Personalkarussell in Bayern Nach Seehofer-Kandidatur: Das CSU-Stühlerücken

Die Strippenzieher im CSU-Personalkarussell: Horst Seehofer (l.) und Joachim Herrmann. Foto: dpa

Horst Seehofer macht weiter, Joachim Herrmann soll Bundesinnenminister werden. Soweit klar. Aber was wird aus Markus Söder? Und was aus dem im Exil lebenden Adelsspross zu Guttenberg?

München - Diese Zahl dürfte Horst Seehofer nicht gefreut haben: Mit seiner Arbeit als Ministerpräsident sind nach einer aktuellen Umfrage zwar 60 Prozent der Bayern zufrieden – aber nur 32 Prozent finden es gut, dass er über 2018 als Regierungschef und CSU-Vorsitzender weitermachen will, 27 Prozent immerhin noch "teilweise". Für einen Politiker, der immer um die absolute Mehrheit kämpft und der sich zuallererst in einer "Koalition mit den Bürgern" befindet, definitiv keine guten Werte.

An Seehofers Entscheidung weiterzumachen, dürfte das freilich nichts ändern. Und es bleibt auch dabei, dass der bayerische Innenminister Joachim Herrmann an diesem Samstag auch offiziell zum Spitzenkandidaten der CSU für die Bundestagswahl gekürt wird. Insofern sind die Top-Personalien in der CSU erst einmal entschieden. Die Personalspekulationen aber sind damit noch lange nicht beendet.

Erst einmal fragen sich viele in der Partei, wie lange Seehofer denn nun weitermachen will? Wirklich bis 2023, also die komplette nächste Legislaturperiode? Oder hört er irgendwann zur Halbzeit auf? Er sagt dazu: nichts. Den gleichen Fehler wie 2012 mache er nicht noch mal. Heißt: Wenn das Ende kommt, wird es plötzlich und überraschend sein.

Vor allem einer muss sich nun in Geduld üben: der bayerische Finanzminister Markus Söder. Der gilt seit langem als aussichtsreichster Nachfolgekandidat für die Staatskanzlei – auch wenn er in der CSU-Spitze eine Reihe von Gegnern hat. Der Franke Söder reagierte zuletzt – zumindest nach außen – mit viel Selbstironie auf Seehofers verschobenes Karriereende. "Ein Franke wird erst Ministerpräsident, wenn der Club (1. FC Nürnberg) Deutscher Fußball-Meister wird. Das heißt, meine zeitliche Perspektive ist deutlich schlechter als die von Prinz Charles", spottete er in einer Kabarett-Rede beim traditionellen Maibock-Anstich in München (AZ berichtete).
 

Zu Guttenberg als CSU-Chef? Einige schließen das nicht aus

Und zu Herrmann: Der soll - auch wenn das offiziell noch keiner sagt – bei einem Wahlerfolg der Union nächster Bundesinnenminister werden. Sollte das klappen, hat dies CSU-intern weitere Folgen: Der heutige Verkehrsminister Alexander Dobrindt dürfte so oder so Gerda Hasselfeldt an der Spitze der CSU-Landesgruppe im Bundestag nachfolgen.

Aber dann gehen die Spekulationen in der CSU weiter: Wer könnte bei einem Wahlerfolg neben Herrmann als Bundesminister ins Kabinett einrücken? Generalsekretär Andreas Scheuer gilt als heißer Anwärter, zumal mit dem Landtagsabgeordneten Markus Blume, der bereits Vize-General ist, ein Nachfolger in der CSU-Zentrale bereitsteht.

Eine gute Arbeit wird auch Entwicklungsminister Gerd Müller attestiert – er könnte unter Umständen weitermachen. Dazu allerdings müsste die CSU erst einmal wieder drei Ministerposten bekommen, was bei einem Zugriff aufs Innenministerium alles andere als ausgemacht wäre. Eng werden dürfte es in jedem Fall für Bundesagrarminister Christian Schmidt, der nicht nur – wie Herrmann – Franke ist, sondern der für seine Arbeit auch in den eigenen Reihen oft kritisiert wurde.

Und dann ist da noch ein großes, dickes Fragezeichen: Was wird aus Karl-Theodor zu Guttenberg? Der einstige Verteidigungsminister und CSU-Hoffnungsträger, der nun schon seit einigen Jahren in den USA lebt, soll im Wahlkampf mitmischen. Und dann? Bundesminister? Irgendwann Parteichef? Das schließen so manche in der CSU nicht mehr aus. "Ein glänzender, talentierter, guter, international erfahrener Politiker", lobte Seehofer neulich im BR. Nach der Wahl werde man sehen, wie es politisch für ihn weitergehe.

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