Panorama Feriencamp: Jugendliche sollen Kinder sexuell belästigt haben

Hier sollen die Kinder von den Jugendlichen missbraucht worden sein Foto: dpa

OSNABRÜCK - Auf der Insel Ameland wurden mehrere 13-jährige Buben aus Osnabrück von Jugendlichen schwer sexuell misshandelt. Betreuer wussten offenbar Bescheid – und griffen nicht ein.

 

Unbeschwerte Sommerferien mit viel Spaß am Meer sollten die Kinder auf der niederländischen Insel Ameland verbringen. Doch der Urlaub wurde zum Albtraum. In der Sommerfreizeit kam es zu schweren sexuellen Übergriffen gegen 13-Jährige Buben, wie die Polizei nach einem Bericht der „Osnabrücker Zeitung“ bestätigt. Offenbar wussten Betreuer von der Vorfällen – und schritten nicht ein.

Die Freizeit fand von 25. Juni bis 8. Juli statt und wurde vom Stadtsportbund Osnabrück organisiert. Sechs 13-Jährige wurden laut Staatsanwaltschaft von einer Gruppe Jugendlicher in die Mitte des Schlafsaals getrieben und mit Gegenständen – Colaflaschen, Kehrschaufel, Stiele und Besen – aufs übelste misshandelt. An den brutalen Demütigungen oder Vergewaltigungen haben sich neben Älteren Jugendlichen auch zwei 13-Jährige beteiligt, die selbst Opfer geworden seien, berichtete Oberststaatsanwalt Alexander Retemeyer.

Es passierte an mehreren Abenden. Weitere Misshandlungsversuche seien nur daran gescheitert, dass sich die Opfer „verzweifelt an ihren Betten festgekrallt haben, über Feuerleitern geflüchtet sind oder erheblichen Widerstand geleistet haben“, sagt der Leiter des Osnabrücker Jugendschutz-Kommissariats Berndt Klose. Zurzeit wird gegen elf Jugendliche ermittelt, fünf davon gelten für die Polizei als „treibende Kraft“.

Die Polizei prüft auch unterlassene Hilfeleistung: Wie der Leiter der Freizeit, Dieter Neuhaus, bestätigt, haben sich Opfer an das Personal gewandt. Offenbar seien die Betreuer „total überfordert“ gewesen. Er selbst, sagt Neuhaus, habe erst nach dem Ende der Reise von den Vorfällen erfahren. Der 65-Jährige, der die Freizeit seit Jahren organisiert, ist von seinem Ehrenamt zurückgetreten und will bei den Ermittlungen helfen. Ans Licht kamen die Gewalttaten erst nach der Rückkehr der Schüler. Eine Mutter wandte sich am 9. Juli an die Polizei.

„Ich bin absolut fassungslos“, sagt der Vorsitzende des Sportbundes, Wolfgang Wellmann. Die Betreuer hätten alle eine fachbezogenen Ausbildung. 60 Personen kümmern sich dort um 170 Kinder zwischen acht und 16 Jahren.

Offenbar hatte auch die niederländische Polizei von Vorfällen gehört. Allerdings seien das nur „unklare Gerüchte über mögliche derartige Vorfälle“ gewesen, wie Polizeisprecher Wouter de Fries sagt. Zwei Beamte seien den Gerüchten nachgegangen – offenbar ohne Ergebnis. „Es ist jedenfalls dazu keine Eintrag in unserem System erfolgt.“ Die Beamten könnten allerdings vorerst nicht befragt werden, weil sie im Urlaub seien.

Die Opfer und ihre Eltern werden zurzeit von psychologisch geschulten Beamten des Jugendschutzkommissariats befragt. Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann hält es für wahrscheinlich, dass die Täter einen Anführer hatten. „Einer der besonders zynisch, hart und kalt ist und Angst und Schrecken verbreitet.“ Gleichaltrige würden dann oftmals zu Mitläufern, um nicht selbst die Verlierer zu sein. „Dieses Gruppengeschehen kann sich dann mit sexueller Energie verbinden, die eine hohe sadistische Qualität hat.“ ta

 

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