Peter Pongratz im AZ-Interview Abschied vom Nockherberg: "Es tut mir in der Seele weh"

, aktualisiert am 30.04.2016 - 14:00 Uhr
Peter Pongratz ist die längste Zeit Paulanerkeller-Wirt gewesen, der Brauerei bleibt er aber weiter treu – auf der Wiesn. Foto: AZ-Archiv

Noch ist Peter Pongratz Wirt am Nockherberg. Nicht mehr lange. Im AZ-Interview spricht er über seinen Abschied – und warum er keinen Neuanfang in der Au mehr braucht.

 

München - Es ist ein Paukenschlag in der Münchner Gastronomie: Alles wird neu auf dem Nockherberg. Das berühmte Wirtshaus wird umgebaut, sogar teilweise abgerissen. Mitten im Nockherberg soll eine neue "Paulaner-Erlebniswelt" entstehen. Damit nicht genug: Der langjährige Wirt, Peter Pongratz, verlässt den Nockherberg. Dort trafen wir ihn am Freitag zum Gespräch.

AZ: Herr Pongratz, wie geht es Ihnen?

PETER PONGRATZ: Gut, wenngleich ich mir natürlich noch nicht vorstellen kann, wie es sein wird, den Nockherberg in einem Jahr zu verlassen. Das verdrängt man irgendwie noch.

Diese Woche sickerten die bisher geheimen Paulaner-Pläne durch. Wann haben Sie von dem großen Umbruch erfahren?

Vor ein paar Wochen.

Wurde Ihnen da von der Brauerei mitgeteilt, dass Ihr zum 30. April 2017 auslaufender Pachtvertrag nach insgesamt 27 Jahren nicht mehr verlängert wird?

Nein, da wurde mir mitgeteilt, dass auf dem Nockherberg etwas ganz Neues entstehen soll.

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Ohne Sie?

Das wird jetzt so sein, doch ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen kann, das Haus auch nach der Neugestaltung weiterzuführen, und das wollte ich nicht.

"Auf der Wiesn bleibt alles beim Alten"

Warum?

Ich habe den "Paulaner am Nockherberg" 1990 übernommen, und der Betrieb hatte und hat mir immer sehr viel Freude gemacht. Ich bin Gastgeber und Wirt mit voller Leidenschaft, doch ich werde ja nächstes Jahr auch schon 70. Meine Frau sagt eh schon lang, dass ich auf mich schauen soll. Oft bin ich ja bis zu 15 Stunden im Betrieb.

Der quirlige, energiegeladene Peter Pongratz verlässt den Nockherberg wegen seines Alters? Pardon, aber das passt irgendwie nicht…

(lacht) Ja, gut. Das Alter ist ein Aspekt.

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Und der andere?

Ich will noch eine schöne Zeit mit meiner Familie erleben und auch mal etwas mehr Zeit für meine Hobbys wie Briefmarkensammeln und Tennis haben. Ich fühle mich ja noch jung, aber nicht für diesen kompletten Nockherberg-Neuanfang.

Die Brauerei plant eine "Paulaner-Erlebniswelt" mit Hausbrauerei, Biermuseum und vielem mehr. Mit modernen Präsentationsformen sollen die Besucher interaktiv alles rund ums Paulaner-Bier erfahren.

Darüber kann nur die Brauerei Auskunft geben. In den nächsten Wochen wird sie dazu sicher Stellung nehmen.

Man kann wohl davon ausgehen, dass das Bier künftig im Mittelpunkt stehen wird. Ihr Team um Küchenchef und TV-Koch Andreas Geitl brachte auch gehoben bayerisch-kreative Küche auf den Nockherberg. Dem Vernehmen nach soll die Speisekarte nach dem Großumbau vereinheitlicht werden – mit weltweit allen Paulaner-Gaststätten.

Wie gesagt: Diese Infos kann nur die Brauerei geben. Ich bin gespannt, wie’s nach 2017 auf dem Nockherberg sein wird. Als Besucher werde ich sicher öfter vorbeischauen.

"Das Alter ist nur ein Aspekt"

Was ist dran an den Gerüchten, dass die Brauerei mit Ihrem Bierabsatz nicht ganz so zufrieden ist?

Mir ist da nichts bekannt. Insgesamt habe ich in meinen bislang 27 Jahren auf dem Nockherberg über zehn Millionen Liter Getränke verkauft. Die Brauerei hätte meinen Pachtvertrag sicher nicht mehrmals verlängert, wenn meine Absatzzahlen nicht stimmen würden.

Wie geht’s mit Ihrem Wiesn-Zelt, dem Winzerer Fähndl, weiter?

Da bleibt alles beim Alten. Wiesn-Wirt wurde ich 2004, und das will ich auch weiterhin bleiben. Von Seiten der Brauerei ist es kein Muss, Nockherberg-Wirt zu sein, um das Paulaner-Festzelt führen zu dürfen. Bei der Stadt muss man sich – wie jeder Wiesn-Beschicker – natürlich jedes Jahr neu bewerben.

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Wohin kommt Ihr Wiesn-Büro, das seit jeher auf dem Nockherberg ist?

Das kommt in mein Gasthaus, in die "Grünwalder Einkehr". Dort entsteht jetzt mein Wiesn-Stützpunkt.

Was wird mit Ihrer Nockherberg-Belegschaft? Etliche Ihrer Mitarbeiter sind seit vielen Jahren dabei.

Das ist natürlich traurig, weil wir ein tolles Team sind. Da dem Nockherberg-Neuanfang eine Betriebsschließung vorangehen wird, werden die 56 Festangestellten zum 30. April 2017 gekündigt. Ich hoffe schwer, dass sie alle bis dahin auf dem Nockherberg bleiben. Super ist, dass gute Leute in der Gastro-Branche gesucht werden – und ich habe nur gute Leute.

Wie ist die Stimmung seit Bekanntwerden der großen Änderungen?

Wir sind alle wehmütig. Nicht nur mir tut es in der Seele weh, dieses Haus zu verlassen.

Wird es am 30. April 2017 eine Art Abschiedsfeier geben?

Meine Frau und ich haben beschlossen, meinen 70. Geburtstag am 7. April nächsten Jahres groß zu feiern. Mein runder Geburtstag wird zugleich auch die Abschiedsfeier sein. Wenn am 30. April endgültig zugesperrt wird, ist sicher erstmal niemandem zum Feiern zumute.

 

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