Orkan-Liveticker Orkan Andrea fegt über Bayern

Das Orkantief „Andrea“ fegt über Süddeutschland hinweg und hat erste Schäden in Bayern angerichtet. Tierparks und Skipisten wurden geschlossen, Bäume fallen um, in Oberfranken gab es ein erstes Todesopfer und in München warnen die Behörden vor dem Besuch des Englischen Gartens. Foto: dpa

Das Orkantief „Andrea“ fegt über Süddeutschland hinweg und hat erste Schäden in Bayern angerichtet. Tierparks und Skipisten wurden geschlossen, Bäume fallen um, in Oberfranken gab es ein erstes Todesopfer und in München warnen die Behörden vor dem Besuch des Englischen Gartens.

 

München - Das Orkantief „Andrea“ hat am Donnerstag mit heftigen Sturmböen und Regengüssen, starkem Gewitter und Hagel zahlreiche Schäden in ganz Bayern hinterlassen und ein Todesopfer gefordert. Im oberfränkischen Weißenstadt starb eine 43 Jahre alte Autofahrerin nach einem Frontalzusammenstoß. Nach Polizeiangaben war ein anderes Auto vermutlich von einer Sturmböe in den Gegenverkehr gedrückt worden und hatte so den tödlichen Unfall verursacht. In weiten Teilen des Landes blockierten umgestürzte Bäume die Straßen.

In Regensburg, Thannhausen und Landau an der Isar wurden die Dächer eines Möbelhauses, eines Supermarktes und eines Schnellrestaurants abgedeckt. Verletzt wurde dabei niemand. Um die umherfliegenden Trümmerteile des Wellblechdaches in Regensburg zu bergen, war die benachbarte Autobahn 3 zwischen Nürnberg und Passau auf einer Länge von etwa fünf Kilometern rund sieben Stunden lang komplett gesperrt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München sollten am Donnerstag bayernweit orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde (Windstärke 11) erreicht werden.

Wegen des Sturms blieben auch die Zoos in Augsburg und München geschlossen. In Augsburg hat die Stadtverwaltung zudem die Friedhöfe und den Botanischen Garten geschlossen. Da in den Grünanlagen einige Bäume entwurzelt und Äste abgebrochen sind, warnte die Stadt auch für die kommenden Tage vor dem Aufenthalt in Parks und Waldgebieten. Vor allem im Süden des Freistaats hielt der Sturm die Einsatzkräfte auf Trab.

Wie die Polizeipräsidien in Kempten und Augsburg mitteilten, wurden mehrere Autos durch entwurzelte Bäume, abgefallene Äste oder umherfliegende Gegenstände wie Werbetafeln, Verkehrsschilder und Mülltonnen beschädigt. In Augsburg wurden nach Angaben der Feuerwehr zwei ältere Frauen von einer Windböe erfasst und verletzt. Sie kamen ins Krankenhaus. Ein umgestürzter Baum beschädigte auch einen Zug zwischen Geltendorf und Augsburg.

Die Bahnstrecke wurde zeitweise gesperrt. 50 Minuten lang musste nach Angaben der Deutschen Bahn auch die Hauptstrecke Stuttgart-München zwischen dem Augsburger Hauptbahnhof und Augsburg-Hochzoll gesperrt werden. Auch in München wütete der Sturm: In den Morgenstunden zählte die Polizei mehr als 70 Einsätze. Bauzäune, Verkehrszeichen und Mülltonnen wurden umgeweht – einige Male wurden parkende Autos beschädigt. Sogar Balkonmöbel wurden auf die Straße geweht. Die Bayerische Schlösserverwaltung warnte davor, in den Englischen Garten zu gehen. Mehrere Bäume wurden dort umgeworfen und Äste abgerissen.

In und um München waren auch Bahnstrecken vom Unwetter betroffen. Nach einem Blitzeinschlag kam es bei der S8 zu Verspätungen, andere Strecken mussten wegen Bäumen auf den Gleisen oder Ästen in der Oberleitung teilweise gesperrt werden. Das galt auch für die Bahnstrecke Holzkirchen-Rosenheim. Pendler auf dieser Strecke traf es gleich doppelt hart: Auch der Ersatzbus konnte nicht ohne Probleme fahren. Die parallel verlaufende Straße war ebenfalls teilweise gesperrt. In Mittel- und Unterfranken richtete „Andrea“ vergleichsweise geringe Schäden an. „Wir sind relativ glimpflich davon gekommen“, sagte ein Sprecher der Polizei in Würzburg.

Trotz der jeweils rund 40 Einsätze sei niemand verletzt worden. Feuerwehr und Polizei hatten dagegen mit einem umgekippten Anhänger auf der A3, umherfliegenden Dachziegeln, blockierten Straßen und Autobahnen, überlaufenden Kanaldeckeln sowie umgestürzten Bäumen alle Hände voll zu tun. Schnee und Hagel in der Rhön und im Spessart hätten zudem von den Autofahrern viel Geduld abverlangt. In den höheren Lagen behinderte zudem überfrierende Nässe den Verkehr. Der Sturm machte auch den Wintersportlern einen Strich durch die Rechnung. Auf Deutschlands höchstem Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze, ruhte der Ski- und Freizeitbetrieb vollständig.

„Wir lassen niemanden hinauf“, sagte eine Sprecherin der Zugspitzbahn. „Die Sicherheit unserer Gäste geht vor. Warum sollen wir Leute auf die Zugspitze hinaufschicken, wenn sie oben den Finger nicht durch Türe stecken können?“ Für den Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes war die Arbeit am Donnerstag alles andere als angenehm. Bei minus neun Grad fegte ein Sturm mit Orkanstärke über die Zugspitze. Zudem herrschte starkes Schneetreiben, wie Dirk Petzner berichtete.

„Die Sicht beträgt gerade einmal 40 Meter.“ Zum Vergleich: Bei schönem Wetter beträgt die Fernsicht auf der Zugspitze 260 Kilometer. Auch in den Höhenlagen der Allgäuer Alpen war kein Skibetrieb möglich. „Ab einer gewissen Windstärke ist es für die Gäste nicht mehr zumutbar“, sagte Augustin Kröll, Geschäftsführer der Oberstdorfer Bergbahnen. Sämtliche Lifte in den Höhenlagen hätten den Betrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt. Die meisten talnahen Lifte würden jedoch fahren.

Für Skifahrer und Snowboarder gab es am Donnerstag aber auch gute Nachrichten: In den nächsten Tagen soll es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes im Alpenraum kräftig schneien. Bis Samstag erwarten die Meteorologen einen Meter Neuschnee in den Höhenlagen.


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