Panorama USA kämpfen gegen schlimmste Ölpest seit 20 Jahren

800000 Liter Öl laufen jeden Tag ins Meer Foto: dpa

WASHINGTON - Mehr als eine Woche nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ verseuchen schon Millionen Liter Öl den Golf von Mexiko. Die USA kämpfen vor der Küste Louisianas verzweifelt gegen ihre schlimmste Umweltkatastrophe seit über 20 Jahren.

 

Erste Ausläufer des Ölteppichs erreichten in der Nacht zum Freitag dieKüste von Louisiana und bedrohen dort Flora und Fauna. Angesichtsdessen gibt es zunehmend Kritik am Krisenmanagement der Regierung. Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, rief den Notstand aus.„Das gibt Anlass zu ernster Sorge“, sagte David Kennedy von derMeeresschutzbehörde NOAA. „Ich bin erschüttert. Das ist eine sehr,sehr große Sache.“

Hunderte von Fisch-, Vogel- und anderen Tierarten sind akut bedroht. Ebenfalls gefährdet sind Austernbänkeund die Fanggründe für Krustentiere im Mississippi-Delta. Bei den Menschen von Louisiana, die ohnmächtig zusehen müssen, wie der Ölteppich sich ihrer Küste nähert, macht sich das Gefühl breit,dass sie wieder einmal, wie schon beim Hurrikan „Katrina“ 2005, vonder Regierung in Washington im Stich gelassen werden. PräsidentBarack Obama entsandte einige Kabinettsmitglieder, die sich mit derKrise befassen sollen.

Konteradmiral Sally Brice-O'Hara von der Küstenwacht musste sicham Freitag in den Morgenmagazinen der drei großen US-Fernsehsenderdie Frage gefallen lassen, ob die Regierung alles getan habe, umden Mineralölkonzern BP dazu zu bringen, das Unterwasserleckabzudichten und die Küste vor der Ölpest zu schützen. Brice-O'Harawies die Kritik zurück. Die unter Federführung der Küstenwachtergriffenen Maßnahmen der Bundesbehörden seien rasch und nachhaltigerfolgt, sagte sie.

Präsident Obama erhöhte auch den Druck auf BP. Er betonte, dassder Ölkonzern für die Bekämpfung des Ölteppichs zur Kasse gebetenwerde. Außerdem will die Regierung keine weiteren Ölbohrungen mehrgenehmigen, ehe nicht die Ursache der Explosion der Bohrinselgeklärt ist, wie Obamas Berater David Axelrod am Freitag imFernsehsender ABC sagte. Auch erste Schadensersatzklagen vonKrabbenfischern wurden eingereicht. „Wir sind wirklich angewidert“,sagte der Austernzüchter Byron Marinovitch. „Wir glauben nichtsmehr, was von BP gesagt wird.“

Wegen der Ölpest büßte BP bislang rund 26 Milliarden Dollar anBörsenwert ein. Am Freitag setzte der BP-Kurs seine Talfahrt dervergangenen Tage fort und verlor im frühen Handel rund zwei Prozentnach 8,4 Prozent am Vortag. Die Firma Transocean, von der BP dieBohrinsel „Deepwater Horizon“ gemietet hatte, verlor seit derExplosion rund 4,27 Milliarden Dollar an Börsenwert.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass das Öl aus dem Bohrloch aus dreiverschiedenen Lecks ins Meer strömt. Pro Tag fließen rund 5.000Barrel (795.000 Liter) ins Meer, fünf Mal so viel wie anfangsvermutet. Inzwischen wird es für möglich gehalten, dass das Ausmaßder „Exxon Valdez“-Katastrophe von 1989 übertroffen werden könnte.Damals flossen im Prinz-William-Sund in Alaska 41,64 MillionenLiter Öl ins Meer. Im Golf von Mexiko könnte diese Größenordnung inetwa drei Monaten erreicht sein – so lange dürfte es nachSchätzungen dauern, bis ein zweites Bohrloch fertiggestellt ist, umden Druck vom bisherigen Bohrloch der zerstörten Ölplattform zunehmen.

Die „Deepwater Horizon“ explodierte am 20. April rund 64 Kilometervor der Küste. Dabei kamen vermutlich elf Arbeiter ums Leben. (AP)

 

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