Panorama Thriller in der Tiefe: BP will Ölstrom stoppen

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WASHINGTON - Hoffen und Bangen am Golf von Mexiko: Nach immer neuen Rückschlägen hofft BP, dass im Kampf gegen die Ölpest nun endlich der Durchbruch gelingt. Mit einem neuen Deckel über der sprudelnden Quelle im Golf von Mexiko und einem dritten Pump-Schiff wollen Techniker erreichen, dass kein weiteres Öl mehr ins Wasser strömt.

 

Bis Ende nächster Woche soll dieses kleine Wunder gelingen - wenn alles perfekt läuft, könnte es sogar schon früher funktionieren. Aber erst einmal liegt eine komplizierte Arbeit vor dem BP-Team. So wird zwischendurch wieder mehr Öl ins Wasser fließen als in letzter Zeit. Und wenn der neue Deckel nicht richtig sitzt, muss der alte wieder her. Es kommt einem Thriller unter Wasser gleich - mit ferngesteuerten Robotern als Akteuren.

Nach Schätzungen strömen derzeit täglich bis zu 8200 Tonnen Öl aus dem Leck am Meeresboden, gut 2000 Tonnen werden abgesaugt. Mit den Maßnahmen soll es möglich werden, sämtliches Öl aufzufangen - das erste Mal, seit die Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 22. April versank.

Admiral Thad Allen von der US-Küstenwache hatte am Freitag den BP- Plan gebilligt. Nach tagelanger rauer See spielt das Wetter wieder mit, und diese Gelegenheit müsse genutzt werden, befand der Ölpest- Sonderbeauftragte von Präsident Barack Obama. Auf sieben bis zehn Tage schätzt er die Dauer des Manövers.

Ab Sonntag soll ein neues Pumpschiff Öl aufsaugen

Bereits am Freitag war damit begonnen worden, das Schiff «Helix Producer» über eine Leitung mit dem «Blowout Preventer» zu verbinden, einem Ventilsystem über der sprudelnden Quelle. Ab Sonntag soll das Schiff Öl aufsaugen. Zu diesem Zeitpunkt, so der BP-Plan, soll ein über das Leck gestülpter Container von Robotern entfernt worden sein. Aus diesem Behälter war in den vergangenen Wochen ein Teil des austretenden Öls auf ein anderes Schiff, die «Discoverer Enterprise», gepumpt worden.

Dieser Behälter saß aber nur locker über einem aus dem «Blowout Preventer» ragenden Rohr. Viel Öl konnte daher ins Wasser entkommen. Der neue Deckel soll nun viel fester sitzen und Ventile haben, die geschlossen werden sollen - sozusagen ein Ventilsystem über dem bisherigen Ventilsystem.

BP peilt an, aus diesem neuen dichteren Container Öl über mehrere Leitungen auf Schiffe an die Oberfläche zu saugen. Dazu zapft der «Helix Producer» Öl von einer anderen Stelle des «Blowout Preventers» ab. Am Ende soll die gesamte Aufsaug-Kapazität über 12 000 Tonnen Öl pro Tag betragen - und damit deutlich höher liegen als die Menge Öl, die nach den schlimmsten Annahmen austritt.

Mit dem Abheben des alten Deckels wollte BP am Samstag beginnen - eine relativ leichte Aufgabe, weil der Behälter praktisch nur durch sein eigenes Gewicht an Ort und Stelle gehalten wurde. Der Container sollte dann in der Nähe auf den Meeresboden gesetzt werden, für den Fall, dass es mit dem neuen Deckel nicht klappt. Denn diesen auf den «Blowout Preventer» zu stülpen, ist die schwierigste Aufgabe. Erst einmal muss nämlich der Rohr-Stumpen mit seinen zackigen Enden entfernt werden, der aus dem Ventilsystem ragt. Dazu müssen Roboter sechs Schrauben herausdrehen - und das alles in 1500 Meter Meerestiefe.

Sorgfalt als oberstes Gebot - die Zeit drängt

Bei aller gebotenen Sorgfalt drängt die Zeit: Denn sobald der alte Deckel entfernt ist, kann Öl wieder ungebremst ins Wasser strömen. Umso wichtiger ist, dass das Schiff «Helix Producer» ab Sonntag einsatzbereit ist. Er soll nach und nach über seine Leitung so viel Öl aufsaugen wie zusätzlich austritt, bis der neue Behälter an Ort und Stelle ist.

Gelingt die Aktion, wäre das aber keine Dauerlösung. Deshalb arbeitet BP mit Hochdruck weiter an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch: Dadurch sollen dann bis Mitte August Schlamm und Zement zum Versiegeln der Quelle «geschossen» werden.

dpa

 

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