Panorama Mobbing: 15-Jährige in den Tod getrieben

Im Haus hinter diesem Zaun erhängte sich Phoebe Foto: AP

WASHINGTON - Drohungen, Schläge, Beschimpfungen: Gleichaltrige machten der 15-jährigen Phoebe das Leben zur Hölle. Dann hielt das Mädchen die Quälereien nicht mehr aus - sie erhängte sich mit einem Schal.

 

Drei Monate lang wurde sie von Mitschülern schikaniert und gepeinigt, dann konnte sie es nicht mehr aushalten. Die 15-jährige Phoebe Prince erhängte sich mit einem Schal, den ihr ihre kleine Schwester zu Weihnachten geschenkt hatte. Jetzt soll neun Teenagern, die Phoebe das Leben zur Hölle gemacht haben, der Prozess gemacht werden.

Die Prince-Familie war im vergangenen Oktober von Irland nach South Hadley in Massachusetts umgezogen. Phoebe, hübsch und lebhaft, besuchte dort eine High School und zog die Aufmerksamkeit eines 17-jährigen Jungen auf sich, beliebt, gut aussehend und gut im Sport. Die beiden begannen eine Beziehung, aber nach kurzer Zeit trennte sich der Junge wegen eines anderen Mädchens von Phoebe, und dieses Mädchen – so die Anklageschrift – begann mit einer Gruppe von Freundinnen, Phoebe systematisch zu quälen.

Die Gang, das schildern US-Zeitungen, lauerte ihr auf, auf den Schulkorridoren, in der Bibliothek, in der Schul-Cafeteria, auf dem Nachhause-Weg. „Irische Hure“, „Schlampe“ wurde ihr nachgerufen oder im Vorbeigehen zugeflüstert, sie wurde geschubst und mit Gegenständen beworfen, man schlug ihr Schulbücher aus der Hand und schickte ihr SMS-Botschaften mit Drohungen. So war es auch am letzten Tag ihres Lebens, am 14. Januar. Mitschüler gaben später bei der Polizei an, dass Phoebe am Morgen weinend die Krankenstation der South Hadley High aufsuchte, später auf dem Schulflur malträtiert und dann auf dem Nachhauseweg mit einer Büchse beworfen wurde. Zwei Mal zuvor, so schildert ein Freund der Prince-Familie, habe sich Phoebes Mutter hilfesuchend an die Schule gewandt und die Angst geäußert, dass ihrer Tochter etwas zustoßen könne. Aber in beiden Fällen sei ihr gesagt worden, es gebe keinen Grund zur Sorge.

Jetzt wird Phoebes Tod vor Gericht verhandelt. Es ist das erste Mal in den USA, dass die Staatsanwaltschaft in einem Fall von „Bullying“ derart hart vorgeht. So nennt man das Drangsalieren von Kindern oder Jugendlichen zumeist durch Gleichaltrige. Besonders skandalös bewerteten Medien in Phoebes Fall, dass mehrere Lehrer wussen, was vor sich ging. Aber niemand schritt ein. Gabriele Chwallek

 

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