Päckchen mit gutem Gewissen Geschenke ohne Plastik: Wie Sie Kunststoffe vermeiden

Zerknülltes weihnachtliches Geschenkpapier liegt vor einem geschmücktem Christbaum. (Symbolbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Geschenke mit gutem Gewissen: Wie kann man Kunststoff unterm Weihnachtsbaum vermeiden? Es fängt beim Inhalt an und hört bei der Verpackung auf: Überall lässt sich eine ökologische Alternative finden, sagt Expertin Nadine Schubert.

München - Unser Wohnzimmer ist explodiert. Also gefühlt zumindest. Nach der Bescherung türmen sich Geschenkpapier, Schleifen, Kartons und Folie mit Sternen darauf. Der Christbaum strahlt still vor sich hin, der Haufen drunter raschelt (die Katze liebt Chaos). Soweit die Kindheitserinnerungen der AZ-Autorin.

Schon seit Jahren gibt es bei uns nur noch Geschenke in Zeitungspapier verpackt. Früher war das noch irgendwie seltsam, doch mittlerweile wollen sehr viele unnötigen Plastikabfall reduzieren. Eine, die das aktiv und innovativ vorantreibt, ist Nadine Schubert. Die Autorin von "Noch besser leben ohne Plastik" hat nicht nur Alltagstipps, sondern auch spezielle Ideen, wie man an Weihnachten möglichst ohne Kunststoff unterm Baum auskommt. Für die AZ hat sie ihre wichtigsten Tipps zusammengefasst:

Alternative Verpackungen

Geld für teure Geschenkpapierrollen ausgeben? Das muss wirklich nicht sein, findet Nadine Schubert. "Wer nachhaltig denkt, verzichtet auch im Laden auf den Einpack-Service", sagt sie. Ihr Tipp: "Verwenden Sie Zeitungspapier, alte Buchseiten oder Stoffreste zum Verpacken der Geschenke." Als Klebeband könne Paketband aus Papier oder eine Schnur dienen. Und: "Ein gutes Buch, ein selbst gemachtes Peeling oder ein schönes Bild benötigen gar keine Verpackung. Eine schöne Schleife aus Jute oder ein Geschenkanhänger aus Tonpapier sind ebenso hübsch anzusehen."

Geschenke ohne Plastik

Nicht nur das Drumherum, sprich die Verpackung, ist entscheidend. Sondern auch, was wir an Weihnachten verschenken. Nadine Schubert sagt: "Widersetzen Sie sich dem Trend ‚viel, schnell und bunt’! Sprechen Sie in der Familie an, dass Sie keine billigen Plastikspielsachen für die Kinder möchten, oder dass auch Gebrauchtes verschenkt werden darf." Gerade bei Kinderfahrzeugen und -rädern sei das sinnvoll.

Weiter sagt Schubert: "Werden Sie darüber hinaus ‚immateriell’: Schenken funktioniert am besten, wenn Sie den anderen zeigen, wie es geht. Schenken Sie Kindern einen Ausflug ins Museum oder ins Schwimmbad. Erwachsene freuen sich zum Beispiel über eine Stadtführung. All diese Dinge kann man gemeinsam unternehmen. Denn nichts ist so kostbar, wie Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen."

Gebrauchtes als Raritäten

Schubert weiß, dass viele keine gebrauchten Spielsachen mögen. Sie hält aber dagegen: Gegen antike Raritäten habe kaum jemand etwas einzuwenden. Deshalb müsse es vielleicht nicht das Plastik-Puppenbett aus China sein, sondern ein gutes altes Stück, das mit frischem Anstrich und selbst genähter Bettwäsche in völlig neuem Glanz erstrahlt.

Das gelte übrigens auch für Erwachsenen-Geschenke: "Alte Zuckerdosen, Brotbehälter oder Beistelltische dienen als schöne Deko-Objekte und tolle Seifen machen sich auf einem kleinen Teller aus Bauernsilber gut."

Natürliche Fenster-Deko

Nadine Schubert hat noch einen Punkt rund um Weihnachten, der sich ökologisch betrachtet verbessern lässt: "Neben dem Überfluss an Konsum wird die Umwelt an Spitzentagen im Advent durch den Transport von bis zu 15 Millionen Paketen belastet.“ Hinzu komme eine regelrechte Ressourcenschlacht durch 25 Millionen Christbäume und zehn Millionen Weihnachtsgänse. "Ganz zu schweigen vom enormen Energieverbrauch.“ Allein am 1. Weihnachtsfeiertag verbraucht Schubert zufolge Deutschland 480 Millionen Kilowattstunden Strom.

"Hinzu kommt der leuchtende Weihnachtsschmuck: Lichterketten und Leuchtobjekte entpuppen sich häufig als wahre Stromfresser und Mehrfachstecker drohen der Überlastung zu erliegen, was nicht ungefährlich ist und zu Kurzschlüssen führen kann.“ Auch hier setzt sie auf Natürlichkeit. Fenster könnten gänzlich ohne Strom geschmückt werden. Zum Beispiel: "Durch selbstgemalte Fensterbilder, die mit einer Mischung aus Kreide und Wasser entstehen. Nach Weihnachten wird die Farbe mit einem trockenen Tuch wegpoliert, was die Fenster zum Glänzen bringt.“


Alle Tipps stammen aus dem neuen Buch "Noch besser leben ohne Plastik". Daneben gibt es viele Tipps für einen Alltag mit weniger Plastik; Oekom- Verlag; 13 Euro. Weitere Infos unter: www.besser-leben- ohne-plastik.de/

 

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