahrten generell zu verbieten", heißt es. Die Pferde, die ab den Wallfahrten eingesetzt werden, würden "nach höchsten Standards und liebevoll gepflegt".

 

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