Panorama Skandal am Jesuiten-Kolleg: „Zölibat fördert Missbrauch“

BERLIN - Neue Details über den Missbrauchsskandal tauchen auf, die Empörung bricht nicht ab: Die streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann gibt der katholischen Sexualmoral die Schuld an den Übergriffen zwei Patres auf Schüler.

 

Seit Tagen sorgt der Missbrauchs-Skandal am Jesuiten-Kolleg in Berlin für verbreitete Empörung. Täglich werden neue Scheußlichkeiten der beiden ehemaligen Lehrer Wolfgang S. und Peter R. bekannt (AZ berichtete). Jetzt gibt eine prominente Theologin der Sexualmoral der Kirche indirekt die Schuld an solchen Übergriffen. Uta Ranke-Heinemann sagte in einem Interview: „Die Zwangsentsexualisierung von Priestern durch das völlig unnatürliche Zölibat wird weiterhin solche Vorfälle begünstigen.“

Dass bei derartigen Missbrauchsfällen häufig männliche Kinder und Jugendliche betroffen sind, führt sie auf die Unterdrückung der Frau in der katholischen Kirche zurück: „Die Vertreibung der Frau ist geglückt, die Entsexualisierung hingegen nicht. Das hat zur Folge, dass im Klerus überproportional Männer mit einer homosexuellen Neigung anzutreffen sind. Solange zwangsentsexualisierte, homosexuelle Priester mit Männern, Jugendlichen und Kindern in dunklem Beichtstuhlgewisper vereint sind, wird sich der Beichtstuhl immer mehr zur Kontaktbörse für Homosexuelle entwickeln und sollte darum für Kinder und Jugendliche verboten werden“, sagte Ranke-Heinemann.

Unterdessen sind neue Aussagen ehemaliger Opfer bekannt geworden, was ihnen in den 70er- und 80er-Jahren am Canisius-Kolleg widerfahren ist. Ein 45-Jähriger erzählt von Wolfgang S., der seine Taten inzwischen eingeräumt hat: „Er sagte zu mir, die Sache mit einem notwendigen Tadel sei erledigt, wenn er mir den Hintern versohlen dürfe. Ich sollte mir die Jeans ausziehen, mich über sein Bein legen. Dann zog er meinen Schlüpfer herunter. Zehn Schläge auf den nackten Po, fünf Mal hintereinander. Es hat richtig wehgetan.“

Ein anderer Ex-Schüler sagte aus: „Ich war 14, hatte eine Vorhautverengung und sollte operiert werden. Bei einem Einzelgespräch sollte ich mich auf den Schoß von Pater R. setzen und ihm mein Glied zeigen. Ich sagte Nein – an mehr erinnere ich mich nicht.“ Peter R. weist bisher alle Vorwürfe zurück.

 

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