Panorama Die Piloten streiken: Leere statt Chaos

Sie streiken: Die Lufthansa-Piloten Foto: dpa

Die Aufregung war groß, doch jetzt blieb das erwartete Chaos an den Flughäfen aus. Nur wenige Passagiere warten. Die Lufthansa findet den Streik rechtswidrig und will ihn jetzt per Gerichtsbeschluss stoppen.

 

Montag um 8.00 Uhr morgens am Münchner Flughafen: Um diese Zeit ist eigentlich hier „Rush Hour“ der Geschäftsreisenden, doch heute ist es am Terminal 2 leer. Vor dem Terminal, wo die Autos sonst in Zweierreihen auf eine Parklücke warten, steht nur eine Handvoll Fahrzeuge. Die Lufthansa-Piloten streiken – und niemand geht hin.

Das große Chaos ist ausgeblieben. Viele Passagiere sind erst gar nicht zum Flughafen gekommen, sondern haben sich rechtzeitig um Alternativen gekümmert. Dabei war besonders in München mit Problemen gerechnet worden, weil dort 40 bis 50 Prozent alle Lufthansa-Flüge abgehen.

Die Passagiere waren offenbar gut informiert. Am „Schalter für stornierte innerdeutsche Flüge“ ist wenig los. „Nur die Hotline ist ein Witz“, sagt Passagier Albert Schlecht. Sechsmal hat der 29-Jährige am Freitag die Telefonauskunft angerufen, nie sei er durchgekommen. Mit zwei Kollegen sitzt Schlecht auf gepackten Koffern. „Wir konnten nicht einchecken, weil die noch nicht wissen, ob die Crew kommt“, erklärt er.

Für die Forderungen der Piloten nach mehr Mitspracherechten auch bei Auslandsaktivitäten hat Schlecht „nur sehr bedingt“ Verständnis. „Die erhalten vielleicht Arbeitsplätze hier, killen aber Arbeitsplätze bei kleinen Fluggesellschaften wie Air Dolomiti“, meint er.

Einige Maschinen mussten am Montag kurzfristig gestrichen werden. Weitgehend lief der Streik aber nach dem vorgegeben Plan. Auch an Deutschland größtem Flughafen in Frankfurt am Main war alles „ruhig und geordnet“, wie ein Sprecher sagte.

Viele haben auf die Bahn umgesattelt. Die Bahn hatte dafür auf verschiedenen Strecken Zusatzzüge und extra Waggons eingesetzt. Die Züge waren zwar voll, doch die Probleme hielten sich in Grenzen.

Die Lufthansa will jetzt den Streik per Gericht stoppen. Beim Arbeitsgericht Frankfurt hat der Vorstand eine einstweilige Verfügung gegen die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) beantragt. Der Streik sei „unverhältnismäßig“ und daher rechtswidrig. Die Piloten sehen das gelassen. „Wir haben Gutachten, die unsere Position stützen, dass der Streik verhältnismäßig ist“, sagt Cockpit-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi. Bis Redaktionsschluss hat das Gericht noch keine Entscheidung gefällt.

Den Zwillingen Lutz und Robert Binder, die am Münchner Flughafen warten, hat der Streik die Laune so richtig verhagelt – allerdings anders, als vermutet: Ihr Flieger fliegt. „Wir haben extra für heute gebucht. Aber es hat nichts geholfen, unser Flug wurde nicht annulliert.“ Für die Brüder heißt es damit: zurück ins Internat auf die Isle of Man statt verlängerte Faschingsferien in der Heimat. ta

 

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