Petrys falsches Spiel Liebe AfD-Wähler, Ihr wurdet alle verarscht!

Frauke Petry wusste schon lange vor der Wahl, dass sie die AfD verlassen würde. Foto: dpa

Es war der Knalleffekt am Tag nach der Wahl: In einer denkwürdigen Pressekonferenz verkündete AfD-Parteichefin Frauke Petry ihren Austritt aus der gerade neu entstandenen AfD-Fraktion. Jetzt kristallisiert sich heraus, dass alles ein abgekartetes Spiel war.

Berlin - Bereits am 20. April - also knapp ein halbes Jahr vor der Wahl - veröffentlichte das Recherchezentrum Correctiv einen Exklusivbericht mit dem Titel "AfD: Spaltung nach der Bundestagswahl?". Der Artikel erschien im Vorfeld des AfD-Parteitags und enthüllte einen bis dahin geheimen Plan: "Frauke Petry und Marcus Pretzell wollen eine Richtungsentscheidung erzwingen - gegen das völkische Lager um Björn Höcke und Alexander Gauland. Sollte dies nicht gelingen, gibt es Überlegungen, nach der Bundestagswahl die Partei zu spalten."

Damals fand der Bericht anfangs durchaus Beachtung, verschwand dann aber schnell im Wahlkampf-Getöse um Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen und der von Gauland gewünschten Entsorgung der Integrationsbeauftragten Aydan Özoguz. Die Vorgänge nach der Verkündung des Wahlergebnisses vom 24. September zeigen, dass der Bericht absolut korrekt war - und die AfD-Wähler somit systematisch getäuscht wurden.

Am 25. September kurz nach 9 Uhr morgens ließ Frauke Petry die Bombe platzen: Sie werde der ersten AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag nicht angehören. Gut 24 Stunden später folgte die logische, unvermeidliche Fortsetzung: Sie werde zudem aus der Partei, deren Vorsitzende sie ist, austreten. "Klar ist, dass dieser Schritt erfolgen wird", sagte Petry, ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen.

Die Domain für ihre neue Fraktion registrierte Petry schon im Juli

Noch einmal 24 Stunden später machte dann plötzlich der Name "Die Blauen" die Runde. Es soll sich dabei um die neue Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag handeln, die Frauke Petry zusammen mit anderen AfD-Abtrünnigen gründen will. Auf der Homepage dieblauen.de befindet sich zwar derzeit nur ein Platzhalter, aber eine Abfrage der Registrierungsdaten bestätigt, dass Frauke Petry die Inhaberin der Domain ist. Am Rande einer Sitzung des Sächsischen Landtags bestätigte schließlich auch Petry selbst, dass sie die Domain registriert habe. Doch anders als der Platzhalter-Text suggeriert, wurde die Domain keineswegs erst vor kurzem registriert, beispielsweise in einer Hauruck-Aktion nach Petrys angekündigtem Austritt aus Fraktion und Partei. Tatsächlich gehört die Internetadresse mindestens bereits seit dem 3. Juli 2017 der scheidenden AfD-Chefin, denn zu diesem Zeitpunkt wurden die Inhaber-Daten zum bislang letzten Mal überarbeitet.

Die Domain-Registrierungsdaten belegen eindeutig, dass Petry "Die Blauen" bereits im Juli plante.
Die Domain-Registrierungsdaten belegen eindeutig, dass Petry "Die Blauen" bereits im Juli plante.

Auch Chatprotokolle und E-Mails von hohen AfD-Funktionären, die WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung vorliegen, zeigen auf, dass Petrys Aufspaltung der AfD schon lange vor der Bundestagswahl beschlossene Sache war. Michael Schwarzer, Fraktionssprecher in Nordrhein-Westfalen und enger Vertrauter von Petrys Ehemann Marcus Pretzell, hält die ursprüngliche AfD demnach "für verstorben". Der Bundestagsfraktion gebe er "drei Monate bis zur Spaltung". Schuld daran sei Petrys Co-Vorsitzender Jörg Meuthen: "Die AfD ist Geschichte. An die Wand gefahren vor allem von Meuthen, ein Stück weit auch von Gauland." Und er prognostizierte: "Die BTW [Bundestagswahl] ist nur eine Supernova - danach wird es einen Riesenknall geben - mit bekanntem Ergebnis."

Dieser Knall ist nun bekanntlich eingetreten - und er ist eine politische Riesen-Sauerei. Zu einem Zeitpunkt, als für Frauke Petry längst feststand, dass sie die AfD verlassen würde, ließ sie die Republik mit Motiven von ihr und ihrem neugeborenen Baby plakatieren. Warb am Straßenrand, auf Bühnen und im Fernsehen für eine Partei, mit der sie längst abgeschlossen hatte, die sie unweigerlich verlassen würde. Und all das nur aus dem Kalkül heraus, so noch einen Sitz im Bundestag mitzunehmen. "Das Lager um Petry/Pretzell wolle nicht den Fehler des Parteigründers Bernd Lucke wiederholen, als dieser die Partei ohne Mandate in Landtagen und Bundestag verlassen habe", enthüllte Correctiv bereits im April.

Man kann es daher nicht anders formulieren: Liebe AfD-Wähler, Ihr wurdet alle verarscht!

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