Paralympics-Stars am Münchner Flughafen Empfang von Schaffelhuber und Klug: Müde Heldinnen

Empfang mit Tracht und Blasmusik: Anna Schaffelhuber.. Foto: Thomas Kittel

Die Paralympics-Stars Anna Schaffelhuber und Clara Klug werden am Flughafen München empfangen. "Ich will nur noch ins Bett", sagt Schaffelhuber und verrät ihre Zukunftspläne: "Ausspannen am Gardasee".

München - Anna Schaffelhubers Gesicht war blass, die Augenlider erwehrten sich trotzig der immer stärker anklopfenden Müdigkeit. Sie kämpfte. Was sie ja kann und kennt. Und in den letzten zwei Wochen in Pyeongchang bei den Paralympischen Spielen eindrucksvoll nachgewiesen hatte, bei denen die Monoskifahrerin zweimal Gold und einmal Silber gewonnen hatte.

Als sie am Münchner Flughafen ankam, war es noch Montag, bald Dienstag: 23:31 Uhr. Plötzlich grinste sie, lachte. Ein müdes Grinsen. Ein müdes Lächeln - aber kein aufgezwungenes.

Große Euphorie. Bei ihr, ganz besonders bei ihr. Und bei ihrer Familie. Etwas abseits: Wenige Schaulustige, die auf andere Passagiere warteten. Und auch diese - euphorisch, jubelnd. Im Hintergrund intonierte eine Blaskapelle, eigens angereist für Schaffelhuber, typische Blasmusik. Und während das Ensemble spielte, die Fans klatschten, sagte die 25-Jährige mit einem müden Grinsen: "Ich will nur noch ins Bett."

Und doch genoss sie diese ekstatischen Minuten am ansonsten leergefegten Flughafen. Schaffelhuber stand im Mittelpunkt. Augenblicke, die sie zelebrierte, ohne sich dabei selbst zu inszenieren: Sie posierte zunächst zaghaft lächelnd vor ihrer Familie und einem Schaffelhuber-Banner. Dann biss sie in die eine, wenige Sekunden später in die andere Goldmedaille. "Es ist schön, dass man so empfangen wird," sagte sie.

Die Paralympics waren Anna Schaffelhubers Spiele

Momente, die Gänsehaut erzeugten. Und Hochachtung, Respekt. Gold in der Abfahrt sitzend, Gold im Super-G sitzend, Silber in der Super-Kombi sitzend. Ja, Triumphe, die man von Schaffelhuber erwarten konnte. Und dennoch: Die Paralympischen Spiele waren mal wieder ihre Spiele gewesen. Wie so oft - wie eigentlich immer. "Ich gehe jetzt heim und werde das sacken lassen. Und dann geht es an den Gardasee, ausspannen", sagte sie.

Ausspannen. Von den sportlichen Strapazen, ja. Doch nicht nur. Auch von der Abschlussfeier. Die strapaziös gewesen sein soll, hart. "Wir können gut feiern. Am letzten Abend haben wir eine Sektdusche gemacht", sagte die gebürtige Regensburgerin, die in Bayerbach im Landkreis Landshut aufgewachsen ist. Dabei könnte man die Konstellation im Haus auch mit dem Etikett "Vorsicht: Rivalen" versehen. "Wir haben mit Österreich und der Schweiz zusammengewohnt", sagte Schaffelhuber. Doch Sport verbinde, besonders die Paralympics. "Es herrschte eine tolle Atmosphäre."

Clara Klug kam später als Schaffelhuber an , zehn Minuten etwa. Im roten Jersey und in grauer Jogginghose schritt sie - angelehnt an Begleitläufer Martin Härtel - voran. Ähnlich wie in Pyeongchang. Schritt für Schritt. Meter für Meter. Auch sie kombinierte Glück und Müdigkeit in einem Gesichtsausdruck. Um ihren Hals baumelten zwei Medaillen: Zweimal Bronze, zweimal im Biathlon. Einmal über zehn, einmal über 12,5 Kilometer. "Mit den Medaillen werde ich jetzt aber nicht schlafen gehen. Das wäre so ungemütlich wie im Flugzeug", sagte Klug.

Es waren ihre ersten Paralympics. "Die Rennen waren sehr besonders. Zunächst ein absolutes Chaos-Rennen, dann zweimal Platz drei", resümierte Klug, die seit Geburt an blind ist. Zur selben Zeit verschwand Schaffelhuber unter den wartenden Fans. "Das muss man genießen. Ich freue mich über den Zuspruch. Man nimmt das gerne mit", sagte sie. Die Stimmung wurde ruhiger, ihre Stimme leiser. Nur die Blaskapelle spielte noch.

"Es ist schon spät." Als Schaffelhuber das sagte, war es kurz vor Mitternacht: 23:45 Uhr. Sie grinste, lachte. Und dachte dabei wohl nur noch an eines: ans Bett.

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