Panorama „Ich hätte Cora nicht operiert“

Die Fans trauerten um Carolin Wosnitza alias "Sexy Cora" Foto: dpa

Deutschlands oberster Schönheitschirurg über den Tod des Pornostars und warum die folgenschwere OP nie hätte stattfinden dürfen.

 

HAMBURG Es war ihre sechste Brust-Operation. Von Größe F auf G wollte sich die Erotikdarstellerin Carolin Wosnitza alias „Sexy Cora“ ihren Busen vergrößern lassen. Und bezahlte dafür mit dem Leben. Am Donnerstag ist die 23-Jährige, die während der Operation in einer Hamburger Privatklinik einen Herzstillstand erlitt, gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Anästhesistin Marion F. und den behandelnden Chirurg Martin K. wegen fahrlässiger Tötung.

Der Chirurg gibt an, dass bei den Voruntersuchungen alles normal gewesen sei. Er könne sich den Vorfall nicht erklären. Was also ist passiert? Ärztepfusch oder Gerätefehler: die Staatsanwaltschaft ermittelt in alle Richtungen.

Sicher ist bisher nur, dass die einstige „Big Brother“-Kandidatin Cora mit ihrem Wunsch nach einer noch größeren Silikon-Brust zuvor bei mehreren Ärzten abgeblitzt war. „Auch ich hätte sie auf keinen Fall operiert“, sagt Peter Vogt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der AZ.

„Einer solch zierlichen Frau, die nur 1,57 Meter misst, 800-Milliliter-Implantate einzusetzen, ist verantwortungslos“

Gründe hätte es genug gegeben, die Operation abzulehnen, sagt Vogt. Allein die Anzahl der bisherigen Brust-OPs spreche dagegen. Hier ein gutes Ergebnis zu erzielen, sei allein wegen den operationsbedingten Narbenbildungen in Haut und Gewebe kaum mehr möglich.

Dann die Größenfrage. „Einer solch zierlichen Frau, die nur 1,57 Meter misst, 800-Milliliter-Implantate einzusetzen, ist verantwortungslos“, so Vogt. „Das passt schon allein von der Statik nicht. Für den Patienten besteht bei einem solchen Missverhältnis nicht nur die Gefahr von starken Rückenschmerzen, sondern auch von Schädigungen der Wirbelsäule.“

Chirurg Martin K. hat dies offenbar anders gesehen. Ein Blick auf seine Homepage erklärt zumindest teilweise, warum. Der Arzt bewirbt sich selbst als Experte für Übergröße-Eingriffe mit Implantaten. Brustvergrößerungen „mit einem Volumen von mehr als z.B. 600 ml stehen auf dem OP-Plan“ heißt es da.

„Er hat offenbar versucht, hier eine Nische zu besetzen“, sagt Vogt, der „diese Art der Information für wenig hilfreich“ hält. Aus gutem Grund. Kann jemand, der so wirbt, noch kritisch beraten, so wie es das Gesetz verlangt?

Bis zu 60000 Brustvergrößerungen werden jedes Jahr in Deutschland durchgeführt. Es ist die beliebteste Schönheits-OP der Deutschen. „Für viele“, sagt Vogt, „ist diese Operation ein Segen, etwa für Mütter, deren Brüste nach der Schwangerschaft gänzlich erschlafft sind.“ Wichtig aber sei die Verhältnismäßigkeit von Leidensdruck und Risiko. Denn: „Ungefährliche Operationen gibt es nicht.“

Anfang nächster Woche wird Coras Leiche auf Antrag der Staatsanwaltschaft obduziert. Bei Verurteilung droht Anästhesistin Marion F. und Schönheitschirurg Martin K. eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Im Internet, auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite trauern die Fans um den Pornostar. „Warum“, fragt Domenique“, musstest du so jung sterben?“

Beatrice Oßberger

 

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