Opernfestspiele Heulen hätte man mögen mit dem Mütterlein

Pavol Breslik (vorne, sitzend) in Donizettis "Lucrezia Borgia" in der Staatsoper Foto: Wilfried Hösl

Am Ende gingen die Noten aus. Und man wollte gar nicht glauben, dass ein Darling wie Pavol Breslik tatsächlich davon ausging, mit drei Zugaben einfach so davonzukommen. Allerdings gab’s schon beim Applaus ein so wunderbar unbeholfenes Hin und Her mit seinem Klavierpartner Amir Katz, dass man den beiden so ziemlich alles abnahm. Womöglich noch eine Bewässerungsanlage für den Münchner Sommer.

 

Das war der Clou und zugleich die Crux dieses ersten Liederabends, den Breslik seinen Münchnern bescherte. Denn selten taucht einer so aufrichtig ein ins kunstvolle Geschehen, nimmt jede Faser mit dem heiligen Ernst eines Hochamts. Da fehlt dann auch jede Distanz, die nicht nur in Robert Schumanns „Dichterliebe” heilsam wäre. Der Witz, die Selbstironie bleiben sowieso auf der Strecke.

Man mag an den frühen Fritz Wunderlich denken – und goutiert dann eben doch, dass just diese „Dichterliebe“ unsäglich delikat gesungen ist, mit vorbildlicher Diktion und manchen zarten Schattierungen. Nur werden die vom etwas zu pedalreichen, gerne mal zähen Spiel des Pianisten konterkariert. Und auch die wild wuselnden Englein in „Das ist ein Flöten und Geigen“ bekamen bleierne Flügel.

Da war der 32-jährige Slowake doch besser aufgehoben bei Franz Liszts „Petrarca”-Sonetten, die weniger Phonkraft vertragen hätten, und mehr noch bei Antonín Dvoráks „Zigeunermelodien”. Kaum einer wirft sie mit dieser Vertrautheit, dieser Selbstverständlichkeit in den Raum, in weiten, emphatischen Bögen. Mit dieser flexiblen, geschmackvoll geführten Stimme geht so ziemlich alles, das ist verlockend, doch ganz in die Tiefe gelangt Breslik erst in den Liedern aus der Heimat. Heulen hätte man mögen, mit dem Mütterlein hinterm Wald.

 

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