Panorama Das Osterwunder von Osttirol

Pforzheimer Bürgermeister Alexander Uhlig gehört zu den Geretteten Foto: dpa

MITTERSILL/PFORZHEIM - Nach drei Tagen wurden sie entdeckt: Bei Sturm und Schneefall überlebten der Pforzheimer Bürgermeister und seine drei Begleiter in einer Schneehöhle.

 

Für Simone Uhlig war Ostern die Hölle. Drei Tage hat sie um das Leben ihres Mannes Alexander (45) gebangt, seit Samstag gab es kein Lebenszeichen. Zusammen mit drei Spezln war der Familienvater und Pforzheimer Bürgermeister zum 3662 Meter hohen Großvenediger in den Hohen Tauern aufgebrochen. Wegen Lawinengefahr und Sturm musste die Suche nach den Männer immer wieder abgebrochen werden. Mit jeder Stunde sank die Hoffnung. Gestern dann kam für Simone Uhlig und ihre beiden Kinder die erlösende Nachricht: Um 6.15 Uhr wurden ihr vermisster Mann Alexander und seine drei Begleiter von Polizisten entdeckt. Sie sahen die Männer vom Hubschrauber aus auf einem Plateau unterhalb des Gipfels. Sie winkten mit ihren Lawinenschaufeln und leuchteten mit ihren Stirnlampen. Drei Tage lang hatten sie bei eisigem Wind ausgeharrt. „Es ist sicher nicht alltäglich, dass die Männer das überlebt haben“, sagte der Landesleiter der Bergrettung Tirol.

An der Rettungsstelle, etwa 3500 Meter hoch und fernab jedes Weges, hatten sich die Bergwanderer ein Not-Biwakquartier errichtet, nachdem sie beim Abstieg vom Großvenediger am Samstagmittag von heftigem Nebel überrascht wurden.

60 Stunden harrten die vier Bergsteiger in der Kälte aus.

„Vermutlich kamen die Männer bei der schlechten Sicht vom Weg ab“, sagte Andreas Schlick von der Alpinen Polizei in Zell am See. Denn eigentlich wollten die vier Männer auf der nördlichen Seite des Großvenedigers absteigen. „Das Gebiet unter der Venediger Scharte, wo sie ihr Biwakquartier aufschlugen, liegt weiter südlich“, erklärt Schlick.

Dass die Bergsteiger in ihrer Mulde und nur von Biwak-Schlafsäcken gewärmt rund 60 Stunden lang ausharrten und laut Polizei danach nur „leicht unterkühlt“ waren, klingt wie ein Wunder. Neben eisigen Temperaturen machte den Vermissten vor allem starker Schneefall zu schaffen. Bis zu 100 Stundenkilometer schnell fegte am Montag auf 3500 Metern Höhe der Wind. Und dennoch waren die vier Bergsteiger laut Polizei nur „leicht unterkühlt.“ Laut einem Notarzt erlitten die Wandere sie Erfrierungen an den Zehen. In den Biwakschlafsäcken, die sie dabei hatten, kann die Temperatur bis zu null Grad gehalten werden – auch wenn es draußen kälter ist. „Bei Touren wie diesen nehmen Profis außerdem genügend Essen mit“, erklärte Alpenvereins-Chef Rolf Constantin in Pforzheim. Auch Alexander Uhlig war dort Mitglied, und zweiter Vorsitzender.

Michael Larcher vom Österreichischen Alpenverein lobt die "mentale Leistung" der Überlebenden

Die Retter sind voll des Lobes für die Wanderer, die „alles goldrichtig gemacht“ haben. „Die eigentliche Leistung ist die mentale Leistung“, sagte Michael Larcher vom Österreichischen Alpenverein. Es sei eine „sehr reife Entscheidung“, eine Schneehöhle zu errichten und eine Wetterbesserung abzuwarten.

Nach einer Erstversorgung im Alpengasthof „Matreier Tauernhaus“, wohin die Geborgenen mit dem Hubschrauber geflogen wurden, kamen Uhlig, ein Begleiter aus Tiefenbronn im Enzkreis, einer aus dem Allgäu und einer aus Neuburg an der Donau, ins Krankenhaus nach Lienz.

Schon am Freitag waren die Kameraden zur ersten Hütte gewandert. Nach der Übernachtung gingen vier von ihnen am Samstag weiter bis zum Gipfel. Ein Freund blieb zurück – aus weiser Vorsicht: Er hatte sich nicht fit gefühlt. Und er war es auch, der seine Freunde als vermisst meldete, nachdem sie nicht zur Hütte zurückgekehrt waren.

Anne Hund

 

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