Panorama "Audrey-Hepburn-Marke": Das Briefmarkenmärchen

Neun Jahre wurde um die Hepburn-Marke gestritten. Foto: AP

Nach einem Rechtsstreit stampfte die Post 14 Millionen Briefmarken mit der rauchenden Audrey Hepburn ein. Jetzt kommt ein Bogen für hunderttausende Euro unter den Hammer.

 

BERLIN Amerikaner lieben Happy Ends. Da ist Sean Ferrrer keine Ausnahme. Kein Wunder also, dass der älteste Sohn der verstorbenen Hollywooddiva Audrey Hepburn derzeit bester Laune ist. An diesem Wochenende führt Ferrer einen jahrelangen Streit um einst verboten gedruckte Briefmarken mit dem Konterfei seiner Mutter zu einem glücklichen Ende. Eine Auktion in Berlin soll mehrere hunderttausend Euro für Kinderhilfsprojekte bringen.

Vor neun Jahren fing alles an. Mit einem kleinen Stück Papier, keine zwei Gramm schwer, auf dem Audrey Hepburn mit einer Zigarettenspitze zu sehen ist. Damals ließ die Deutsche Post 14 Millionen dieser Briefmarken drucken. Sean Ferrer und weitere Hepburn-Erben stimmten dem Druck zu. Die Bedingung: Es müssten Wohlfahrtsmarken werden. Jeweils 26 Cent oder 50 Pfennige (es war das Jahr der Euro-Einführung) pro Marke sollten an Kinderhilfsorganisationen gehen. So weit, so gut. Als aber Sean Ferrer die fertige Briefmarke sah, missfiel ihm die Bildauswahl: „Die Augen unserer Mutter waren darauf im Schatten und sie hatte einen Zigarettenhalter zwischen den Zähnen.“ So sollte die große Hepburn, die 1993 an Krebs starb, nicht in Erinnerung bleiben.

Ohne Ferrers Zustimmung konnte die Post die Briefmarken aber nicht veröffentlichen und stampfte die Exemplare ein. Wiederum ohne Ferrers Wissen, der dachte, es hätte nur ein einziger Probedruck existiert. „Wir hätten sicherlich noch einmal unsere Entscheidung überdacht, wenn wir gewusst hätten, dass bereits 14 Millionen Marken gedruckt waren“, sagt er heute.

Nach der gescheiterten Zusammenarbeit blieb es einige Jahre ruhig um die Hepburn-Marke. Bis 2004, als Philatelisten ein gestempeltes Exemplar in die Hände bekamen. Die Überraschung war perfekt. Mittlerweile sind fünf abgestempelte Marken aufgespürt, auch in Bayern. 2009 zahlte ein Sammler 67000 Euro für ein Exemplar.

So kam Sean Ferrer wieder ins Spiel. Ihm fiel der Probebogen ein, den er einst von der Post erhalten hatte. Genau dieser wird nun am Samstag im Berliner Hotel Adlon versteigert. Experten sprechen vom „größten Wertobjekt der modernen Philatelie“, der Einstiegspreis liegt bei einer halben Million Euro. Nie wurde für Briefmarken aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mehr bezahlt. Wie viel auch immer am Ende heraus kommt: Ein Drittel geht an Unicef Deutschland, der Rest an die Audrey-Hepburn-Kinder-Stiftung. „Eine Story, wie für den Film geschrieben“, findet Ferrer. Mit Happy End, versteht sich. V. Assmann

 

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