Petra Perle Münchens Woll-Königin bringt Häkel-Buch raus

„Ich finde, ein Leben ist für einen Beruf ist zu langweilig“: Aktuell ist Petra Perle, hier in ihrem Münchner Schrebergarten, Sachbuchautorin in Sachen Handarbeit. Ab Donnerstag gibt sie Workshops in ihrem Laden. Foto: Daniel von Loeper

Petra Perle ist geschickt mit den Händen, immer schon. Heute gibt sie Häkel-Tipps. Der AZ erklärt sie, was sie daran begeistert, wieso Handys ihr missfallen – und was sie als nächstes vorhat.

München - Sie hat ja schon einiges ausprobiert: In den 90er Jahren war sie als Schlagersängerin und Performance-Künstlerin aktiv und bediente danach als Wirtin des Traditionscafés „Turmstüberl“ im Valentin-Karlstadt-Musäum Touristen und das Münchner Publikum.

Festgelegt hat sich Petra Perle nie. Vor einem Jahr eröffnete die 53-Jährige ihren eigenen Wolle-Fachhandel im Glockenbachviertel. Jetzt bringt sie ihr erstes Buch mit Anleitungen zum Nachhäkeln auf den Markt. Zur Veröffentlichung von „Granny Mania“ finden heute, am 14., 21. und 28. April im „Hot Wollée“ in der Müllerstraße 50 um jeweils 17 Uhr Workshops mit ihr statt.

AZ: Frau Perle, warum sind Sie ein Fan von Wolle?

PETRA PERLE: Wolle ist ein Material, mit dem man nicht nur altmodische Topflappen machen kann, sondern auch Kunst. Es ist mein Lieblings-Textil. Das einzige, was ich an der Wolle nicht mag, ist, dass man kaum etwas von ihr ohne Tierleid bekommt. Wie das eben so ist, wenn etwas, das auf Tierbasis beruht, zum Massenprodukt wird.

Was tun Sie dagegen?

Ich verkaufe keine Angorawolle, weil da die Zucht und Ernte so brutal ist.

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Strick- und Häkelbuch?

In den letzten Jahren habe ich wahnsinnig viel handgearbeitet, und da ist einiges entstanden. In meinem Facebook-Club wurde ich immer wieder nach Anleitungen gefragt. Also habe ich mir gedacht, dass man da etwas draus machen muss.

Kann jeder Mensch stricken lernen?

Seit ich das Video von der Mexikanerin gesehen habe, die keine Arme hat und mit dem Mund die schönsten Amigurumi-Tiere (japanische Häkelkunst, d. Red.) häkelt, weiß ich: Jeder kann alles machen.

Wie ist Ihre Leidenschaft zum Stricken entstanden?

In der Schule war Handarbeit das einzige Fach, in dem ich Einser bekommen habe. Dadurch, dass ich viel Lob bekommen und gespürt habe, dass es mir gut liegt, war mir klar, dass ich später mit meinen Händen arbeiten möchte.

Also wurden Sie erst einmal Goldschmiedin.

Genau. Dass es nun ein Wolle-Geschäft geworden ist, hat sich in meiner Lebensgeschichte so ergeben. Ich finde, ein Leben ist für einen Beruf ist zu langweilig.

Ihr Buch haben Sie „Granny Mania“ genannt. Was sind „Grannys“?

Das sind Viereckerl. Früher hat man das als „Patchwork“ bezeichnet. Und „Granny“ heißt es, weil die Omas früher da saßen und diese Viereckerl gehäkelt haben.

Was ist das Besondere an dieser Technik?

Die Möglichkeiten sind unendlich. Ich habe viele Muster erfunden, von denen Sie 48 Grannys in meinem Buch finden.

Da gibt es dann etwa „Tequila Sunrise“ oder „Dandy“.

Als die Grannys fertig waren, habe ich sie mir mal angeschaut und das, was mir als erstes in den Sinn kam, war dann der Namensgeber. Mit Ausnahme der Blumen-Grannys. Die habe ich nach meinen Freundinnen benannt.

Gibt es auch eins, das nach Ihrem Mann benannt ist?

Nein, aber das wäre eine gute Idee für das nächste Buch. Dann werde ich allerdings einen Poncho nach meinem Mann benennen.

Weil der Herr Gemahl immer friert?

Ja! Und weil er Hippie-Kleidung liebt.

Wie wäre es mit Handy-Hüllen aus Strick?

Ein Handy kommt mir nicht ans Ohr! Ich besitze kein Handy und hatte auch noch nie eins.

Warum?

Ich sehe Menschen, wie sie mit ihren Handys umgehen – und das gefällt mir nicht. Lustige Gespräche werden abrupt unterbrochen, wenn Leute aufstehen und rausgehen, sobald das Gerät klingelt. Bei dieser Entwicklung der Non-Kommunikation mache ich nicht mit. Außerdem möchte ich nicht immer erreichbar sein. Ein Telefon, eine E-Mail-Adresse und ein Facebook-Account sorgen schon dafür, dass ich viel zu viel mitkriege.

Sie stellen unter anderem Schals, Taschen, Ponchos und Nackenrollen her. Welches ist Ihr Lieblingsstück?

Im Winter finde ich aus reinem Selbstschutz und Selbstnutz alles, was den Hals wärmt, ganz toll. Und im Sommer mag ich Strick- und Häkelkleider aus Baumwolle.

Sie haben einmal gesagt, dass Kitsch für Sie alles ist, was „a bissl z’vui und überzogen“ ist. Ist Ihre Wollkunst dann auch Kitsch?

Mir selbst ist es nicht zu viel, da es meiner Meinung nach nicht bunt genug sein kann. Aber ich merke schon auch, dass es auf Leute trifft, die damit gar nichts anfangen können.

Wird es ein weiteres Buch mit Strick- und Häkel-Anleitungen von Ihnen geben?

Ja, das zweite ist bereits in Arbeit. Insgesamt soll eine Serie von fünf Büchern erscheinen. Im kommenden Buch geht es um Mützen. Und danach gibt es eins nur mit Ponchos.

Sie werden unter anderem als Performance-Künstlerin, Schmuck-Designerin oder Autorin bezeichnet. Mit welcher Rolle identifizieren Sie sich am ehesten?

Aktuell bin ich Sachbuchautorin. Das mache ich jetzt zehn Jahre lang, und dann kommt wieder etwas Neues. Mein ganzes Leben lang mache ich schon alle zehn Jahre etwas Neues.

Was kommt nach dem Kapitel Wolle?

Danach werde ich Romanbuchautorin. Ich habe so viele Ideen im Kopf.

Ein Leben ohne Handarbeit?

Ist möglich, aber sinnlos.

 

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