Peinliche Entschuldigung Twitter-Affäre: Wiesn-Stadtrat Otto Seidl kleinlaut

Wiesn-Stadtrat Otto Seidl und der Tweet des Anstoßes. Foto: Twitter/CSU

Otto Seidl (CSU) will "nicht mehr aussschließen", das umstrittene Nacktfoto selbst via Twitter verpostet zu haben – und entschuldigt sich. Die Fraktion entscheidet: Der Mann bleibt im Amt.

 

München - Er hat alle Nachfragen der Abendzeitung per Anwalt abgebügelt. War in der Sommerpause in der Versenkung verschwunden. Am Donnerstag hat der neue Wiesn-Stadtrat Otto Seidl (71, CSU) sogar den traditionellen Wiesn-Rundgang mit großer Presserunde geschwänzt.

Bloß nichts mehr sagen müssen! Zur Frage, ob er das umstrittene Nacktfoto über den Twitter-Account "@OttoSeidl" nicht doch selbst verpostet hat. Und also gelogen, als er behauptete, das habe jemand anderes getan, um ihm "zu schaden".

Am Freitag um 15.21 Uhr hat Seidl dem Druck seiner eigenen Partei nachgegeben – und ein Statement abgegeben. Eines, das nicht sehr überrascht:

"Ich entschuldige mich bei den Medien, der Öffentlichkeit und meiner Fraktion für meine am 20. Juli vorschnell getätigten Aussagen. Obwohl ich Twitter sehr selten benutzt habe, hätte ich daran denken müssen, dass ich den Twitter-Account 2013 angelegt hatte", schreibt Seidl.

Und weiter: "Es war ein Fehler, ohne genaue vorherige Prüfung ein vorschnelles Dementi abzugeben. Ich kann mich zwar auch jetzt nicht erinnern, das unangemessene und geschmacklose Bild im Juni 2015 gepostet zu haben, will das aber mittlerweile nicht mehr ausschließen. Deswegen habe ich entgegen meiner Ankündigung keine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt."

"Dumme Mandatsträger sind eine Katastrophe"

Das Foto samt rassistischem Altherrenwitz hatte kurz nach Seidls Wahl zum Wiesn-Stadtrat im Rathaus für Empörung gesorgt. Stimmen aus der Opposition und aus eigenen Reihen forderten Seidls Rücktritt. Ein Mann mit so wenig Feingefühl sei "nicht tragbar" als Wiesn-Stadtrat. Seidl bestritt daraufhin, das Bild versendet zu haben ("Ich habe gar kein Twitter") – und kündigte an, Strafantrag zu stellen, wegen Rufmords.

Darauf hat Seidl nun doch weise verzichtet. Die Rats-CSU will dennoch keine Konsequenzen ziehen. Fraktionschef Hans Podiuk: "Otto Seidl hat uns versichert, nicht bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben. Klar ist aber auch, dass sich ein solches Verhalten nicht wiederholen darf." In der CSU sind nicht alle zufrieden mit dem Ausgang in der Causa Seidl. Ein Funktionär zur AZ: "Dummheit ist schlimm. Dumme Mandatsträger sind eine Katastrophe."

 

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