Pat Cortina Ein bisschen Italien sollt ihr sein

Beim Deutschland-Cup steht EHC-Coach Cortina erstmals als Bundestrainer an der Bande – und das in München. Hier erklärt, er was das DEB-Team von den Südeuropäern lernen kann.

 

AZ: Herr Cortina, der Deutschland-Cup und damit Ihr erster Auftritt als Bundes-Pat, als Bundestrainer, steht an. Ausgerechnet in München, wo Sie seit Jahren Trainer des EHC sind, ausgerechnet gegen Ihr Heimatland Kanada...

PAT CORTINA: Ja, das ist eine eigenwillige Konstellation. Wenn ich ein Drehbuch hätte schreiben dürfen, hätte es wohl genau so ausgesehen. Dass ich jetzt die Chance habe, an der Bande, an der ich seit Jahren für den EHC stehe, vor den Fans, die mich beim EHC seit Jahren begleiten, ist etwas Besonderes.

Im endgültigen Kader stehen mit Buchwieser und Petermann nur zwei EHC-Spieler, warum haben Sie auf Keeper Jochen Reimer verzichtet?

Ganz einfach: Ich sehe ihn jeden Tag im Training. Ich weiß, was er kann. Der Deutschland-Cup gibt mir die Chance, Spieler kennen zu lernen, die ich nicht alltäglich erlebe. Es ist keine Degradierung, sondern eher so, dass er sich mir nicht mehr beweisen muss.

Auch kein einziger Spieler aus der NHL steht im Kader!

Es gab Absagen, die habe ich akzeptiert, da telefoniere ich auch nicht nach. Außerdem ist sehr wahrscheinlich, dass wir in der Olympia-Qualifikation im Februar ohne diese Spieler auskommen müssten, da finde ich es besser, jetzt schon als Team zusammenzuwachsen und wettkampfmäßig trainieren zu können.

Hand aufs große Herz: Wie aufgeregt sind Sie?

Natürlich ist eine gewisse Aufregung da. Es ist eine neue Herausforderung und Ehre. Dass Deutschland, mir – einem Italo-Kanadier – das Vertrauen schenkt, Bundestrainer zu werden, ist eine besondere Auszeichnung. Ich fühle mich Deutschland sehr verbunden. Was meine Einstellung, meine Werte angeht, denke ich, dass ich sehr deutsch bin. Ich war schon immer der Meinung, dass es eine Tugend ist, wenn man bereit ist, hart für das zu arbeiten, was man erreichen will. Träume, die einfach in Erfüllung gehen, ohne dass man dafür Schweiß, Einsatz, die Bereitschaft zu leiden aufwenden muss, sind für mich keine tiefe Erfüllung. Es mag ein kurzer Freudenrausch sein, aber die echte Erfüllung, die dein Selbst erfasst, ist das nicht.

Sie waren bereits Nationaltrainer Ungarns und Italiens, jetzt sind Sie Bundestrainer. Wo sehen Sie die Unterschiede bei den drei Eishockey-Nationen?

Der deutsche Eishockeyspieler ist mit Abstand der fitteste. Sie sind diszipliniert, motiviert und auch stets gewillt, sich zu verbessern, an sich zu arbeiten. Die Deutschen sind es gewohnt, sich in einer harten, ausgeglichenen Liga ständig zu beweisen.

Und die Ungarn?

Sie sind eine ungewöhnliche Mischung aus großer Bescheidenheit auf der einen Seite. Aber auf der anderen Seite sind sie von einem enormen Stolz erfüllt. Die Mischung aus diesen Extremen, die sich auf den ersten Blick fast ausschließen, ist eine ihrer Stärken.

Damit kommen wir zu Ihrem Heimatland Italien.

Die Italiener können physisch nicht mit den Deutschen mithalten, aber was die Italiener auszeichnet, ist ein echtes Mysterium. Italien ist im Sport – aus welchen Gründen auch immer – in der Lage, in den schwierigsten Situationen seine beste Leistung abzurufen. Wenn es um alles geht, finden die Italiener tief innen drinnen etwas, das sie über sich hinauswachsen lässt. Fußball, Eishockey, überall das Gleiche. Die Deutschen waren im Halbfinale der Fußball-EM eigentlich das bessere Team. Aber irgendwie konnten sie dieLeistung nicht abrufen. Die Italiener dagegen haben mit breiter Brust gespielt. Wenn es mir als Trainer gelingt, diese Mentalität den Deutschen näherzubringen und ein bisschen von der Stolz-Bescheidenheit-Natur der Ungarn zu installieren, werden wir an der Nationalmannschaft noch viel Freude haben.

 

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