Panorama Skandal um Gentechnik in der Bio-Baumwolle

Betroffen ist offenbar auch H&M Foto: dpa

HAMBURG - In der Textilbranche bahnt sich ein Betrugsskandal um falsch ausgezeichnete Baumwolle an. Gewaltige Mengen aus Indien importierte Baumwolle, die als "bio" gekennzeichnet ist, entsprechen überhaupt nicht den Ökostandards, wie die indische Agrarbehörde zugibt. Große Modeketten sind betroffen.

 

Wo „bio“ drauf steht, soll auch „bio“ drin sein. Das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Bekleidung – in der Textilbranche wird mehr und mehr Ware aus ökologisch angebauter Baumwolle angeboten. Doch nun wird bekannt: Modeketten sind offenbar Anbietern von falsch deklariertem Rohstoff auf den Leim gegangen.

Erhebliche Mengen als „bio“ verkaufter Baumwolle aus Indien seien gentechnisch verändert worden, berichtete die „Financial Times Deutschland“. Das widerspreche den strengen Ökostandards, mit denen große Handelsketten bei entsprechenden Produkten werben. Betroffen sind dem Bericht zufolge Unternehmen wie H&M, C&A und Tchibo.

Es gehe um Betrügereien in „gigantischem Ausmaß“, sagte Sanjay Dave, Direktor der indischen Agrarbehörde Apeda, der „FTD“. Dutzende Dörfer hätten zusammen mit westlichen Zertifizierungsfirmen große Mengen gentechnisch veränderter Baumwolle in den Handel gebracht. Aus Indien kommt rund die Hälfte der gesamten Biobaumwolle.

H&M informiert, andere überrascht

Den Betrug haben den Angaben zufolge die indischen Behörden bereits im vergangenen April aufgedeckt. Doch im Westen ist der Fall der Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben. Wie Dave der „FTD“ weiter sagte, haben die indischen Behörden bereits gegen die Anbieter Ecocert aus Frankreich und Control Union aus den Niederlanden Geldstrafen in Höhe von umgerechnet mehreren zehntausend Euro verhängt.

Ecocert und Control Union sind Firmen, die Produkte zertifizieren, also mit Bio-Siegeln versehen. Sie sollen überprüfen, ob Produzenten die Ökostandards einhalten. Control Union arbeitet laut „FTD“ auch für H&M, C&A und Tchibo. Eine H&M-Sprecherin sagte, man sei über den Vorfall informiert und habe mit dem örtlichen Zertifizierer gesprochen, „damit sich ein solcher Fehler nicht wiederholt“.

Zudem räumte die Kette ein, dass man nicht ausschließen könne, dass etwas von dieser Baumwolle für H&M-Kleidungsstücke verwendet worden sein könnte. C&A und Tchibo zeigten sich überrascht. Dass Biobaumwolle aus Indien gentechnisch belastet sein könnte, habe man nicht gewusst, sagten Unternehmenssprecher übereinstimmend. Tchibo kündigte an, seine Ware im Labor testen zu lassen. (nz)

 

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