Panorama Polizei nahm Anruf einer Odenwaldschülerin nicht ernst

Gebäude der Odenwaldschule Foto: dpa

HEPPENHEIM - Vor Jahren soll eine Schülerin der Odenwaldschule in Südhessen die Polizei angerufen und über sexuelle Missbrauchsfälle an ihrem Elite-Internat berichtet haben. Doch die Polizei wimmelte die Schülerin einem Bericht zufolge ab.

 

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim sind Vorwürfe gegen die dortige Polizei laut geworden. Die Heppenheimer Polizei soll vor Jahren eine Schülerin der renommierten Reformschule abgewimmelt haben, als diese angerufen und von sexuellen Übergriffen berichtet habe. Das schreibt das „Darmstädter Echo“.

Der Zeitung liegen demnach Hinweise darauf vor, dass die Beamten „handfeste Beweise“ verlangt hätten. Außerdem hätten sie das Mädchen darauf hingewiesen, dass es mit einer Gegenanzeige wegen falscher Anschuldigung zu rechnen habe. Das Polizeipräsidium Südhessen erklärte, die Polizei bemühe sich um Aufklärung der Vorwürfe und nehme diese ernst.

Allerdings sei aufgrund des Presseberichts unklar, wann sich der Vorfall ereignet haben soll, hieß es. Aus eigenen Unterlagen könne die Polizei den Vorfall derzeit nicht bestätigen. Die Aufbewahrungsfrist für Dienstbücher endet laut der heutigen Leiterin der Heppenheimer Polizei nach fünf Jahren. Sie zeigte sich der Zeitung zufolge erschüttert von den Vorwürfen.

Wegen der Missbrauchsvorwürfe will der Vorstand der Odenwaldschule geschlossen zurücktreten. „Im Lichte der in diesen Tagen bekannt gewordenen Fälle von Kindesmissbrauch und aufgrund der zögerlichen Aufarbeitung“ sei eine vorzeitige Neuwahl des Vorstandes zwingend, sagte das Mitglied des Führungsgremiums, Friedrich Springorum, am Dienstagabend im HR-Fernsehen. (apn/dpa)

 

0 Kommentare