Pat Cortina "Wir waren nicht mehr wir selbst"

Im Moment eher unzufrieden: Pat Cortina. Foto: Augenklick

EHC-Coach Pat Cortina ist mit den letzten Resultaten nicht zufrieden. Hier spricht er darüber, was dem EHC fehlt, warum es in der zweiten DEL-Saison nicht läuft – und was die Eishackler vom FC Bayern unterscheidet.

 

AZ: Herr Cortina, der EHC hat fünf seiner letzten sechs Spiele verloren. Ist die jetzige Situation die größte Herausforderung für Sie als Trainer, seit Sie beim EHC sind?

PAT CORTINA: Es ist eine Herausforderung, ja – die größte, das würde ich nicht sagen. Aber klar ist, dass wir, was unser Spiel betrifft, nicht da sind, wo ich uns haben will. Das muss sich ändern, das habe ich auch dem Team deutlich gemacht.

War ein Cortina-Wutanfall nötig?

Ich habe dem Team nur vor Augen geführt, was ich von ihm erwarte. Ich habe den Spielern gesagt, dass Eishockey wie eine Waage ist. Die hat zwei Seiten: Das Gute auf der einen, den Mist auf der anderen. Wenn man zu viel auf eine Seite schaufelt, kommt man aus dem Gleichgewicht. Wir haben zuletzt zu viel auf der Seite des Mists abgeladen, es wird Zeit, dass wir die Balance herstellen und jetzt wieder Gutes anhäufen.

Sie haben die Videos der letzten Auftritte genau studiert, was haben Sie gesehen?

Wenn ich die Spiele gegen Augsburg und Straubing sehe, kann ich nicht sagen, dass ich im Ansatz zufrieden bin. Wenn man das Krefeld und Hannover-Spiel nimmt, dann haben wir endlich wieder wie wir selbst ausgesehen. Denn wir waren zuvor nicht mehr wir selbst. Wir haben die Checks nicht zu Ende gefahren, wir haben nicht richtig gekämpft. Die Einstellung hat mir da nicht gefallen, das habe ich auch unmissverständlich klar gemacht.

Es fällt auf, dass Ihr Team in dieser Saison sehr viele Strafen bekommt, das kann einen Disziplinfanatiker wie Ihnen nicht gefallen.

Tut es auch nicht. Strafen sind oft ein Ausdruck von Frust, ein Ausdruck, dass man zu langsam in der Situation war, weil man nicht richtig mental vorbereitet war. All das lässt sich korrigieren, wenn man die richtige Einstellung hat.

Was unterscheidet das Team in dieser Saison von der Mannschaft der Vorsaison?

Wir sind ein Team, das noch auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist. In der vergangenen Saison waren wir eine eingespielte Truppe, die auf einer Mission ist. Wir wollten allen zeigen, dass wir in die DEL gehören. Jetzt haben wir mehr Erfahrung, auch bessere Spieler – auf der anderen Seite spielen wir nicht mehr mit dieser Angst, dieser Dringlichkeit. Angst muss aber eben keineswegs etwas Schlechtes sein, sie kann ein sehr wichtiger Motivator sein. Sie kann dazu führen, dass man eben den Schritt mehr macht, den Schritt, der weh tut. Ohne Angst macht man ihn vielleicht nicht. Was wir da verloren haben, müssen wir nun über Erfahrung und Können ausgleichen, aber wir suchen uns noch. Ich würde mich nur freuen, wenn mal wieder etwas mehr Realitätssinn herrschen würde. Unser Ziel war immer, unter die ersten Zehn zu kommen. Wir sind nicht der FC Bayern, der sich den Erfolg schnell erkaufen kann. Wir haben unsere Ziele, die unserem Etat entsprechen. Da sind wir im Soll. Das heißt nicht, dass ich zufrieden bin, aber es ist auch nicht so, dass man sich für irgendwas schämen müsste.

Zuletzt gab es große Unruhen im Verein, die Fans rebellierten etwa öffentlich gegen das neue tiefblaue Trikot. Wie gefällt Ihnen denn das Jersey?

Ich hoffte, dass man mir diese Frage nie stellen würde.

Pech gehabt.

Okay, ich sage es mal so: Das Trikot hat das Logo des EHC drauf, also muss es mir ja gefallen. Wenn ich etwas weniger diplomatisch wäre, würde ich sagen, das Logo war klar das Schönste an dem Trikot. 

 

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