Organspende-Skandal Heubisch räumt jetzt auf

Neue Struktur: Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch Foto: Gregor Feindt

Nach dem Skandal um Organspenden am Rechts der Isar: Chirurgen werden entmachtet und jetzt wird ein  Leiter für ein neues Zentrum gesucht.

 

München - Ramadama am Rechts der Isar: Auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Münchner TU-Klinikums hat Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) „Defizite“ bei der Vergabe von Spender-Organen festgestellt. Als Konsequenz daraus wird die Transplantationsmedizin am Rechts der Isar komplett neu organisiert.

Aufsichtsratsvorsitzender Heubisch behält sich allerdings „weitere Schritte“ vor – je nachdem zu welchem Ergebnis die Staatsanwaltschaft und die Ärztekammer kommen. Es geht um Lebertransplantationen an der Münchner Klinik. Hier wurden offenbar Patientendaten manipuliert, damit bestimmte Personen eher ein Organ erhalten.

So wurde laut „SZ“ das Blut eines unbekannten Dritten benutzt, um einen Leber-Patienten noch kränker erscheinen zu lassen. So rückte der auf der Transplantations- Liste nach oben. Ein Chefarzt entlarvte den Schwindel schon 2010, hielt aber sein Gedächtnisprotokoll unter Verschluss. Außerdem wurden Leberkranke zu Unrecht auf die Transplantationsliste gesetzt – zum Beispiel ein Alkoholkranker, der erst eine sechsmonatige Abstinenz vorweisen müsste. Oder ein Todkranker, der ein neues Organ erhielt, obwohl er nachweislich zu krank für einen solchen Eingriff war.

Dies alles fasst der Aufsichtsrat zunächst unter „organisatorische und kommunikative Defizite im Bereich der Lebertransplantation“ zusammen und zieht folgende Konsequenzen: Da sich die „Defizite“ auf die zuständige Klinik für Chirurgie und die Medizinische Klinik II beziehen, wird sich mit sofortiger Wirkung der Direktor der Klinik für Anästhesiologe, Professor Eberhard Kochs um Transplantationspatienten kümmern. Er leitet kommissarisch das neue Transplantationszentrum.

Nach der Entmachtung der Chirurgen sucht Heubisch nun einen neuen Chef von außen: „Es soll zeitnah eine Leitung bestellt werden“, sagte der Politiker. Erste Gespräche mit einer externen Persönlichkeit würden bereits geführt. Sechs Stunden saß der Aufsichtsrat um Heubisch zusammen und hat dabei auch zehn Mediziner angehört. Die Klinik hat Manipulationen in einem Fall bereits eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt in mehreren Fällen, auch die Bundesärztekammer prüft.

Die Organisation in allen bayerischen Transplantationszentren wird ab 26. Oktober von einer unabhängigen Expertenkommission um den Wiener Chirurgen Ferdinand Mühlbacher geprüft.

 

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