Panorama Mario Barth patentiert Spruch: „Nichts reimt sich auf Uschi“

Moderator Dietmar Wischmeyer als Günther der Treckerfahrer trägt bei einem Auftritt 1991 ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nichts reimt sich auf Uschi". Foto: Montage AZ dpa/dpa

BERLIN/KÖLN - Der Comedian Mario Barth beansprucht die Markenrechte an dem Spruch„Nichts reimt sich auf Uschi“. Wer's nicht akzeptiert, riskiert eineAbmahnung. Nur: Der Witz ist alt.

 

„Kein Witz...“ pflegt Mario Barth seine Witzeeinzuleiten, und „Kein Witz...“ könnte auch die Überschrift zu seinerneuen Geschäftsidee lauten. Der Meister der nicht ganz soraffinierten Pointe hat den Spruch „Nichts reimt sich auf Uschi“ beimMarken- und Patentamt angemeldet und lässt nun abmahnen. MehrereZeitungen, darunter die „Neue Westfälische“ in Bielefeld, erzähltenbereits die komische Geschichte.

Ein T-Shirt-Hersteller hat von der Jonas-Rechtsanwaltsgesellschaftin Köln eine solche Abmahnung erhalten. Die Argumentation lautet: NurMario Barth hat das Recht, den Spruch auf T-Shirts zu drucken, da erihn erst so richtig bekanntgemacht habe. Als Abmahnkosten für dasAnwaltsbüro soll der T-Shirt-Hersteller 1780,20 Euro bezahlen.

Ist das eine neue Stufe der Comedy-Kommerzialisierung? Jedermonopolisiert seine besten Sprüche – oder was er dafür hält. EineNachfrage beim Patentamt ergibt: „Ja, es ist eingetragen worden, undes ist, denke ich, auch vertretbar, das einzutragen.“ So dieEinschätzung des Regierungsdirektors Jörg-Eckhard Dördelmann,juristischer Prüfer beim Deutschen Marken- und Patentamt in München.

Barth hat sich den Spruch in Verbindung mit bestimmten Produktenschützen lassen, darunter „Juwelierwaren, Schmuckwaren, Edelsteine,Porzellan und Steingut, Kämme und Schwämme, Sparbüchsen (nicht ausMetall), Bettwäsche, Handtücher, T-Shirts, Schuhwaren,Kopfbedeckungen, Fußmatten...“ Der Spruch hat offenbar noch großes,um nicht zu sagen größtes Geschäftspotenzial.

Ob Barth mit der Anmeldung nun wirklich auch das exklusiveNutzungsrecht erworben hat, kann Dördelmann nicht beurteilen: „Wiedas Schicksal der Marke in Zukunft aussehen wird, das lässt sichheute noch nicht vorhersagen.“

Für den Anwalt des T-Shirt-Verkäufers, Dennis Breuer, ist dasVorgehen „rechtlich äußerst fragwürdig“ und vom gesundenMenschenverstand her sowieso abwegig: „So'n Spruch wird nicht alsMarke wahrgenommen.“ Er will sich jedenfalls zur Wehr setzen.

In der Kölner Anwaltskanzlei von Barth gibt man sich zugeknöpft.Anwalt Torben Düsing verweist auf Barths Sprecher Heiko Neumann: „Derwird Ihnen möglicherweise mehr sagen, weil ich nicht weiß, was ichsagen darf.“ Neumann sagt aber auch nichts: „Ich kann dazu nur sagen,dass in dem Fall die Anwälte miteinander reden. Mehr kann ich nichtsagen.“

Ein Wörtchen mitzureden hat möglicherweise noch das„Frühstyxradio“ von Radio ffn, das bereits vor 20 Jahren T-Shirts mitder jetzt umkämpften Aufschrift anbot. Oliver Kalkofe und DietmarWischmeyer gingen Anfang der 90er Jahre sogar unter diesem Motto aufTournee.

Dass der 38-jährige Barth den Spruch nun als Marke reklamiert,kommentiert Kalkofe so: „Wenn man es schon schafft, erfolgreich einenalten Witz zu klauen, muss man ihn auch mit allen Mitteln desGesetzes verteidigen, dafür habe ich volles Verständnis.“ Und: „Wirhaben noch kistenweise alte Kalauer, die wir bedürftigen Komikerngern für ihre Vermarktung zur Verfügung stellen.“

Von Christoph Driessen und Gregor Tholl, dpa

 

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