Parteien und Reaktionen AfD drittstärkste Kraft: "Wir werden Frau Merkel jagen"

Lächeln für die Kamera: AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry. Foto: dpa

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg zieht eine rechtsnationale Partei ins Parlament ein – und die AfD macht gleich Ärger.

Berlin - Vor vier Jahren scheiterten sie noch an der Fünf-Prozent-Hürde, diesmal ist das Ergebnis der Nationalpopulisten zweistellig. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg zieht mit der AfD eine Partei rechts von der Union in den Bundestag ein. "Lebt damit Genossen: Linkstrend ist ab heute vorbei", ätzte Parteichefin Frauke Petry bereits in Richtung SPD, als erste Tendenzen bekannt wurden. Und Spitzenkandidat Alexander Gauland drohte: "Wir werden Frau Merkel jagen, wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen".

Während Gauland (der erst vor wenigen Tagen mit Äußerungen zu Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg für Entrüstung gesorgt hatte) und Alice Weidel per Briefwahl abgestimmt hatten, spazierte die in die Defensive geratene Chefin lächelnd in ein Leipziger Wahlbüro – begleitet von Personenschützern.

Wie stark der Einzug der AfD in den Bundestag das politische Klima in Deutschland verändern wird, beschäftigt seit geraumer Zeit Politiker und Experten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die AfD zuletzt als "Wolf im Schafspelz". Der Verfassungsschutz verfolge, "ob sich Rechtsextremisten dieser Partei bemächtigen und ob sie Einfluss auf die Partei haben“, sagte er in einem Interview. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, äußerte sich besorgt über die hitzige Stimmung vor allem in Ostdeutschland. "Diese Wut und der Hass, der dieser Tage auf der Straße zu beobachten ist, beunruhigt mich schon sehr", sagte er der Berliner Zeitung. Befürchtungen gibt es auch beim Zentralrat der Juden in Deutschland.

Meinungsfroscher: "Die AfD wird sich zerlegen"

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, erwartet, dass sich die Partei nach ihrem Einzug in den Bundestag zerstreiten wird: "Die AfD wird sich zerlegen, weil das bei sektiererischen Gruppen vom rechten Rand bisher immer so war.“ AfD-Parteichef Jörg Meuthen sieht das verständlicherweise anders: Er will seine Partei im neuen Bundestag als konstruktive und harte Oppositionskraft einbringen. "Krawall ist für uns keine Kategorie, wir wollen eine sehr harte, deutliche Opposition machen. Die hat dieses Land auch bitter nötig, denn die hat dieses Land bis jetzt nicht gehabt", sagte Meuthen am Sonntagabend in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF.

 

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