Pfade rund um München Umland-Touren für den Frühling: Auf zu den Kraftorten

Pilger-Pfade zu wahren Kraftorten: Die AZ zeigt die schönsten Touren. Foto: dpa

Rund um München gibt es viele Pilger-Pfade zu wahren Kraftorten. Die AZ stellt einige vor.

 

München - Endlich mal wieder raus. Raus aus der Stadt und ab in die Prärie. Bloß – wohin? Nun, es soll ja nicht Wenige geben, die zwar jeden Tempel in Kambodscha und auch noch die hinterletzte Kapelle in der Toskana erwandert haben, dafür jedoch noch nie, nur so als Beispiel, auf dem Freisinger Domberg waren. Selber schuld, kann man nur sagen, da haben sie nämlich viel verpasst.

Die AZ lädt Sie einfach dazu ein, sich auf Pilger-Pfade ins Umland zu begeben: Ohne Stress, Jetlag oder lange Anreise – bei besagtem Domberg langt ja sogar eine S-Bahn-Fahrkarte.

Pilgern? Wer das jetzt zu religiös findet, weil er mit der Kirche so gar nicht mehr viel anfangen kann, der kann beruhigt sein. Auch kunsthistorisch ist auf diesen sechs Wanderungen, Touren oder Spaziergänge, die wir hier vorstellen viel geboten.
Um noch mal auf den Freisinger Domberg zurück zu kommen – allein im Dom lässt sich eine wahre Zeitreise unternehmen. Schon um 715 stand hier ein Kircherl. Man kann also von einem echten altbayerischen Kraftort sprechen. Die Jahrhunderte haben hier überall ihre Spuren hinterlassen. Angefangen von der romanischen Krypta bis zur Rokoko-Pracht der Gebrüder Asam im Innenraum des Doms. Und von den unzähligen anderen Kapellen, Kirchen, Denkmälern und Türmen auf dem Domberg mal ganz zu schweigen.

Oder doch lieber noch ein bisserl höher hinaus? Der Riederstein über dem Tegernsee wäre eine Alternative. Oder, nicht ganz so hoch, der Auerberg im Pfaffenwinkel im westlichsten Eckerl Oberbayerns. Oder, oder, oder.

Inspirieren lassen haben wir uns vom neuen Buch "Pilgerziele Oberbayern" von Susanne und Walter Elsner aus dem Rother Verlag (16,90 Euro), in dem 25 Ziele zwischen Oberammergau und Berchtesgaden ausführlich mit detaillierten Wanderkarten vorgestellt werden. Auch GPS-Daten stehen zum Download bereit – es soll schließlich keiner verloren gehen. Aber keine Sorge: Die richtigen Pfade sind wirklich leicht zu finden Und wer danach von so viel Kultur (und Natur) dann irgendwann einmal genug hat: Einkehrmöglichkeiten sind stets sehr nah. Und außerdem: Kirche – Maibaum – Wirtschaft? Auf diese Dreieinigkeit ist ja ohnehin Verlass.


Freising: Domberg, Altstadt und mehr

Hier geht es zu den kirchengeschichtlichen Wurzeln des Erzbistums München.

Ausgangspunkt: Bahnhof Freising
Gehzeit: 2,5 Stunden

Wir gehen vom Bahnhof in Richtung Isar und überqueren die Korbiniansbrücke (2) und gehen den Fluss bis hinter die Kläranlage entlang, wo wir über einen Steg das Wasser queren. Durch eine Schrebergartenanlage und über die Parkstraße erreichen wir das Kloster Neustift (3). Dieses eher unbekannte Juwel aus dem Rokoko wurde im Sommer 2016 gründlich renoviert.
Die sanft ansteigende Wiesenthalstraße wird zu einem unasphaltierten Wanderweg, der uns zur Wieskirche (4) führt. Schon im frühen 18. Jahrhundert brachten Pilger aus Freising Abbildungen des Gnadenbildes hierhin mit. Weiter geht es (nach einer vielbefahrenen Straße) durch den Kreuzweg. Die Route führt allerdings von der letzten Station an die erste. Davon lassen wir uns aber nicht beirren.
Der Pfad kreuzt wieder in Freising die Rotkreuzstraße. Wir gehen weiter auf einem Fußweg, der lange Zeit Pallottinerstraße heißt. Im Zentrum Freisings angekommen, können wir uns die Pfarrkirche St. Georg (5) mit ihrem 84 Meter hohen Turm ansehen. Sie wurde 1230 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Wir wenden uns gen Osten und orientieren uns in Richtung Untere Domberggasse, auf der wir zum Domberg (6) hinaufwandern. Bereits 715 stand hier die erste Marienkirche des heutigen Bistums. Auf unserem Rückweg zum Bahnhof lohnt sich noch ein Abstecher zur Altöttinger Kapelle (7).


Urschalling: Fresken aus der Romanik

Ein beschaulicher Weg, entlang der Prien bis zu einem Überbleibsel einer einst großen Burganlage.

Ausgangspunkt: Bahnhof Prien
Gehzeit: 2 Stunden

Durch die Fußgängerzone erreichen wir die Pfarrkirche St. Johannes (2), mit ihrem 70 Meter hohen nadelspitzen Turm: das Wahrzeichen von Prien. Über die Bernauer Straße und die Beilhackstraße erreichen wir einen Getränkemarkt, an dem wir rechts abbiegen und bald auf einem Wanderweg spazieren. Bald befinden wir uns auf einem Kreuzweg, der zur alten Wallfahrtskirche St. Salvator führt (3). Die Kirche hat einen gothischen Charakter, 1472 wurde sie geweiht und zeugt mit ihrem Sattelturm von einer einst lebendigen Wallfahrttradition.
Es geht zunächst den gleichen Weg zurück, den wir gekommen sind, nachdem wir die Prien überquert haben, wandern wir einen kurvigen Weg entlang. An einer Gabelung geht es in Richung Grablmühle (4). Von dort aus geht es hinauf ans Hochufer der Prien, wir gehen an ihr entlang, bis uns der Weg wieder hinunterführt, wir den Weg erneut queren und dann auf der anderen Flussseite das andere Hochufer erklimmen. Es geht in Richtung Hoherting und dann nach Urschalling, wo wir die berühmte Jakobskirche (5) besichtigen. Sie ist das einzige Relikt der Burganlage der Grafen von Falkenstein und lässt sich ins zwölfte Jahrhundert datieren. Wieder auf der Straße orientieren wir uns an den Wegweisern zurück nach Prien.


Petersberg: Kleinode am Inn

1139 wurde auf dem Petersberg ein Altar eingeweiht – und bis heute ist dieser Ort einer von besonderer Spiritualität und freilich auch mit schöner Aussicht.

Ausgangspunkt: Bahnhof Flintsbach
Gehzeit: 3,5 Stunden

Vom Bahnhof gelangen wir am Schwimmbad vorbei zur Pfarrkirche (2), einen stattlichen Barockbau. Über die Alpenstraße und Tatzelwurmstraße geht es zur Wolfsgrube (3), einer natürlichen Doline. Über den Wolfsgrubenweg kommen wir an einer kleineren Baumgruppe vorbei, in der eine steinerne Figur des Hl. Markus steht. Nach einem Stück durch eine spektakuläre Landschaft, in der auch viele Kletterer unterwegs sind, stehen wir vor der Magdalenenklause (4). Die Kirche selbst ist meistens geschlossen, aber um sie herum lohnt allein schon ein Blick in die Anlage der Kreuzwegkapellen.
Beim Treppenabsatz mit den Höhlen nehmen wir die steinerne Stiege hinab. Beim Bauernhof geht es rechts. Wir folgen dem Philosophenweg, von hier aus ist ein Abstecher zum Philosophenfall (5) möglich. In einer hübschen Landschaft geht es auf einem markierten Weg bis zum Petersberg (6) mit seinem mittelalterlichen Benediktinerkloster.
Der Apostelweg führt uns den Berg wieder hinunter. Bei der ersten breiten Kehre folgen wir einer Forststraße und erreichen bald zwei Forstkapellen, die Antoniuskapelle (7) und die Maria-Schnee-Kapelle (8). Nur noch wenig über dem Talgrund erhebt sich vor uns eine Ruine (9). Am Ortsrand gibt es die Möglichkeit, noch einen Abstecher zur Marienkapelle (10) zu machen, bevor es zum Bahnhof geht.


Wessobrunn: Tassilo und Kloster

Stuckliebhaber sollten hierhin schauen, auch alte Bäume beeindrucken.

Ausgangspunkt: Wessobrunn
Gehzeit: 3 Stunden 45 Min.

Schon am Parkplatz hat man einen tollen Blick auf das Wessobrunner Kloster (1) mit dem massiven Römerturm. Hier gibt es die Pfarrkirche und das barocke Brunnenhaus zu besichtigen. Wegweiser führen uns zur Tassilolinde (2), einem wunderschönen Baum, auf den vor allem Jüngere sofort klettern wollen. Wir wandern weiter auf dem schmalen Weg, am Ortsrand folgen wir der Markierung nach Forst-St. Leonhard. Auf unserem Weg kommen wir an einem auffälligen Sühnekreuz (3) vorbei und erreichen dann nach einem guten Stück Weg die kleine Wallfahrtskirche St. Leonhard (4). Altäre, Kanzel und Stuck werden Tassilo Zöpf zugeordnet, das Deckenfresko malte Matthäus Günther 1769.
Auf der Straße Templhof geht es weiter, wir kommen am Weiler Eck vorbei und folgen den Wegweisern nach Paterzell. An den ersten Häusern halten wir uns rechts und wandern bergab bis zur kleinen Ulrichskapelle (5), die erst im Jahr 1863 errichten worden ist. Unweit der Kapelle lädt ein Gasthaus zur Rast ein.
Gestärkt können wir über Wiesen weiter wandern, dazu folgen wir den auffälligen Schildern, auf denen „Eibenpfad“ zu lesen ist. Der Eibenwald (6) bietet dann noch viel mehr als nur diese eine Art Baum. Wir wandern durch den Wald und orientieren uns dann in Richtung Wessobrunn. Dabei kommen wir durch den Weiler Hanslehen. Wieder im Ort, sollte man es nicht versäumen, einen Blick auf eine Steintafel mit dem Wessobrunner Gebet (7) zu werfen.


Aussichtskanzel über dem Tegernsee

Spektakulär auf der Felsnase liegt das Riedersteinkircherl. Doch diese Wanderung bietet neben Höhen auch Ausblicke auf den See.

Ausgangspunkt: Bahnhof Tegernsee
Gehzeit: 3 Stunden 45 Minuten

Von der Dorfmitte aus gelangen wir über die Max-Josef-Straße zur Kapelle Maria Schnee. Teile des hübsch weiß verputzten Gotteshauses stammen aus dem Jahr 1797. Unser nächstes Ziel ist das Berggasthaus Riederstein am Galaun, das wir über die Straße oder durch das Wegerl im Wald erreichen können.
Den Gipfel des Riedersteins erreichen wir innerhalb einer halben Stunde über die 14 Stationen des aus dem Jahr 1861 stammenden Kreuzwegs. Wir haben an einer Kreuzung die Wahl, den „leichten Weg“ zu gehen, diesen nutzen wir aber für den Abstieg. Oben angekommen können wir den Ausblick genießen und freilich die Schönheit der Kirche. Ein besonderes Ereignis 1841 gab den Anstoß zu dem Bau, welches, da scheiden sich die Geister. Waren es Pferde, die sich auf den Gipfel verirrten oder doch ein Jäger, der von dort abstürzte – aber überlebte? Hübsch ist es hier in jedem Fall.
Wer will, geht noch weiter zum Baumgartenscheid, sonst geht es wieder bergab und nach dem Gasthaus geht’s kurz wieder bergauf zum Pfliegeleck. Von hier aus steigen wir hinab, stoßen auf den Tegernseer Höhenweg und dann auf den Sonnleitenweg. An der Kreuzung halten wir uns links und laufen auf das Anwesen mit der Nummer 40-42 zu. Am Ufer treffen wir auf das Kloster Tegernsee . Bereits Mitte des achten Jahrhunderts gab es hier eine Mönchsgemeinschaft und ein karolingisches Königskloster. Kaiser Otto II. ließ hier 978 eine Reichsabtei gründen, die Tegernsee zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit werden ließ. Zurück auf dem Weg zum Bahnhof kommen wir noch am Museum Tegernseer Tal vorbei, bevor wir über die Bahnhofsstraße wieder den Bahnhof erreichen.


Auerberg: Schwaben und Altbayern

Hoch nach oben zur uralten Georgenkirche führt uns dieser Pfad.

Ausgangspunkt: Waldparkplatz Auerberg bei Bernbeuern
Gehzeit: 3 Stunden

Die Strecke, die sowohl als Jakobsweg, als auch als Lehrpfad ausgeschildert ist, beginnt auf dem wegen einer hölzernen Römerfigur gut sichtbaren Parkplatz. Der Weg führt uns bis zur uralten Georgenkirche (2), die mindestens in das elfte Jahrhundert zu datieren ist. Bergab nehmen wir den gekiesten Weg hinter der ersten Serpentine der Straße und erreichen das Buffernandl (3). Es geht nach Südosten bis nach Bernbeuren, wo wir einen Blick in die Pfarrkirche St. Nikolaus (4) werfen können. Sie gilt als wunderbar durchkomponiertes Beispiel für die Barockzeit.
Die 1702 durch einen Brand stark beschädigte Kirche wurde vom Architekten Johann Georg Fischer wiederaufgebaut. Wessobrunner Stuckateure verzierten die Pfarrkirche. Ein paar Schritte links neben der Kirche befindet sich eine kleine Kapelle, in der sich eine Darstellung der Ereignisse von Lourdes befindet. Noch ein paar Meter weiter ist die Kapelle Maria Heimsuchung. Über den Marktplatz und die Auerbergstraße geht’s zurück.

 

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