Panorama Cholera-Epidemie in Haiti breitet sich aus – Fast 200 Tote

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Saint-Marc/Köln - Haiti sind bislang fast 200 Menschendurch die Cholera ums Leben gekommen. Das Gesundheitsministerium derInsel habe bestätigt, dass es 194 Todesfälle gab und über 2.200Menschen infiziert seien, teilte eine Sprecherin desUN-Koordinationsbüros für humanitäre Hilfe am Freitag mit.

 

Hilfsorganisationen bemühen sich derweil, Ärzte und Medikamente indie betroffenen Gebiete zu bringen. Die Epidemie breitet sich offenbar aus. Inzwischen wurden dieersten zwei Fälle außerhalb der ländlichen Provinz Artibonitefestgestellt. Nun machen sie die Behörden Sorgen, dass die Krankheitdie Flüchtlingslager in der Hauptstadt Port-au-Prince erreichenkönnte, in denen Hunderttausende Überlebende des schweren Erdbebensim Januar leben.

"Es wird sehr, sehr gefährlich werden", sagte Claude Surena,Präsident der haitianischen Medizinischen Gesellschaft. "InPort-au-Prince leben bereits über 2,4 Millionen Menschen unterUmständen, die jetzt schon gefährlich genug sind."

Die Infektionen traten bislang vor allem in der ländlichenProvinz Artibonite auf. Nach dem schweren Erdbeben im Januar warenTausende in die Region im Nordwesten der Insel geflohen. Expertenhatten bereits in der Vergangenheit davor gewarnt, dass in denFlüchtlingslagern Krankheiten ausbrechen könnten. "Wir haben dasseit dem Erdbeben befürchtet", sagte der Präsident derHilfsorganisation Food for the Poor, Robin Mahfood. Über eineMillion Menschen sind bei der Naturkatastrophe obdachlos geworden,viele haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Cholera ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die meist durchverunreinigtes Trinkwasser übertragen wird. Sie verursacht Durchfallund Erbrechen, was zu Dehydrierung und innerhalb von Stunden zum Todführen kann.

In der Hafenstadt Saint-Marc wurden Hunderte wegen Durchfall undErbrechen im Krankenhaus behandelt, viele von ihnen liegen aufDecken auf einem Parkplatz vor der überfüllten Klinik und erhaltenInfusionen wegen Austrocknung. Hilfsorganisationen brachten amFreitag Medikamente und Infusionen in die Region. Ärzte in demKrankenhaus sagten, sie benötigten mehr Personal, um alle Krankenbehandeln zu können.

Die Hilfsorganisation CARE Deutschland teilte mit, Mitarbeiterbereiteten eine Hygienekampagne für die Einwohner von Artibonitevor. Es seien zudem Wasserreinigungstabletten und Hygieneartikelbestellt worden. Sollte die Seuche die Hauptstadt Port-au-Princeerreichen, "dann wird die Folge fürchterlich sein," sagte VirginiaUbik von der CARE-Länderdirektion in Haiti laut Pressemitteilung derOrganisation. "Die Menschen leben hier so nah beieinander, dass sichdie Cholera sehr schnell ausbreiten kann." ma.

Dutzende Verwandte von Cholera-Patienten warteten vor demKrankenhaus in Saint-Marc, darunter Elyneth Tranckil. "Polizistenhaben den Eingang zum Krankenhaus blockiert, daher komme ich nichtherein, um meine Frau zu sehen", sagte er.

Nach dem Ausbruch der Cholera in Haiti bringt das KinderhilfswerkUNICEF Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete südlich der StadtGonaives. Unter anderem seien Durchfallmedikamente für 10.000Patienten sowie Seife, Wasserreinigungstabletten und fünf großeZelte unterwegs, in denen provisorische Gesundheitszentren errichtetwerden sollen, teilte die Hilfsorganisation am Samstag in Köln mit.Weitere Maßnahmen würden in Abstimmung mit dem haitianischenGesundheitsministerium, der Weltgesundheitsorganisation und anderenHilfsorganisationen vorbereitet.

In der Region um Gonaives leben den Angaben zufolge rund 150.000Menschen. Für Kinder ist die Cholera laut UNICEF besondersgefährlich. Sie könnten sehr schnell durch die innere Austrocknungdes Körpers bei schwerem Durchfall sterben, sagte der Leiter derUNICEF-Gesundheitsprogramme in Haiti, Jean-Claude Mubala.

dapd

 

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