Panorama Übergriffe an Odenwaldschule auch gegen Mädchen

Odenwaldschule in Südhesssen Foto: dpa

HEPPENHEIM - Von der Odenwaldschule werden neue schockierende Details bekannt. Ein früherer Schüler berichtete, zwei Lehrer sollen sich ein Mädchen als sexuelle Gespielin "geteilt" haben. Die Leiterin der Vorzeigeschule erklärte, eine Frau habe sich bei ihr gemeldet, außerdem weitere Altschüler.

 

Die Missbrauchsvorwürfe gegen ehemalige Lehrer der privaten Odenwaldschule werden immer drastischer: Bei Schulleiterin Margarita Kaufmann haben sich inzwischen noch mehr Betroffene gemeldet, darunter eine Frau. „Ihre Erfahrungen waren so schlimm, dass sie am Telefon weinte“, sagte Kaufmann. „Wir haben jetzt 24 Fälle, 23 Männer und eine Frau.“ Tatverdächtig sind drei Lehrer.

Bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag hat sich Kaufmann für die Missbrauchsfälle öffentlich entschuldigt. Sie sagte: „Das Leid können wir nicht mehr gut machen. Aber wir können sagen, wir sehen und wissen, dass es Leid war.“

Sie rief zugleich ehemalige Schüler der Jahre 1970 bis 1985 auf, sich wegen möglichen Missbrauchs zu melden. Die Schulleiterin wies den Vorwurf der „Verschleierung“ zurück, räumte jedoch ein, das Internat habe bei den Fällen nicht „aktiv“ recherchiert.

Vielleicht gibt es sogar noch mehr als das eine, eingeräumte, weibliche Opfer – der „Frankfurter Rundschau“ berichteten frühere Schüler von zwei Lehrern, die sich ein Mädchen als sexuelle Gespielin geteilt haben sollen. Mehrere Lehrer sollen ihre jugendlichen Geliebten später geheiratet haben.

An der Odenwaldschule in Südhessen ging es „sehr freizügig zu“, so ein Ex-Schüler. Der damalige Rektor habe ebenfalls nicht eingegriffen: „Da keine Krähe der anderen ein Auge aushackt, konnte dem niemand Einhalt gebieten.“

Der ehemalige Rektor selbst soll einschlägig bekannt gewesen sein, berichten ehemalige Schüler in einem Internetforum: „Dass seine Hände sich öfters unter die Decke verirrt haben, war nicht mal mehr ein offenes Geheimnis.“

Ein anderer Schüler schreibt, er musste im Alter von 12 Jahren auf einer Klassenfahrt bei einem „Sexpoker“ mitmachen. Vorgeschlagen hatte das Spiel ein Lehrer.

Die Taten sind strafrechtlich alle verjährt. Einige Altschüler wollen jetzt aber eine Verwaltungsklage anstrengen, um Versäumnisse der hessischen Landesregierung aufzuklären. Bereits 1999 waren Missbrauchsfälle bekannt geworden. Das hessische Kultusministerium soll zwar verfügt haben, die staatliche Zulassung der Schule zu prüfen und die Zusammenarbeit mit dem Schulleiter zu beenden. Dies ist aber nie geschehen. zo

 

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