Panorama Lebensmittel von Amazon: Einkaufen à la Loriot

Großer Auftritt für einen kleinen Becher Senf: Die 200-Milliliter-Packung kostet bei Amazon 36 Cent und wird in einem überdimensioniertem Karton geliefert. Foto: AZ

Geschmolzenes Eis, geplatzte Würstchen, überdimensionale Verpackungen: Test.de hat beim Onlinewarenhaus Amazon Lebensmittel eingekauft – mit wenig befriedigendem Ergebnis

 

BERLIN In diesem Karton hätte locker ein Paar Schuhe, Größe 46, Platz. Weit gefehlt! Die Ware, die der Postbote tatsächlich bringt, wiegt ein bisschen mehr als 200 Gramm: Ein Becher Senf – bestellt beim Onlinehändler Amazon, der seit Juli Lebensmittel verkauft.

Test.de hat eine ganze Reihe Lebensmittel dort bestellt und berichtet über Lieferungen der ungewöhnlichen Art. Erste Schwierigkeiten traten bei der Produktauswahl auf: Zwar listet Amazon 50000 Produkte, doch es scheint nicht leicht, sich zurechtzufinden. Insgesamt hält der Online-Einkauf einige Tücken bereit, die sich beim Gang zum Lebensmittelhändler leicht erübrigen. 

Die Auswahl ist „lückenhaft und teilweise extravagant“, urteilt test.de. Statt bekannter Mineralwassermarken können Kunden eine 0,7-Flasche tasmanisches Regenwasser bestellen. Der Preis: 7,90 Euro.

In zahlreichen Fällen, vor allem bei Frischeprodukten, vermittelt Amazon Lieferungen von anderen Online-Händlern. Selbst hat Amazon Großpackungen mit haltbarem Essen und Getränken im Angebot. So erlebt der Käufer Situationen, die an Loriots „Pappa ante portas“ erinnern. Darin feilscht Heinrich Lohse in einer Szene um den Preis für ein Glas Senf – und verlässt schließlich den Laden mit einer ganzen Palette. Ob er bei Amazon zugeschlagen hätte, ist allerdings fraglich: Das 12er-Pack Senf ist laut test.de „hochgerechnet nicht viel günstiger als im Supermarkt um die Ecke“.

Die Frage, wie sehr sich der Online-Einkauf lohnt, dürften sich Kunden spätestens beim abschließenden Bezahlen stellen. Nachdem die Tester den Warenkorb mit Produkten für insgesamt 20 Euro gefüllt hatten, blinkten die Versandkosten auf: 25 Euro. Diese kamen zustande, weil weder frische Ravioli, noch Serranoschinken noch Cherrytomaten von Amazon selbst stammten, sondern von Partnern. Ein reiner Amazon-Korb wäre stattdessen ab einem Bestellwert von 20 Euro versandkostenfrei ins Haus geliefert worden.

Für echtes Kopfschütteln dürfte bei den Testern der Versand gesorgt haben: Zunächst kamen die 20 bestellten Produkte mit 15 verschiedenen Lieferungen – teilweise überdimensional verpackt. Die Produktqualität unterschied sich stark: Während Bierflaschen dank guter Verpackung heil ankamen, zerfloss in einem anderen Paket das Eis. Die „frischen Bratwürste“ waren bei Lieferung 15 Grad warm und zerplatzten schließlich unappetitlich auf dem Grill. Fazit: test.de empfiehlt einen Amazon-Einkauf bei „großen Mengen nicht verderblichen Waren oder Delikatessen und speziellen Lebensmitteln, die vor Ort schwer erhältlich sind“.va

 

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