Panorama Loveparade: Die Opfer erstickten

Erdrückt in der Menschenmenge wurden die 20 Opfer von Duisburg. Foto: dpa

DUISBURG - Es ist nun grausame Gewissheit: Die 20 Todesopfer der Loveparade erstickten infolge von Quetschungen. Das gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Schwere Vorwürfe gibt es gegen Rainer Schaller, den Veranstalter der Techno-Party.

 

Alle 20 Todesopfer der Loveparade sind durchBrustquetschungen ums Leben gekommen. Sie seien erstickt,berichtete die Duisburger Staatsanwaltschaft am Dienstagabend überdie Obduktionsergebnisse. „Anhaltspunkte für Stürze aus großer Höheals Todesursache haben sich nicht finden lassen“, teilte die Behördemit.

Zuvor hatte bereits die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), gesagt, dass die tödlichenVerletzungen ausschließlich auf das Gedränge zurückzuführen seien.Drei Tage nach der Katastrophe wurden die Leichen zur Bestattungfreigegeben.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) will am heutigen Mittwoch überweitere Ermittlungsdetails berichten. Der „Süddeutschen Zeitung“(Mittwoch) zufolge wird er einen vorläufigen Bericht vorlegen, derdie Lopavent GmbH um Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller schwerbelasten soll. Wie die „SZ“ berichtet, soll sich Lopavent mehrfachüber Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. Die Firma habe völligfalsch berechnet, wie sich die Besucherströme auf dem Geländeverteilen.

Bei der Massenpanik am Rande der größten Techno-Party der Weltwaren am Samstag in Duisburg 20 Menschen ums Leben gekommen. Es gabmehr als 500 Verletzte.

Auch auf Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wächstweiterhin der Druck. Der CDU-Politiker will einem Zeitungsberichtzufolge nicht an der geplanten Trauerfeier teilnehmen. Sauerlandwolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seinerAnwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der DuisburgerStadtverwaltung der „Rheinischen Post“ (Mittwoch).

Die Zeitung zitierte zudem Polizeikreise, dass auchSicherheitsbedenken zu der Entscheidung geführt hätten. Es seienMorddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden. DieStadtverwaltung war am Dienstagabend nicht für eine Bestätigungerreichbar. Sauerland steht seit dem Unglück im Zentrum heftigerKritik.

Unterdessen werden die Rufe nach Konsequenzen für künftigeGroßveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neuebundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen.Ministerpräsidentin Kraft kündigte am Dienstag nach einerKabinettssitzung in Düsseldorf an, sie wolle sich bundesweit füreinen besseren Umgang mit Großveranstaltungen einsetzen. Städte – vorallem solche, die damit wenig Erfahrung haben – dürften nichtalleingelassen werden. Einen Vorstoß werde NRW in derInnenministerkonferenz unternehmen.

Auch die Innenexperten von SPD und CDU, Dieter Wiefelspütz undWolfgang Bosbach, verlangten Mitspracherechte für übergeordneteBehörden. Entsprechend äußerten sie sich im „Kölner Stadt-Anzeiger“beziehungsweise in der „Rheinischen Post“ (Mittwoch).

Mit Blick auf die gegenseitigen Schuldzuweisungen wies die PolizeiVorwürfe zurück, wonach sie die Massenpanik am Zugangstunnel desGeländes ausgelöst hat. Loveparade-Veranstalter Schaller hatte imGespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt, zur Katastrophehabe eine „verhängnisvolle Anweisung“ der Polizei geführt, dieSchleusen vor dem Tunnelzugang auf dem Gelände zu öffnen. In der„Bild“-Zeitung (Mittwoch) verteidigte Schaller dasSicherheitskonzept. „Alle Auflage, die wir bisher geprüft haben,haben wir zu 100 Prozent erfüllt.“ (dpa)

 

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